Nachfolge noch unklar
Analysten: Rücktritt des SEC-Chefs Pitt bleibt ohne Folgen

Der Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Harvey Pitt, ist am Dienstag wegen seiner umstrittenen Amtsführung zurückgetreten. Analysten rechnen indes nicht mit Folgen für die Märkte.

Reuters WASHINGTON. Pitt legte am Tag der US-Kongresswahlen sein Amt nieder, nachdem ihn Unstimmigkeiten innerhalb der SEC und Rücktrittsforderungen von Kongressmitgliedern immer stärker unter Druck gesetzt hatten. Er war zuletzt in die Kritik geraten, da er das Präsidialamt und die Ausschussmitglieder der SEC nicht genau über die berufliche Vergangenheit von William Webster informiert habe, den Pitt für das Spitzenamt der neuen Aktienaufsicht favorisiert hatte. Ex-FBI-Chef Webster hatte früher den Wirtschaftsprüferausschuss einer Firma geleitet, der Betrug vorgeworfen wird.

Das Bilanzaufsichts-Gremium, das Webster leitete, war gegründet worden, um nach den Skandalen um Falschbilanzierung von Unternehmen wie dem Energiehändler Enron das Vertrauen am Markt wieder herzustellen. Unklar blieb zunächst, ob Webster an der Spitze der Bilanzaufsicht bleiben werde. Er hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, er werde seinen Rücktritt vom Ausgang der Ermittlungen der SEC und des zuständigen Kongress-Ausschusses abhängig machen. Webster war für eine Stellungnahme am späten Dienstagabend nicht zu ereichen.

Amtszeit voller Turbulenzen

Pitt stand 15 Monate an der Spitze der US-Börsenaufsicht. Während seiner Amtszeit waren die Aktienmärkte durch eine Reihe von Turbulenzen erschüttert worden wie die Anschläge vom 11. September 2001, einer Serie von Bilanzierungsskandalen, einem kräftigen Kurseinbruch und einer umfangreichen Überarbeitung der Wertpapiergesetze durch den Kongress.

In einem Brief an Bush teilte Pitt mit, er wolle nicht zu einer Belastung für die SEC werden und lege daher seinen Posten nieder. Wie aus dem Weißen Haus verlautete, hat Pitt diesen Schritt aus eigenem Entschluss vollzogen. "Wir haben ihn nicht zu seinem Rücktritt gedrängt", sagte ein Mitarbeiter des Präsidialamts. US-Präsident George W. Bush habe Pitts Rücktritt akzeptiert, teilte das Präsidialamt mit.

Ausgang der Kongresswahlen im Marktinteresse

An den Finanzmärkten werde der Rücktritt Pitts keine Rolle spielen, sagte Analyst Arnie Owen von Roth Capital Partners in New York. Die umstrittene Amtsführung Pitts sei schließlich bereits seit ein paar Wochen im Gespräch. Im Zentrum des Marktinteresses stehe vielmehr der Ausgang der Kongresswahlen in den USA, sagte Owen.

Nach Angaben einer SEC-Sprecherin hatte Pitt angeboten, während einer Übergangszeit im Amt zu bleiben. Allerdings könne Präsident Bush sich für die Benennung eines Übergangs-Chefs zwischen zwei SEC-Mitgliedern entscheiden. Als mögliche Nachfolger Pitts kämen der ehemalige SEC-Anwalt James Doty, der Jurist Gary Lynch oder der frühere Bundesrichter Stanley Sporkin in Frage, hieß es in dieser Woche aus Kreisen.

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