Nachfrage nach Internet-Titeln hält an
Neue-Markt-Unternehmen sind keine Geld-Vernichter

Ginge es nach den äußeren Faktoren, so ist ein Börsengang derzeit für Internetwerte nicht gerade günstig: Die meisten Neue-Markt-Unternehmen befinden sich seit April im Abwärtstrend. Und die ersten Pleiten wie die des Internethändlers boo.com und des Internet- und Telekom-Anbieters Gigabell haben die Branche erschüttert. Trotzdem ist das Interesse der Anleger an Aktien aus diesem Segment nach wie vor hoch. Insbesondere Werte, die vom E-Commerce Boom profitieren, werden nachgefragt.

mvv DÜSSELDORF.Eines dieser Unternehmen ist Syzygy . Der vor dem Börsengang stehenden E-Business-Dienstleister gab heute die Preisspanne bekannt. Mit 17 bis 20 Euro werden die Titel von den Analysten als günstig bewertet. Am frühen Nachmittag notierte die Aktie vorbörslich bei Lang & Schwarz mit 26,50 zu 27,50 Euro. Syzygy habe zur Eröffnung noch höher gestanden; bei 26 Euro habe sich aber nun ein Boden gebildet, sagte ein Händler. Attraktiv dürfte für die Anleger sein, dass das Unternehmen bereits schwarze Zahlen schreibe. Syzygy ist eine Tochter der WPP-Gruppe, der nach eigenen Angaben weltweit drittgrößten Holding für Werbeagenturen. Analystin Stella Dombrowsky, Analystin bei der BHF-Bank, gefällt die Ausrichtung von Syzygy. Multimediagenturen, die nicht nur Internetlösungen anbieten, sondern auch Beratung bieten, haben ihrer Meinung nach viel Potenzial. Auch wenn das Unternehmen mit den Großen der Branche wie Pixelpark, Kabel New Media und GFT konkurriert - der "Markt sei noch nicht ausgereizt," meint die Analystin. Positiv bewertet die Analsten auch, dass das Unternehmen seine Kostensituation im Griff hat und Gewinne ausweist. Kabel New Media mache dagegen immer noch Verluste, sagt sie.

Potenzial nur in zwei Bereichen

Derzeit ließe sich der Internetmarkt in drei große Bereiche differenzieren: Service, Software und Portale. Im Bereich Service und Software sieht sie noch viel Potenzial für Neuzugänge von Unternehmen. Old-Economy-Firmen benötigen nämlich auch in nächster Zeit Beratungsleistungen. Eher problematisch beurteilt sie den Bereich der Portale. Hier seien die Markteintrittsbarrieren aber auch die Marktaustrittsbarrieren sehr niedrig. Daher sei es teuer und mit hohem Aufwand verbunden, Kunden an sich zu binden. Dombrowsky sieht im Moment keinen Grund für Panik am Neuen Markt. Als es den Neuen Markt noch nicht gegeben habe, sei es auch schon zu Pleiten von Startups gekommen. Jetzt werde der Technologiesektor transparenter, und das sei ja nur von Vorteil.

Zu einem ähnlichen Urteil kommt Analyst Giuseppe-Guido Amato von der Lang & Schwarz Wertpapierhandel AG. An vereinzelte Hiobsbotschaften am Neuen Markt werde sich der Anleger gewöhnen müssen. Bei der hohen Anzahl der am Neuen Markt notierten Werte seien Meldungen - wie kürzlich von Infomatec und Gigabell - nicht verwunderlich.

Allerdings gilt: Traditionelle Kennzahlen wie KGV und Cash-Flow sind für die Internetitel schwerer zu berechnen. Mehr Sinn macht es, sich die einzelne Story anzuschauen. Bei Gigabell hätte nach Meinung der Analysten auffallen müssen, dass das Unternehmen seine ganze Energie in Akquisitionen steckte und das Tagesgeschäft vernachlässigte.

Bei Hexmax ist Skepsis angesagt

Skeptischer als bei Sycygy sind die Analysten bei dem zweiten Börsenkandiaten Hexmax. Das Unternehmen entwickelt Software für die Kombination von redaktionellen Inhalten und Einkaufsmöglichkeiten im Internet. Obschon sich die Kundenliste mit Focus-Online und TV-Spielfilm sehen lassen kann, sind die Vorzeichen für den Gang an den Neuen Markt nicht positiv: Nachdem am Morgen eine Bookbuildingsspanne von 15 bis 18 Euro veröffentlicht worden war, wurde das erste Geschäft im vorbörslichen Handel bei 25 Euro angeschlossen. Danach sei jedoch Abgabedruck aufgekommen, so dass die Papiere am Nachmittag nur noch zu 17,50 bis 19 Euro verkauft wurden, sagte Norbert Empting von der Börsenmakler Schnigge AG.

"Großes" verspreche dieser Start von Hexmac nicht, sagte Empting. Die Erstnotiz am Neuen Markt ist für den 2. Oktober vorgesehen. Angeboten werden rund 1,162 Mill. Inhaber-Stammaktien. Davon stammen 1,0 Mill. Stück aus einer Kapitalerhöhung und 161 500 aus dem Besitz der Altaktionäre. Die Aktien werden unter Führung der Hypo-Vereinsbank platziert. Zudem fungiert Delbrück & Co. als "Co-Lead-Manager." Auch Hexmax setzt auf den E-Commerce Boom. Die von Hexmac entwickelte Software HPS soll Inhalte von Internetseiten mit Hilfe von Datenbanken automatisch aktualisierem. Sie ermöglicht es, E-Commerce Transaktionen abzuwickeln. Das größte Handicap von Hexmac aber ist nach Meinung der Analysten die mangelnde Bekanntheit. Die Rivalen sind Weltmarktführer Vignette und Gauss. Gewinne seien erst 2002 zu erwarten. Vignette arbeite aber bereits profitabel.

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