Nachfolger wird angeblich schon gesucht
Weiter Rücktrittsgerüchte um Ron Sommer

Neue Rücktrittsforderungen von Politikern haben am Wochenende die Spekulationen über einen Rücktritt von Telekom-Chef Ron Sommer verstärkt und die Bundesregierung zu einer unterstützenden Erklärung veranlasst.

Reuters/dpa BONN/BERLIN/FRANKFURT. Einem Bericht der Zeitung "Welt am Sonntag" zufolge fordert nun auch der Vorsitzende des Beirats der Regulierungsbehörde für Telekommuniation und Post, Elmar Müller (CDU), das Ausscheiden Sommers. "Ich denke, die Situation hat einen Zeitpunkt erreicht, an dem ein Rücktritt von Ron Sommer unausweichlich ist", zitierte das Blatt den Bundestagsabgeordneten. Der FDP-Vizefraktionsvorsitzende Rainer Brüderle räumt Sommer dem Bericht zufolge nur noch eine "gewisse Galgenfrist" ein. Sommer selbst hatte in der vergangenen Woche Spekulationen um seinen Rücktritt zurückgewiesen. Auch die Telekom distanzierte sich von neuen Spekulationen über die angeblich kurz bevorstehende Ablösung Sommers. "Da ist absolut nichts dran", erklärte Sprecher Ulrich Lissek am Sonntag.

Ein Sprecher der Bundesregierung kritisierte am Sonntag das Verhalten der Opposition. "Die Bundesregierung weist Einmischungsversuche von Oppositionspolitikern bei der Deutschen Telekom zurück", sagte er. "Das operative Geschäft ist Sache des Vorstandes und vor allem des Vorstandsvorsitzenden, mit dem die Bundesregierung vertrauensvoll zusammen arbeitet." Personalentscheidungen treffe entsprechend dem Aktienrecht der Aufsichtsrat des Unternehmens in alleiniger Verantwortung. "Wer wie die Opposition offenbar ohne Kenntnis des Aktienrechts versucht, auf dem Rücken der Deutschen Telekom parteipolitische Süppchen zu kochen, schwächt das Unternehmen und schadet seinen Aktionären", so der Sprecher weiter. Eine Stellungnahme zur Haltung der Bundesregierung im Aufsichtsrat der Telekom gab das Bundespresseamt jedoch nicht ab. Der Bund hält 43 % der Anteil an der Deutschen Telekom und ist damit in dem Aufsichtsgremium als Großaktionär einflussreich vertreten.

Aktienkurs verlor deutlich an Boden

Sommer war in der letzten Zeit verstärkt in die Kritik geraten, nachdem die Telekom eine Gewinnreduzierung für das letzte Jahr angekündigt und der Kurs der Telekom-Aktien deutlich an Boden verloren hatte. Die Telekom hatte am Mittwoch mitgeteilt, ihre Immobilienvermögen neu zu bewerten, wodurch sich der Reingewinn 2000 um 1,5 Mrd. DM oder rund 20 % reduzieren werde. Die Telekom-Aktie hatte daraufhin zum Wochenschluss ihre Talfahrt der vergangenen Tage fortgesetzt und war am Freitag mit 24,55 Euro rund drei Prozent unter Vortagesschluss nahe ihres Zwei-Jahrestiefs aus dem Handel gegangen.

Wie die "Welt am Sonntag" weiter berichtete, soll Sommer bereits zu Beginn der vergangenen Woche Telekom-Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus seinen Rücktritt angeboten haben, wenn die Bundesregierung ihm nicht nicht unterstütze. Zudem habe der Aufsichtsrat dem Bericht zufolge bereits potenzielle Nachfolger für Sommer sondiert. Als aussichtsreiche Kandidaten gälten Bahn-Aufsichtsratschef Dieter Vogel, Swisscom-Vorstandsmitglied Carsten Schloter sowie Telekom-Vorstand Josef Brauner.

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