Nachfrage liegt deutlich über dem Startangebot
Sony bringt am Freitag Playstation II in Europa auf den Markt

afp BERLIN. Mit der Playstation II steigt am Freitag auch über Europa ein neuer Stern am Videospiel-Himmel auf. Schneller, bunter, lauter - das jüngste Produkt aus dem Hause Sony soll im hart umkämpften Geschäft mit den virtuellen Videowelten neue Standards setzen. Neben funkelnden Augen wird es zum Verkaufstart aber auch lange Gesichter geben: Die Nachfrage überstieg schon in der Vorbestellungsphase deutlich das Angebot. Trotz des stattlichen Preises von 869 Mark dürfte Sony in den kommenden Monaten seinen Platz als Marktführer in der Branche behaupten. Im lukrativen Milliardengeschäft mit den Video-Konsolen tummeln jedoch sich zunehmend mehr Player.

Nach dem furiosen Start der Playstation II in Japan und den USA, wo Spielbegeisterte Stunden oder gar Tage anstanden, um eine der neuen Konsolen zu ergattern, rechnet Sony auch in Europa damit, dass die Erstauflage schnell vergriffen sein wird. In Deutschland bereitet sich der Handel auf einen heißen ersten Verkaufstag vor. Die Elektromarktkette Saturn Hansa öffnet in der Berliner Filiale am Potsdamer Platz bereits um Mitternacht die Pforten, damit Fans keine Stunde länger als nötig warten müssen.

Sony hält für möglich, dass die für Deutschland reservierten 75.000 bis 80.000 Konsolen schon am ersten Tag über die Ladentische gehen. Dann hängt alles von der Kapazität des einzigen Playstation-Werkes in Japan ab. Laut Sony wird die dortige Produktion nun vorwiegend nach Europa geleitet. Werbewirksam vertreibt das Unternehmen Bilder russischer Antonov-Transportflugzeuge, die palettenweise mit Playstations vollgepackt werden. Dass Sony ein Lieferproblem hat, ist für den Konzern ärgerlich, denn die Umsatzzahlen in der Branche steigen ständig. 20 Milliarden Dollar (46 Milliarden Mark) war der Videospiel-Sektor zuletzt schwer - und machte damit mehr Umsatz als die Kino-Industrie. Die Wachstumsrate lag bei 30 %. Von der vor sechs Jahren an den Start gegangenen Playstation I hat Sony bislang 74 Millionen Stück verkauft. Von der Playstation II wollen die Japaner bis März zehn Millionen Stück losschlagen, davon drei Millionen in Europa.

Eigentlich hätte die neue 128-Bit-Playstation schon seit einem Monat auf dem europäischen Markt sein sollen. Im August verschob Sony aber kurzfritig den Starttermin. In der Fachpresse wurde spekuliert, die Verzögerung könnte durch Probleme mit dem "Emotion Engine" geauften Grafikprozessor verursacht worden sein. Sony weist dies zurück und schiebt die Schuld auf Zulieferer, bei denen es wegen der hohen Nachfrage zu Engpässen gekommen sei. Für Sony war die Verschiebung ein schwerer Schlag, nachdem das Unternehmen für den Zeitraum von April bis September einen Verlust von 68,47 Milliarden Yen (1,44 Milliarden Mark/736 Millionen Euro) auswies und dies mit hohen Entwicklungskosten für die Playstation II und mit einem Rückgang der Videospiel-Verkäufe begründete. Auch Konkurrent Sega, der mit Dreamcast bereits seit 1998 eine 128-Bit-Konsole auf dem Markt hat, schreibt mittlerweile das dritte Quartal in Folge rote Zahlen.

Künftig dürfte die Luft in der Branche noch dünner werden. Auch Game-Boy-Produzent Nintendo will in den Markt der "Next-Generation"-Konsolen einsteigen. Verkaufsstart für Nintendos Gamecube soll Ende kommenden Jahres sein. Und auch Branchenfremde wollen sich ein Stück vom Videospiel-Kuchen abschneiden: Vom Herbst 2001 an will der Software-Riese Microsoft mit seiner X-Box die Etablierten das Fürchten lehren. Unternehmensgründer Bill Gates kündigte an, sein Konzern werde sich die Konsole mehr kosten lassen als die Markteinführung des Betriebssystems Windows 95

. Die Zukunft sehen alle Beteiligten im Internet. Nicht nur für Online-Spiele sind die neuen Konsolen fit, auch als Terminal für das Herunterladen von Musik und Filmsequenzen sollen die Stationen künftig dienen und so zur Multimedia-Maschine werden. Nach anfänglich großen Versprechungen ist die Branche aber mittlerweile zurückhaltender und will nun auf die flächendeckende Verfügbarkeit von Breitbandnetzen warten.

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