Nachfolgediskussion um den Chefsessel voll im Gange
Hypo-Chef Schmidt setzt zum Endspurt an

Der Generationswechsel an der Spitze der Hypo-Vereinsbank ist in Sicht. Albrecht Schmidt, seit 1990 auf dem Chefsessel, will 2003 seinen Posten räumen. Das Gerangel um die Nachfolge in einer schwierigen Phase ist bereits voll entbrannt. Das entscheidende Wort hat die Münchener Rück.

MÜNCHEN. "Mein Nachfolger ist schon an Bord." Mehr ist Albrecht Schmidt schon seit Monaten nicht zu entlocken, wenn es um die Frage geht, wer im kommenden Jahr an die Spitze der Hypo-Vereinsbank (HVB) rückt. Ansonsten schweigt er eisern. Dabei ist die brisante Personalie schon seit langem das beherrschende Thema auf den Fluren Deutschlands zweitgrößter Bank. Fest steht nur, dass HVB-Vorstandssprecher Schmidt spätestens auf der Hauptversammlung am 14. Mai kommenden Jahres aus dem Amt scheiden wird.

Doch das Gerangel in der Chefetage hat schon begonnen. Gleich drei HVB-Vorstandsmitglieder dürfen sich derzeit große Hoffnungen auf den Chefsessel machen: Stephan Bub (43), Stefan Jentzsch (41) und Dieter Rampl (54). Wer der Favorit Schmidts ist, wissen noch nicht einmal enge Vertraute des amtierenden Chefs. Eine Schlüsselrolle bei der Entscheidung spielt sicherlich die Münchener Rück, die über ihre Sperrminorität die eigentliche Macht bei der HVB ist.

Spätestens bis Ende dieses Jahres rechnen Experten mit einer Vorentscheidung. Noch ist das Rennen völlig offen. Kandidat Rampl sitzt seit 1995 im Vorstand der Bank. Er bringt viel Erfahrung mit, ist ein exzellenter Kenner der Bank. Zudem hat der gebürtige Münchener Erfolge aufzuweisen: Rampl hat unter anderem die Wende im wichtigen Firmenkundengeschäft geschafft. Im Dezember durfte er an der Seite Schmidts die ersten Ergebnisse der Allfinanz-Ehe mit der Münchener Rück verkünden. Das zeigt, wie groß sein Einfluss derzeit ist.

Jentzsch dagegen ist erst im vergangenen Mai von Goldman Sachs nach München gekommen. Er verfügt noch nicht über den nötigen "Stallgeruch". Doch der smarte Investmentbanker hat schon die Verantwortung für das wichtige Privatkundengeschäft, das Herzstück der HVB, sowie das Controlling. Er gilt intern als verbindlich und hat sich trotz seiner schwierigen Sanierungsmission keine Feinde gemacht. Jentzsch ist für viele der heimlicher Favorit.

Bub werden dagegen nur Außenseiterchancen eingeräumt. Der HVB-Vorstand für das Finanzmarktgeschäft hat seinen Dienstsitz in New York und beobachtet von dort das Treiben. Der Vater von vier Kindern ist erst seit einem Jahr Vorstandsmitglied und sitzt seit dem jüngsten Vorstandsumbau aber nicht im Konzernvorstand. Kenner der Bank verweisen jedoch darauf, dass Bub damit möglicherweise bewusst aus der Schusslinie genommen wurde.

Wer auch immer Schmidt beerbt, die Nachfolgediskussion trifft den Konzern in einer denkbar ungünstigen Zeit. "2002 wird alles andere als ein leichtes Jahr", räumt Schmidt selbst ein. Die Renditeziele, die er selbst vorgegeben hatte, sind in weite Ferne gerückt. Denn die HVB leidet derzeit wie die gesamte Branche unter der schlechten Konjunktur und der Börsenflaute. Das Geschäft läuft alles andere als rund. Dazu kommen interne Probleme: Im Konzern wird an allen Ecken und Enden umgebaut. Das Immobiliengeschäft wird zusammen geführt, das Privatkundengeschäft neu aufgestellt und die Integration der Bank Austria in Österreich und der Osteuropa-Töchter läuft auf Hochtouren.

Und Schmidt macht Druck. Denn der scheidende HVB-Chef hat den Ehrgeiz, ein gut bestelltes Haus zu übergeben. Nach wie vor liegt der Aktienkurs im Keller. Zwar ist die HVB nach Volumen zu den größten Banken in Europa vorgestoßen. Doch nach Börsenbewertung rangieren die Münchener weit abgeschlagen. Die "Story" der "Bank der Regionen" kommt nicht an, monieren immer wieder Analysten. Dazu kommt, dass die Pläne der Münchener Rück unklar sind. Die Branche fragt sich, ob Großaktionär Münchener Rück die Commerzbank kaufen und mit der HVB verschmelzen will. Schmidts will das verhindern.

Die Unruhe bei der HVB ist also groß. Hinzu kommt, dass Schmidt im vergangenen Herbst gegen viele Widerstände eine völlig neue Konzernstruktur eingeführt hat - und damit erste Zeichen für seine Nachfolge setzte. Ein innerer Zirkel von sechs Vorständen trifft künftig die strategischen Entscheidungen. Zwei langjährige Weggefährte Schmidts wurden dabei degradiert und verließen entnervt die Bank: Eberhard Rauch (53) und Norbert Juchem (49). Beide hatten sich auch Hoffnungen auf den Schmidt-Posten gemacht. Der ebenfalls entmachtete Immobilienvorstand Claus Nolting ist noch an Bord und soll demnächst Zentralvorstand Egbert Eisele (59) beerben.

Auch die Zukunft von Schmidt selbst ist noch nicht geklärt. Eigentlich will er an die Spitze des HVB-Aufsichtsrats wechseln. Doch der amtierende Aufsichtsratchef Kurt Viermetz (62), früher bei J.P.Morgan in New York, hat bisher keine Signale gegeben, dass er den Posten für Schmidt räumen wird. Viermetz kam 1999 nach München, auf dem Höhepunkt des Immobilienskandals der alten Hypo-Bank. Er schlichtete in der unappetitlichen Schlammschlacht, die der Ex-Hypo-Chef Eberhard Martini angezettelt hatte. Schon gibt es Planspiele, Viermetz könne angesichts seiner Verdienste um den Konzern ja Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrat werden. Damit wäre der Weg für Schmidt frei.

1.2.2002

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