Nachfolger von Havel: Vaclav Klaus gewinnt Präsidentenwahl in Prag

Nachfolger von Havel
Vaclav Klaus gewinnt Präsidentenwahl in Prag

Der frühere Regierungschef Vaclav Klaus (61) ist zum neuen tschechischen Präsidenten gewählt worden. Der konservative Politiker setzte sich im Parlament in Prag am Freitag in geheimer Abstimmung mit 142 zu 124 Stimmen gegen den parteilosen Kandidaten der sozialliberalen Regierung, Jan Sokol (66), durch.

HB/dpa PRAG. Das Amt ist seit dem Ausscheiden des langjährigen Staatsoberhauptes Vaclav Havel am 3. Februar verwaist. Klaus tritt das fünfjährige Amt am 7. März an.

Das Ergebnis des dritten Wahlgangs der insgesamt dritten Wahlrunde war vom Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses, Lubomir Zaoralek, am Abend bekannt gegeben worden. In seiner Dankesrede kündigte Klaus eine "überparteiliche" Amtsführung an. Statt Feindschaft sollten "Einmütigkeit und Gelassenheit" Einzug in die innenpolitische Auseinandersetzung halten, sagte der Ehrenvorsitzende der Demokratischen Bürgerpartei (ODS). Sein langjähriger Rivale Havel (66) wünschte seinem Nachfolger "gutes Gelingen".

Ministerpräsident Vladimir Spidla wies nach Bekanntwerden des Ergebnisses Rücktrittsabsichten zurück. Der Sozialdemokrat (CSSD) steht nach der Niederlage unter Druck. Er muss auf einem Parteitag Ende März um sein Amt als CSSD-Vorsitzender bangen. Spidla war es in drei Wahlrunden seit Mitte Januar nicht gelungen, für einen der insgesamt fünf eigenen Kandidaten eine Mehrheit zusammenzubringen. Vor allem die Anhänger des umstrittenen früheren Regierungschefs Milos Zeman (CSSD) hatten Spidla die Gefolgschaft verweigert.

Letztlich entscheidend dürften die Stimmen der Kommunisten (KSCM) gewesen sein. Mit ihnen hatte sich Klaus unmittelbar vor dem dritten Wahlgang am Abend getroffen. Sein Gegenkandidat Sokol hatte eine enge Zusammenarbeit mit der früheren Staatspartei abgelehnt. Der frühere Regimegegner wirft den Kommunisten unter anderem eine unnachgiebige Haltung gegenüber den Sudetendeutschen vor. Sokol hatte bereits 1995 eine Erklärung unterzeichnet, in der ein Dialog zwischen den Tschechen und den Nachkriegs-Vertriebenen gefordert worden war.

Klaus war von 1992 bis zu einer Spendenaffäre 1997 Ministerpräsident und später Vorsitzender des Abgeordnetenhauses. Sein vehementes Eintreten für eine "Marktwirtschaft ohne Adjektive" hatte ihm den Spitznamen "Thatcher Mitteleuropas" eingebracht.

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