Nachfolge von Hans-Joachim Wolff noch offen
Walter Bau wechselt in der Krise den Vorstandschef aus

Der Aufsichtsrat will dies auf seiner heutigen Sitzung beschließen, wie Unternehmenskreise dem Handelsblatt bestätigten.

mwb MÜNCHEN. Ursprünglich sollte Wolff erst mit Ablauf der Hauptversammlung im kommenden Sommer ausscheiden. Es gibt Spekulationen, Wolff würde im Streit um die weitere Ausrichtung das Unternehmen verlassen. Dies wurde aber in Firmenkreisen dementiert.

Die Nachfolge ist noch offen. Finanzchef Hans-Bert Mundorf kommt wohl nicht zum Zuge. Und für Roy und Ralf Walter, die Söhne des Firmengründers Ignaz Walter, dürfte der Chefposten in der aktuell so schwierigen Situation noch etwas zu früh kommen. In Augsburg wird mit einer Überraschung gerechnet.

Ein Firmensprecher wollte Wolffs Abgang nicht kommentieren. Er verwies darauf, dass die Aufsichtsratssitzung "turnusmäßig" angesetzt sei. Das Unternehmen will heute nach der Sitzung auch Details zur wirtschaftlichen Situation von Walter Bau bekannt geben.

Wolff war von 1992 bis zur Fusion 2001 mit Walter Bau Vorstandschef bei Dywidag und wurde auch Chef des fusionierten Unternehmens. Beide Baufirmen gehören mehrheitlich der Familienholding des Augsburger Bauunternehmers Ignaz Walter, der auch dem Aufsichtsrat vorsitzt.

Bislang war die Fusion alles andere als eine Erfolgsstory. Wolff hat einen sehr undankbaren Sanierungsjob angenommen. Nur mit einem Kredit über 100 Mill. Euro konnte die Liquidität bis zum Ende 2003 sichergestellt werden.

Die seit sieben Jahren dauernde Baukrise und Fehler im Auslandsgeschäft vor allem der ehemaligen Walter Bau rissen riesige Löcher in die Bilanz. 2001 hagelte es einen Rekordverlust von 231 Mill Euro. Im ersten Halbjahr 2002 lag der Verlust immer noch bei 25 Mill. Euro. Der Konzern hat inzwischen knapp ein Drittel seiner Kapazitäten abgebaut und beschäftigt noch 11 500 Mitarbeiter. Um mehr Spielraum zu bekommen, verkaufte Walter Bau seine Betonwerke für 80 Mill. Euro und verhandelt derzeit über den Verkauf der Beteiligung an dem Stuttgarter Bauunternehmen Züblin.

Wolff hatte zuletzt auf der Hauptversammlung im Juni Spekulationen um eine drohende Insolvenz erneut zurückgewiesen: "Ich sehe keine Parallelen zu Holzmann." Walter Bau genieße das Vertrauen der Banken. Bislang hat das Konsortium unter Führung der Bayerischer Landesbank auch stillgehalten.

Gefahr droht Walter Bau noch von anderer Seite: Bei der Fusion mit Heilit + Woerner vor zwei Jahren und Dywidag im vergangenen Jahr fühlen sich Kleinaktionäre beim Umtauschverhältnis der Aktien benachteiligt. Walter habe sein Unternehmen jeweils zu hoch bewertet. Kommt das Spruchstellenverfahren ebenfalls zu diesem Ergebnis, drohen Walter hohe Nachzahlungen an die Altaktionäre.

Quelle: Handelsblatt

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