Nachfolgedebatte angeheizt
Siemens-Chef Pierer bestellt sein Haus

Im Herbst seiner Amtszeit muss Siemens-Chef Heinrich von Pierer noch einmal einen Kraftakt bewältigen. "Der Weg ist steil", sagte der 60-Jährige am Donnerstag auf der Bilanz-Pressekonferenz in München. Die Hightech-Flaute und hausgemachte Probleme haben große Teile des Konzerns in die Verlustzone gestürzt.

dpa MÜNCHEN. Mit milliardenteuren Restrukturierungsmaßnahmen und massivem Stellenabbau will Pierer alle Bereiche bis zum Ende seiner Amtszeit auf Profitabilität trimmen. Die Herausforderung macht dem 60-Jährigen ganz offensichtlich Spaß. Der Nachfolgedebatte, die derzeit langsam Form annimmt, gab Pierer mit Hinweisen auf die laufende Kandidatensuche neue Nahrung.

Von Pierer startete 1969 in der Rechtsabteilung von Siemens. Seither hat der Jurist und Volkswirt schon größere Krisen erlebt. Auch wenn angesichts eines hohen Verlusts im vergangenen Quartal in Medienberichten schon vom "Sanierungsfall Siemens" die Rede war, konnte sich Pierer auf der Bilanz-Pressekonferenz den Hinweis leisten: "Die Börse hat davon offensichtlich nichts gemerkt." Die Siemens-Aktie hat ihren Kurs seit den Tiefstständen Ende September mehr als verdoppelt. Die Finanzmärkte trauen Pierer offensichtlich zu, das Ruder herumzureißen.

Schon 1998 war dem damals stark kritisierten Pierer mit der Präsentation des Zehn-Punkte-Programms, das unter anderem die Trennung vom Halbleiter-Bereich einleitete, ein Befreiungsschlag gelungen. Auf der Bilanz-Pressekonferenz verzichtete Pierer auf den großen Paukenschlag. Die Restrukturierung insbesondere der Telekommunikationsbereiche, des Autozulieferers VDO und des Logistikspezialisten Dematic soll entschlossen weiterbetrieben werden. Über allem schwebt dabei die "Operation 2003". Pierer hatte allen Bereichen Ende 2000 ehrgeizige Rendite-Ziele verschrieben, die bis dahin erfüllt werden müssen.

Wohl nicht zufällig fällt der Zielkorridor der mittelfristigen Planung zeitlich nah mit dem Ende von Pierers Amtszeit zusammen. Der Franke, seit neun Jahren an der Spitze von Deutschlands größtem Elektrokonzern, will einmal ein bestelltes Haus übergeben.

Spekulationen über vorzeitigen Abschied

Pierers Amtszeit endet offiziell im Herbst 2004. Doch auch konzernintern wird über einen vorzeitigen Abschied Pierers spekuliert. Dieser könne möglicherweise abtreten, wenn Anfang 2003 die Amtszeit von Aufsichtsratschef Karl-Hermann Baumann endet. Damit würde die Nachfolgedebatte spätestens im kommenden Jahr so richtig losgehen. Allerdings wird selbst eine Vertragsverlängerung Pierers nicht ausgeschlossen.

Pierer gab der Personaldebatte - ob bewusst oder unbewusst - jedenfalls neuen Zündstoff. Er habe Verabredungen mit Baumann getroffen und es seien auch schon Kandidaten für den Chefsessel identifiziert. "Wir haben etwa ein halbes Dutzend Leute unter Beobachtung", ließ Pierer wissen. Für den Aufsichtsrat sei die Suche nach dem Nachfolger bereits jetzt eine der wichtigsten Fragen. Hoffnungen auf den Posten machen sich viele. Als potenzielle Nachfolger wird in den Medien unter anderem Thomas Ganswindt genannt, wenn diesem die Sanierung des hoch defizitären Netzwerkbereichs gelingt. Auch US-Chef Klaus Kleinfeld und Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger werden Chancen eingeräumt. Pierer selbst will die Entscheidung über seine Zukunft nicht alleine treffen. "Es kommt auch darauf an, was meine Frau will."

Noch allerdings macht Pierer nicht den Eindruck, als denke er schon an Abschied. Wie schon früher auf Hauptversammlung nutzte er wieder das Podium, um sich als oberster Handyverkäufer zu engagieren. "Viele schöne Produkte für Weihnachten" habe der Konzern. Besonders angetan hat es dem Konzernchef ein neues Mobilfunkgerät, das wasser- und stoßfest ist. "Fragen Sie einmal in Ihrem Bekanntenkreis, wie viele schon ihr Handy verloren haben, weil es in die Badewanne gefallen ist.

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