Nachfrage nach PC und Mobiltelefonen steigt leicht
Technologie-Branche erholt sich nur sehr langsam

Das Warten auf den Aufschwung in der amerikanischen Technologie-Branche ist wie das Warten auf den Frühling: Wann kommt er endlich? Wie hoch werden die Temperaturen steigen? Oder werden plötzliche Stürme doch noch alles verhageln?

SAN FRANCISCO. Die Prognosen für die US-Technologie-Unternehmen erinnern eher an wechselhaftes Aprilwetter denn an einen milden Mai. Analysten und Marktstrategen mischen jeglichen Optimismus mit einer guten Prise Skepsis, jedem positiven Ausblick folgt eine Warnung. "Alle sprechen von einer Erholung der IT-Branche", sagt Pip Coburn, Analyst beim Investmenthaus USB Warburg. "Doch die Erwartungen sollten niedriger sein als sie jetzt schon wieder sind - wir brauchen einfach mehr Geduld."

Pauschale Ausblicke will niemand mehr geben. "Es läuft nicht mehr alles in der Technologie-Branche gleich gut", sagt David Readerman, Stratege beim Investmenthaus Thomas Weisel Partners. "Man kann nicht mehr sagen: Software ist angesagt oder Halbleiter sind aussichtsreich. Jetzt geht es um einzelne Unternehmen in jedem Bereich."

Experten rechnen damit, dass die IT-Branche in diesem Jahr nur leicht wachsen wird. Die Prognosen variieren: Das Investmenthaus Morgan Stanley Dean Witter rechnet mit einem schwachen Plus von 2 % für 2002. Das Marktforschungsunternehmen Aberdeen Group geht dagegen davon aus, dass der Umsatz in der IT-Branche in diesem Jahr um 4,3 % auf 456,3 Mrd. $ steigt. Bruce Temkin, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Forrester Research, hält eine Steigerung um 3,9 % für realistisch. "Trotz des insgesamt besseren Wirtschaftswachstums blieben die Unternehmen bei ihren IT-Investitionen zurückhaltend", sagt Temkin. Im kommenden Jahr sollen die Umsätze in der IT-Branche um 10,4 % steigen. "In der zweiten Hälfte des Jahres 2003 werden Web-Services und neue Internet-Geräte für Privatkunden die Branche beleben", sagt Temkin.

Zumindest bei den Unternehmensgewinnen wird sich der Aufschwung schon früher bemerkbar machen: Für die 84 Technologie-Unternehmen im Aktien-Index S&P 500 erwartet Charles Hill, Research Direktor beim Marktbeobachter First Call, in diesem Quartal eine Besserung. Die Unternehmensgewinne sollen den Prognosen zufolge um 38 % wachsen, im kommenden Quartal werden es dann 133 % sein. "Das ist definitiv der Umschwung", sagt Hill. Und warnt: "Die großen Wachstumsraten haben natürlich viel damit zu tun, dass die Unternehmensgewinne im vergangenen Jahr so miserabel waren." Wichtiger als die tatsächlichen Gewinne seien aber die Ausblicke, die die Unternehmen für die zweite Jahreshälfte geben, sagt Hill.

Besondere Aufmerksamkeit werden die Prognosen der Computerhersteller und die der Hersteller von Mobiltelefonen ernten. Es mehren sich Anzeichen, dass sowohl die PC-Verkäufe als auch die Nachfrage nach Mobiltelefonen in diesem Jahr wieder ein leichtes Plus erreichen könnten. Auch Verkaufszahlen von Computer-Chips ziehen wieder leicht an: Der Industrieverband Semiconductor Industry Association (SIA) prognostiziert ein Umsatzwachstum von 6 % auf 150 Mrd. $.

Bei den Telekommunikations-Ausrüstern herrscht dagegen immer noch Flaute. Experten rechnen damit, dass Investitionen in Telekom-Infrastruktur in diesem Jahr in den USA um weitere 10 % fallen können. "Wer glaubt, dass es mit dem Telekom-Sektor schnell wieder aufwärts geht, muss auf dem Mars leben", kommentiert Erik Gustafson, Fondsmanager beim Investmenthaus Stein Roe & Farnham. Analyst Coburn hofft auf eine starke Konsolidierung des Sektors. "Das wird aber nicht in den nächsten Monaten sondern bestenfalls in den nächsten zwei bis drei Jahren passieren."

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