Nachfrage-Lokomotive Funkausstellung
Elektronik-Branche hofft auf die IFA

Hoffnung Internationale Funkausstellung: Die Branche der Verbraucher-Elektronik blickt alle zwei Jahre erwartungsvoll nach Berlin. Auf der weltgrößten Branchenmesse IFA (29.8-3.9.) füllt der Handel gewöhnlich die Auftragsbücher, und die Industrie ist zufrieden. In diesem Jahr sind die Vorzeichen erstmals deutlich schlechter. Denn die Nachfrage ist in einigen Sparten viel schwächer als in anderen IFA-Jahren. Sie blieb vielfach hinter den Erwartungen zurück.

HB/dpa BERLIN. Die erfolgsverwöhnte Branche registrierte 2001 erste Warnzeichen und im vergangenen Jahr war es amtlich. Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik konnten sich nicht wie gewohnt gegen einen allgemeinen Trend stemmen. TV-Geräte, Videorecorder, Camcorder und HiFi-Anlagen fanden immer weniger Käufer. Selbst günstige Preise bei Neuheiten wirkten kaum stimulierend. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik, Rainer Hecker, räumte kürzlich ein, dass angesichts einer hohen Sättigung der Haushalte nur Innovationen und Weiterentwicklungen zum Kauf anregten.

Während 2001 noch ein Umsatz der Consumer Electronics von 20,4 Mrd. ? ausgewiesen wurde, sackte der Branchenumsatz 2002 auf 19,1 Mrd. ?. Und das Jahr 2003 verläuft vielfach schlechter als erwartet. Vor allem beim "Zugpferd" Fernsehgeräte halten sich die Käufer deutlich zurück. "Der Rückgang beträgt etwa 15 %", sagt Heinz Heer, Vorsitzender der Einkaufskooperation Expert in Hannover. Weitere Sorgenkinder seien der HiFi- und Autoradio-Bereich sowie tragbare Geräte. Im Funkausstellungsjahr sei im ersten Halbjahr die Nachfrage generell schwächer, räumt Heer ein. "Aber das Minus betrug immer nur einige Prozente. Es war kein zweistelliger Rückgang."

Trotz der aktuellen Einbußen ist die Industrie zuversichtlich. Sie setzt erneut auf die "Nachfrage-Lokomotive" IFA 2001 orderte der Handel auf der Messe Waren im Wert von rund zwei Mrd. ?. Hans-Joachim Kamp, Vorsitzender des Fachverbandes Consumer Electronics im ZVEI, sieht die Situation allerdings weniger dramatisch. "Das erste Halbjahr ist nicht so schlecht gelaufen, wie häufig gemunkelt wird."

Zwar gebe es bei TV-Geräten mit Bildröhren zweistellige Rückgänge, dies werde aber von hohen Zuwächsen bei teureren LCD- und Plasma- Geräten aufgefangen. Dadurch sei der Rückgang nur einstellig. "Wir erwarten den Absatz von 100 000 LCD-TV-Geräten und 40 000 Plasma-TV", sagte Kamp, der auch Geschäftsführer der Philips GmbH ist.

"Wenn wir im Moment sehen, wie groß die Begehrlichkeit nach neuen Technologien ist und wie aufgeschlossen die Konsumenten sind, können wir mit einem gewissen Optimismus in die IFA gehen." Die Branche halte an der Prognose von etwa einem Prozent Umsatzwachstum in diesem Jahr fest. Einen Schub werden auch DVD-Recorder bringen, ist Kamp sicher. Nach der Premiere dieser Geräte auf der IFA 2001 wurden weniger als 10 000 Recorder verkauft. "Dieses Jahr erwarten wir einen Markt von mehr als 250 000 Geräten", sagte Kamp. Das Erreichen der Millionen-Marke werde schneller gehen als bei DVD-Playern. Die wiederum erzielten die Zahl von einer Million verkaufter Geräte nach vier Jahren. Videorecorder und CDs als Branchenrenner hätten nach der Einführung dagegen fünf Jahre gebraucht.

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