Nachfrageeinbruch im Telekommunikationsgeschäft
Siemens drohen weitere Umstrukturierungen

Der Siemens-Konzern schließt weitere Restrukturierungsmaßnahmen in seinen Kommunikationssparten nicht aus. An den mittelfristigen Renditezielen halten die Bereiche Netzwerke (ICN), IT-Dienstleistungen (SBS) und Mobilfunk (ICM) aber fest.

Reuters MÜNCHEN. Vor allem im krisengeschüttelten Geschäft mit Festnetzinfrastruktur sei die Transparenz nicht gegeben, erläuterte ICN-Chef Thomas Ganswindt am Dienstag auf einer Analystenkonferenz. "Wir schauen uns den Markt jedes Quartal neu an und entscheiden über Maßnahmen." Die Notwendigkeit weiterer Kostensenkungen hinge von der Marktentwicklung ab.

Die IT-Dienstleistungssparte SBS schloss einen weiteren Stellenabbau nicht aus: "Wir müssen uns darauf vorbereiten, weitere Stellen zu streichen", sagte SBS-Vorstand Bernd Regendantz den Analysten. Im Handygeschäft rechnet Siemens mit einem Anstieg des Absatzes auf bis zu 33 (Vorjahr: 28,9) Millionen Mobiltelefone im laufenden Geschäftsjahr (zum 30. September).

Siemens hat im Telekommunikationsgeschäft wie alle Anbieter mit einem Nachfrageeinbruch der Telekommunikationsindustrie zu kämpfen. Bisher hat der Konzern den Abbau von mehr als 20.000 Stellen allein in diesen drei Sparten angekündigt. Die Siemens-Aktien notierten am Nachmittag mit knapp drei Prozent im Minus bei 51,20 Euro.

Umsetzung des Restrukturierungsprogramms im Gange

Mit der Umsetzung des bisherigen Restrukturierungsprogramms komme die defizitäre Netzwerksparte gut voran, sagte Ganswindt. "Wenn wir diesen Weg konsequent weitergehen, werden wir die Gewinnschwelle erreichen." Von dem geplanten Abbau von 16.600 Stellen seien bereits 10.900 umgesetzt, von der anvisierten Kostenreduzierung von zwei Milliarden Euro seit März 2001 schon 1,3 Milliarden Euro realisiert. Trotz der Unklarheiten über die künftige Marktentwicklung halte ICN an dem Ziel fest, bis Ende des Geschäftsjahres 2004 eine operative Marge zwischen acht bis elf Prozent zu erzielen.

ICN hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2001/2002 (zum 30. September) einen operativen Verlust von 366 Millionen Euro angehäuft, wobei Siemens im Geschäft mit Unternehmensnetzwerken (Enterprise Business) schwarze Zahlen schrieb, mit Infrastruktur für Telekom-Betreiber (Carrier Business) aber einen Verlust von 461 Millionen Euro einfuhr. Aus dem operativen Geschäft habe ICN im dritten Quartal einen positiven Mittelzufluss von 118 Millionen Euro generiert.

SBS soll Kapazität verringern

Auch in der IT-Dienstleistungssparte hat Siemens mit einer schwachen Nachfrage zu kämpfen. Deshalb wolle die Sparte SBS ihre Kapazität um 2500 so genannte Mannjahre verringern, bestätigte SBS-Vorstand Regendantz. Das sei nicht gleichzusetzen mit Entlassungen. Durch die natürliche Fluktuation, kürzere Arbeitszeiten und Teilzeitregelungen wolle man das so weit es geht verhindern. Dennoch müsse man sich auch auf einen weiteren Stellenabbau vorbereiten. SBS, weltweit fünftgrößter IT-Dienstleister, hat bereits den Abbau von 2000 der weltweit 34.000 Stellen angekündigt.

Steigender Absatz im Handygeschäft erwartet

Im Handygeschäft rechnet Mobilfunk-Chef Rudi Lamprecht trotz eines fast stagnierenden Weltmarktes mit einem steigenden Absatz im laufenden Geschäftsjahr. Siemens erwarte einen Absatz von 32 bis 33 (Vorjahr: 28,9) Millionen Mobiltelefonen. Damit werde Siemens seinen Anteil am weltweiten Handymarkt ausbauen. Profitabel sei das Geschäft ab 28 bis 30 Millionen verkaufter Handys - je nach Produktmix. Nach neun Monaten hatte Siemens im Handygeschäft ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 61 Millionen Euro erzielt.

Auch im schwierigen Markt für mobile Infrastruktur werde sich Siemens besser als der Markt entwickeln und mittelfristig auf den zweiten Platz der weltweiten Anbieter klettern, hieß es weiter. Derzeit ist Siemens die Nummer drei mit einem Marktanteil von 13 Prozent.

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