Nachfrage nach Führungskräften hat leicht zugenommen
Personalberater erweitern ihr Angebot

Um der schwachen Nachfrage nach fähigen Managern zu begegnen, setzen die Personalberater neben der Suche auf zusätzliche Dienste. Eine Trendwende auf dem Markt für Führungskräfte ist nicht in Sicht.

FRANKFURT "Der Trend geht zum One-Stop-Shopping." So charakterisiert Joachim Staude, Vize-Präsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) die Entwicklung im Markt der Personalberater, ihr Geschäft auf eine breitere Basis zu stellen. Weil die Nachfrage nach Führungskräften seit zwei Jahren sinkt, gehen immer mehr Anbieter dazu über, neben der reinen Suche nach Führungspersonal verstärkt ergänzende Leistungen anzubieten. Die Beurteilung von Managern in so genannten Assessments oder Audits ist ein Beispiel, Coaching, oder die Suche nach Managern auf Zeit sind weitere. So sollen den Kunden viele Dienste aus einer Hand angeboten werden.

Um 15 % ist der Umsatz der Personalberater laut Umfrage des BDU 2002 in Deutschland gesunken. Auch die Executive-Search-Berater, die sich auf die Direktansprache und damit auf die Suche nach Managern der ersten und zweiten Führungsebene spezialisiert haben, berichten von rückläufiger Nachfrage. Allerdings scheinen sie noch vergleichsweise glimpflich davon gekommen zu sein, eben weil sie sich auf die Spitzenleute fokussieren.

"Abgenommen hat vor allem die Zahl der Suchaufträge nach Führungskräften im mittleren Management. Hier macht sich bemerkbar, dass die Unternehmen ihre Organisationen straffen", sagt Christoph Netta, Partner von Heidrick & Struggles in München. Die Executive- Search-Berater versuchen ebenfalls, den Honorarrückgang im Suchgeschäft durch wachsenden Umsatz in anderen Geschäftsbereichen zu kompensieren. So hat Heidrick & Struggles den Umsatz von 40 Mill. Euro laut Netta deshalb auf Vorjahresniveau halten können, weil sich das neue Geschäftsfeld Coaching rasant entwickelt hat.

Bei Egon Zehnder International, der Nummer zwei im deutschen Markt, heißt der Erfolgsbringer Management Appraisal. Rund 30 % Anteil hat das Geschäft mit der Bestandsaufnahme von Führungskräften mittlerweile am Umsatz der Hamburger Firma. Etwa 5 000 Topmanager haben die 35 Berater in den vergangenen Jahren im Rahmen von Management Appraisals in deutschen Firmen beurteilt. Das Wachstum in diesem Bereich hat im vergangenen Jahr dafür gesorgt, das das Umsatzminus von 8,5% auf 35,6 Mill. Euro nicht größer ausgefallen ist.

"Gerade im Vorfeld von Kooperationen, Fusionen oder großen Investitionsprojekten haben Unternehmen Bedarf festzustellen, ob ihre Mannschaft für die künftigen Pläne gerüstet ist", erläutert Dominik von Winterfeldt, Managing Partner bei dem Bad Homburger Beratungsunternehmen Boyden International, das dieses Betätigungsfeld Management Assessment nennt. Boyden hat 2002 mit 9 Mill. Euro knapp 13% weniger Umsatz gemacht. Auch das Management auf Zeit (Interim Management) gehört zur Angebotspalette. Allerdings hat sich die Nachfrage hier laut von Winterfeldt uneinheitlich entwickelt.

Thomas Deininger, Chef der gleichnamigen Personalberatung und Präsident der Vereinigung der Deutschen Executive-Search-Berater, will sein Angebot nicht auf andere Geschäftsfelder ausweiten. Er hält mehr davon, sich auf die Kernkompetenz, die Suche zu konzentrieren. Gerade in puncto flexiblere Honorarpolitik aber auch Qualität der Leistung könne die Branche noch optimieren, so Deininger. Er kritisiert damit unter anderem die Praxis in einigen Beratungsunternehmen, junge und unerfahrene Berater mit der Suche und Auswahl von Kandidaten zu betrauen. Deininger hat 2002 etwa 10 % Umsatz verloren, liegt mit 27 Mill. Euro Nettohonorareinnahmen aber im Feld der zehn größten Anbieter.

Trotz Umsatzrückgang scheinen sich die Executiv-Search-Berater in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren besser behauptet zu haben als beispielsweise in den USA. Dort hat die rückläufige Entwicklung in den Bereichen Telekommunikation und neue Medien dazu geführt, dass börsennotierte Personalberatungsunternehmen wie beispielsweise Heidrick & Struggles oder Korn Ferry in größerem Umfang Mitarbeiter entlassen und Büros geschlossen haben.

Zudem scheint sich hier zu Lande eine Besserung abzuzeichnen: BDU-Vize Staude beobachtet seit November eine wieder leicht steigende Nachfrage nach Führungskräften. Boyden-Manager von Winterfeldt allerdings zweifelt noch an einer Trendwende: "Der geringfügige Anstieg der Nachfrage zum Jahresende 2002 ist noch kein Zeichen für eine Trendwende."

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