Nachfrageschub auf dem "alten Kontinent"
Europa hängt Amerika bei IT-Investitionen ab

Europäische Unternehmen greifen bei ihren Ausgaben für Informationstechnologie (IT) zurzeit tiefer in die Tasche als US-Konzerne. Darauf deuten die jüngsten Quartalszahlen großer IT-Unternehmen hin. IBM, Hewlett Packard (HP) und Intel erzielten zuletzt zweistellige Zuwachsraten in Europa.

Damit festigt sich eine Entwicklung, die bereits nach dem ersten Halbjahr zu erkennen war. "Wir spüren in Europa wieder ein gestiegenes Interesse an Informations-Technologie", sagte HP-Manager Kasper Rorsted dem Handelsblatt. Er ist als Managing Director für das Geschäft in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika zuständig. Der Umsatz von HP wuchs in der Region Europa im vierten Quartal (August bis Oktober) gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14,2 %. Im gleichen Zeitraum betrug das Plus in Amerika lediglich 4,7 %.

"Wir hatten das ganze Jahr über eine starke Nachfrage nach Notebooks, Desktop-PCs und Digital Imaging Produkten", nannte Rorsted die Gründe für den deutlichen Zuwachs. Auch das Geschäft mit Servern (Netzwerkrechnern für Unternehmen) sowie die Auslagerung von IT-Dienstleistungen (Outsourcing) habe sich gut entwickelt.

Zwar werden die Umsatzzahlen durch Wechselkurseinflüsse verzerrt, doch der grundlegende Trend bleibt. Das zeigen die Daten des HP-Wettbewerbers IBM. "Big Blue" konnte den Umsatz in Europa im dritten Quartal (Juli bis September) um 19 % steigern. In Amerika legten die Erlöse des Konzerns nur um 4 % zu. Währungsbereingt beträgt das Plus in Europa immer noch 7 %, in den USA dagegen 3 %.

Craig Barrett, Chef des weltgrößten Chipherstellers Intel, warnt bereits seit einiger Zeit davor, dass die USA bei den IT-Investitionen hinter Europa zurückzufallen droht. Erst in der vergangenen Woche hatte Barrett vor Analysten erklärt, dass es in einigen Ländern in Europa und Asien Zeichen einer anziehenden Investitionstätigkeit gäbe, während davon in Amerika noch nichts zu spüren sei. Der Chipriese steigerte seine Umsätze im dritten Quartal (Juli bis September) in Europa um 11,8 % und in den USA um 3,5 %.

Europa bleibt im Focus der Dienstleister

Die auf den ersten Blick überraschende Entwicklung - eigentlich gilt Amerika als der größte IT-Markt und die Wachstumslokomotive der Branche - hat mehrere Gründe. Zum einen haben US-Firmen zuvor wesentlich stärker in ihre IT-Ausrüstung investiert als die europäischen Unternehmen, die jetzt einen Nachholbedarf haben. Dieser verschobene Investitionszyklus zeigt sich nun in den Büchern der IT-Konzerne.

Zum anderen dürfte es sich um einen eher kurzfristigen Ausschlag handeln. So erwarten die Marktforscher von Gartner nach einer weltweiten Umfrage unter IT-Verantwortlichen, dass die Budgets 2004 im Schnitt um 3,4 % zulegen werden. Allerdings werde das Plus in Europa mit 2 bis 3 % unter dem Durchschnitt liegen. Auch die Experten von Forrester Research gehen davon aus, dass die US-Firmen schon bald wieder ihren Geldbeutel für IT öffnen werden. Sie prognostizieren für 2004 einen Zuwachs der IT-Ausgaben in den USA um 4 %.

Gleichwohl bleibt Europa für die globalen IT-Unternehmen einer der wichtigsten Märkte. HP erzielte rund 39 % seiner Erlöse auf dem "alten Kontinent". "Ich bin sicher, dass wir diesen hohen Anteil auch in Zukunft halten können", sagte HP-Manager Rorsted und ergänzte: "Ich bin für die nächsten Monate verhalten optimistisch."

Wie interessant Europa für die IT-Branche ist, zeigen auch die Expansionsgelüste von Dell. Der Computerbauer, der zuletzt rund 70 % seiner Umsätze im Heimatmarkt Amerika erzielt, hat angekündigt, seine Geschäfte unter anderem in Deutschland, Frankreich und Großbritannien ausbauen zu wollen.

Quelle: Handelsblatt online 26.11.2003

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