Nachfolger von Full
Reitzle wechselt an Linde-Spitze

An der Spitze des erfolgreichen Mischkonzerns Linde steht ein personeller Wechsel bevor. Mittlerweile gilt als sicher, dass der ehemalige BMW - und derzeitige Ford-Manager Wolfgang Reitzle das Steuer in der Wiesbadener Zentrale übernimmt.

dpa FRANKFURT. Einen entsprechenden Bericht des "manager magazin" wollte die Linde AG zwar nicht bestätigen. In der Unternehmensleitung richtet man sich aber schon auf den Seiteneinsteiger aus der Automobilindustrie ein.

Mit Sicherheit wird der amtierende Linde-Vorstandsvorsitzende Gerhard Full zum Jahresende die Konzernführung abgeben. Sein ohnehin bereits verlängerter Vertrag läuft zum 31. Dezember aus. Seit geraumer Zeit sucht der Aufsichtsratsvorsitzende und frühere Linde-Chef Hans Meinhardt einen geeigneten Manager für die Spitze des weltweit operierenden Konzerns mit den Sparten Industriegase und Anlagenbau, Fördertechnik und Gabelstapler sowie Kühlaggregate für den Handel.

Full (65) sollte bereits im Mai 2001 zurück ins Glied treten und sich auf die Gassparte konzentrieren. Sie wurde nach der Übernahme der schwedischen AGA zum wichtigsten Standbein und verspricht auch für die nächsten Jahre die besten Expansionschancen. Doch Fulls bereits ausgesuchter Kronprinz, Peter Grafoner, wurde kurz vor dem Wechsel wegen Meinungsverschiedenheiten mit "Mr. Linde" (Meinhardt) von diesem aus dem Verkehr gezogen.

Mit dem Automann Reitzle würde ein völlig neuer Manager-Typ in den konservativen Linde-Konzern mit über 9 Milliarden Euro Umsatz und weltweit 46 000 Beschäftigten eintreten. Bislang steuerten eher stille Strategen durch alle konjunkturellen Höhen und Tiefen. Der überwiegend erfolgreiche Kurs wurde eher bescheiden dargestellt, vollmundige Ankündigungen waren unbekannt.

In der glitzernden Welt der Autoindustrie sind dagegen auch andere Qualitäten gefordert. Öffentliche Präsenz, sicheres Auftreten in den Medien bis hin zur lauten Marketing-Präsentation. Diese Felder beherrscht Reitzle, der mit der TV-Moderatorin Nina Ruge verheiratet ist, mit Bravour. Seit 1999 ist der passionierte Golfer im Ford-Konzern für die Luxusmarken Jaguar, Land Rover, Aston Martin, Volvo und Lincoln zuständig. Zuvor war der Wirtschaftsingenieur zwei Jahrzehnte bei BMW und dort als Chefentwickler maßgeblich für die Erfolge der weiß-blauen Marke verantwortlich. Die BMW-Großaktionäre der Familie Quandt gaben ihm aber nicht den Ritterschlag zum Vorstandsvorsitzenden.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte bereits Anfang der Woche berichtet, der 53-Jährige wolle bei Ford aussteigen und wieder in ein deutsches Unternehmen zurückkehren.

Ein Aufstieg von London in die amerikanische Konzernzentrale Detroit habe er ebenso abgelehnt wie ein entsprechendes Angebot des Hauptkonkurrenten General Motors. Dem fast aussichtslosen Machtkampf mit den starken Seilschaften in der US-Autoindustrie wollte sich der Schwabe offensichtlich nicht aussetzen. Beim Traditionskonzern Linde könnte er dagegen eine neue Unternehmenskultur anstoßen.

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