Nachfrage steigt wieder
Solarindustrie sieht wieder die Sonne

Nach dem Rückschlag im vergangenen Jahr befinden die Hersteller von Anlagen zur Nutzung von Sonnenenergie wieder im Aufwind. Über 11 000 Anträge auf Förderung neuer Solaranlagen zur Erwärmung von Brauchwasser oder zur Heizung gingen im Mai beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft ein. Das sind nach Angaben der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS) rund 45 % mehr als im Vorjahr. Insgesamt erwartet der Verband für dieses Jahr ein Plus von rund 30 %.

DÜSSELDORF. Auch die Nachfrage nach Solaranlagen zur Gewinnung von Strom steigt. Hier hat der Verband in den ersten vier Monaten dieses Jahres 6 357 Anträge auf Förderung gezählt, gegenüber dem Vorjahr eine Verdoppelung. Für diesen "Photovoltaik" genannten Bereich erwartet der UVS in diesem Jahr ein Marktwachstum von 30 bis 40 %. Besonders die Anbieter der "Solarthermie" zur Nutzung der Sonnenenergie für die Erwärmung von Brauchwasser hoffen auf mehr Aufträge. Dieser Markt ist in Deutschland im vergangenen Jahr um über 40 % geschrumpft. Den Grund sieht Gerhard Stryi-Hipp, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarindustrie, in der allgemein verschlechterten Konjunktur, in der Kaufzurückhaltung, aber auch in der zwischenzeitlich deutlich reduzierten staatlichen Förderung. Diese wird als nicht rückzahlbare Zuschüsse verbunden mit zinsgünstigen Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gewährt. Doch um die Nachfrage wieder in Schwung zu bringen, hat Berlin die Fördersätze um rund 35 % - das entspricht etwa dem alten Stand - erhöht. Die rot-grüne Bundesregierung will die Zahl der auf Deutschlands Dächern installierten Sonnenkollektoren bis 2006 verdoppeln. Unklar ist noch, wie es mit der Förderung der Solaranlagen zur Stromgewinnung weitergeht. Das so genannte 100 000-Dächer-Programm mit günstigen Zinssätzen vom Staat läuft Ende 2003 aus und wird nicht verlängert. Dies wird die Nachfrage in diesem Jahr beflügeln, könnte aber 2004 zu einem ähnlichen Einbruch führen wie 2002. Doch gehen die Verbände von einer erneuten Förderung aus und erwarten auch, dass der privat erzeugte Solarstrom weiter von den Netzbetreibern vergütet wird, derzeit zahlen die Energieversorger 45,7 Cent pro Kilowattstunde. Weltweit steht die deutsche Solarwirtschaft mit an vorderster Stelle. Nach Angaben des Bundesverbandes Solarindustrie dominiert Deutschland den europäischen Markt für Solarthermie mit einer installierten Kollektorfläche von 540 000 Quadratmetern. Mit deutlichem Abstand folgen Österreich, Griechenland und Spanien. Für Gerhard Stryi-Hipp vom Bundesverband Solarindustrie steckt die Nutzung der Solarindustrie immer noch in den Anfängen. "Dass die Solarthermie noch nicht in größerem Umfang genutzt wird, liegt unter anderem daran, dass viele Bürger zu wenig über die Technologie wissen", vermutet er. Auch seien in den 70er- und 80er-Jahren in Portugal, Spanien, Frankreich und Italien viele Anlagen installiert worden, die nicht zufrieden stellend funktionierten. "Aus dieser Zeit stammen vielerorts Vorurteile." Inzwischen werden Solarzellen nicht nur auf Dächern installiert, sondern ähnlich wie in der Windenergie auch zur industriellen Stromerzeugung eingesetzt. Ende April ging in der Nähe von Regensburg das mit einer Leistung von vier Megawatt größte Solarkraftwerk der Welt in Betrieb. Anleger können sich über Fonds nach dem Vorbild der Parks für Windenergie beteiligen. Bei der Fertigung der Solarzellen hat sich besonders die Ölindustrie engagiert. BP gilt neben dem japanischen Sharp-Konzern als weltweit größter Hersteller von Solarzellen. Shell betreibt in Gelsenkirchen eine Fabrik und strebt bis 2005 einen Weltmarktanteil von 10 % an. Kleinere spezialisierte Anbieter von Solarzellen und Modulen haben sich sogar an die Börse gewagt. Doch große Erfolge können sie noch nicht ausweisen. Solarworld und auch Solar-Fabrik weisen für 2002 Verluste aus.

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