Nachfolger für Vizepräsident Noyer gesucht: Duisenberg sorgt sich um Machtvakuum an der EZB-Spitze

Nachfolger für Vizepräsident Noyer gesucht
Duisenberg sorgt sich um Machtvakuum an der EZB-Spitze

Wie am EZB-Sitz in Frankfurt bekannt wurde, forderte Duisenberg die EU-Regierungen in einem Schreiben auf, die Nachfolge seines Stellvertreters Christian Noyer zu regeln.

afp FRANKFURT. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, sorgt sich offenbar um ein Machtvakuum an der Spitze seines Hauses: Wie am EZB-Sitz in Frankfurt am Main bekannt wurde, forderte Duisenberg die EU-Regierungen in einem Schreiben auf, die Nachfolge seines Stellvertreters Christian Noyer zu regeln.

Der Niederländer habe den obersten Repräsentanten der EU-Außenpolitik, Javier Solana, darauf hingewiesen, dass ein Nachfolger für den Ende Mai ausscheidenden Franzosen bald gefunden werden müsse. Die Entscheidung darüber liegt bei den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union.

Die Nachfolge für Noyer dürfte vor allem Frankreich ein größeres Kopfzerbrechen bereiten. Der zweitgrößte Euro-Staat will mit dem Pariser Notenbankchef Jean-Claude Trichet bereits den Nachfolger Duisenbergs stellen, der anders als sein Vize offiziell für acht Jahre aufgestellt ist. Duisenberg will zwar nicht die volle Amtszeit bis Ende Mai 2006 dienen, aber auch nicht wie von den Franzosen zunächst erhofft bereits zur Mitte dieses Jahres gehen. Entsprechende Vorstöße wies der inzwischen 66-jährige Duisenberg zuletzt zurück.

Kein vorzeitiger Rücktritt von Duisenberg

Zuletzt hatte Duisenberg mehrfach angedeutet, dass er einen Wechsel im Jahr 2002, kurz nach der Bargeld-Umstellung, für ungünstig halte. Notenbanker treten nicht selten mit 68 Jahren in den Ruhestand; diese Altersgrenze erreicht der Niederländer am 9. Juli 2003. Wenn die Franzosen den Chef-Sessel bei der EZB besetzen wollen, müssen sie nach der üblichen politischen Arithmetik den Vize-Posten aufgeben. Nach derzeitigem Stand ist noch nicht klar, wie lange dieser Zustand dauern könnte.

Duisenberg zeigte sich selbst zuletzt ungerührt: In einem Interview der französischen Tageszeitung "La Tribune" vom Dienstag betonte er, dass der Vertrag von Maastricht die Größe eines Landes nicht als Kriterium für Personalentscheidungen erwähne. Erfahrung in der Welt der Banken und der internationalen Finanzen seien die einzigen Bedingungen.

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