Nachfolger für Hubbert gesucht: Mercedes steckt viel Geld in Aufholjagd

Nachfolger für Hubbert gesucht
Mercedes steckt viel Geld in Aufholjagd

Jürgen Hubbert, Daimler-Chrysler-Vorstand und Mercedes-Chef, muss noch einen Kraftakt stemmen, bevor er 2005 in Ruhestand geht. Eine Aufgabe wird sein, gemeinsam mit seinem Kollegen aus der Nutzfahrzeugsparte, Eckhard Cordes, den erfolglosen Van Vaneo vom Markt zu nehmen.

HB STUTTGART. Das Aus für den Vaneo ist besiegelt, heißt es in Konzernkreisen. Dies wollte ein Daimler-Sprecher nicht bestätigten. "Der aktuelle Vaneo wird wie geplant weiterproduziert", sagte er. An einem Nachfolgekonzept werde derzeit gearbeitet.

Das Konzept des Vaneo, der auf der A-Klasse basiert, aber den Nutzfahrzeugen zugeordnet ist, ging nicht auf. Der Compact-Van wird erst seit Herbst 2001 in Berlin-Ludwigsfelde gebaut. Doch er findet nicht genügend Käufer. Statt 50 000 Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr nur 22 000 produziert. Jetzt wird bei Daimler-Chrysler an einem Ersatz gearbeitet - offenbar unter neuem Namen.

Eine größere Herausforderung für Hubbert ist es, BMW besser Paroli zu bieten. Seit Daimler-Chrysler im Februar seine Bilanzzahlen veröffentlichte, haben eine Reihe von Analysten die Daimler-Aktie herabgestuft. Ein Auslöser ist die Pkw-Sparte Mercedes, die stagniert und deren Erträge durch hohe Investitionen stark belastet werden.

Dagegen startet BMW schon in diesem Jahr mit ihrer Modelloffensive. Michael Raab vom Bankhaus Sal. Oppenheim räumt deshalb der BMW-Aktie größere Chancen ein. Dem neuen 5er, dem 6er Coupé und dem X3 von BMW hat Mercedes nur den E-Klasse Combi und den Smart Roadster entgegenzusetzen. Der stockende Absatz der Mercedes-C-Klasse soll offenbar in zweiten Jahreshälfte mit einer Auffrischung angekurbelt werden. Daimler äußert sich dazu aber noch nicht.

Durststrecke dauert mindestens noch ein Jahr

Die Durststrecke bei Mercedes dauert noch mindestens ein Jahr. "Erst das Modelljahr 2004/2005 bringt Mercedes wieder bessere Erträge", analysiert das US-Investmenthaus JP Morgan. Hubbert steckt seit vergangenem Jahr viel Geld in die Aufholjagd. Allein im vergangenen Jahr stiegen die Investitionen in die Mercedes-Sparte, die Mercedes Car Group, um 826 Mill. Euro. In diesem Jahr sind noch größere Anstrengungen geplant.

Hubberts ehrgeizige Pläne sehen komplette Modellfamilien für die Mercedes-Einsteigermodelle der AKlasse und für die Freizeitfahrzeuge der M-Klasse vor. Die neue A-Klasse kommt 2004 auf den Markt, rechtzeitig, wenn BMW erstmals seinen neuen 1er einführt. Mercedes will in den darauffolgenden Jahren aber sukzessive neue Varianten für die A-Klasse auf den Markt bringen: Im Gespräch sind neben dem normalen Modell, das es in einer kurzen und langen Version geben wird, ein A-Klasse Coupé, ein Allrad-Fahrzeug und ein Cabrio. Damit soll sich die Stückzahl der A-Klasse von heute 170 000 Autos pro Jahr auf deutlich über 300 000 erhöhen.

Bei der Geländewagen-Familie der M-Klasse, die im amerikanischen Tuscaloosa montiert wird, gibt es ähnliche Modellstrategien und Wachstumspläne. Kräftig vergrößern soll sich auch die Smart-Familie. Zum kleinen Zweisitzer und dem Roadster kommt im nächsten Jahr ein Viersitzer. Angedacht ist auch ein kleines Allrad.-Freizeitfahrzeug. Interne Planzahlen gehen für 2005 offenbar von mindestens 350 000 Fahrzeugen für die Smart-Familie aus.

Automobilprofessor Willi Diez von der Fachhochschule Nürtingen hält es für möglich, dass die Mercedes Car Group in den nächsten 10 Jahren die jährlichen Stückzahlen auf über 2 Millionen erhöhen wird. Im vergangenen Jahr waren es 1,2 Millionen Autos.

Vertrag von Hubbert läuft 2005 aus

Die Früchte dieser Arbeit wird Hubbert aber nicht mehr ernten. Der Vertrag des dann 65-jährigen läuft im April 2005 aus. Die Suche nach dem nächsten Mister Mercedes ist schon im Gang. Drei Kandidaten sind in der engeren Wahl, heißt es in Unternehmenskreisen. Als Favorit gilt derzeit Wolfgang Bernhard. Der Chrysler-Vize-Chef und Daimler-Chrysler-Vorstandsmitglied hat sich einen Ruf als fähiger Sanierer erarbeitet. Chancen werden aber auch dem neuen Daimler-Forschungsvorstand Thomas Weber eingeräumt, der davor das A-Klasse-Werk Rastatt leitete. Der Dritte Kandidat ist Ulrich Walker, derzeit nach Rolf Eckrodt der zweitwichtigste Abgesandte bei der japanischen Beteiligung Mitsubishi Motors. Doch damit hat Hubbert sein Haus noch nicht bestellt. Weitere Schlüsselpositionen bei der Mercedes Car Group müssen spätestens 2004 entschieden werden. Produktionschef Helmut Petri und Entwicklungschef Hans-Joachim Schöpf gehen dann in den Ruhestand.

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