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Nachfrageschub und Web-Barometer fehlen

Der Chef selbst sollte die Informationsgesellschaft aufbauen, fordert der Vorsitzende der Initiative D21, IBM Deutschland-Chef Erwin Staudt (Foto), in seinen "12 Aktionen nach der Wahl".

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Die Bundestagswahl ist vorbei, jetzt brauchen wir von allen Verantwortlichen in Deutschland den durchgreifenden Willen, das Land zu modernisieren. Allen voran der Bundeskanzler und seine Minister. Die Initiative D21 bietet an, die erfolgreiche Zusammenarbeit der letzten drei Jahre fortzusetzen. Zur Modernisierung gehört für uns, die Strukturreformen auf dem Arbeitsmarkt und in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Verwaltung fortzuführen. Chancengleichheit für Frauen und die "Re-Industrialisierung" Ostdeutschlands müssen ebenfalls Schwerpunkte zukünftigen Handelns sein. Die Informationstechnologien sind dabei der Motor der Modernisierung. Das gilt für E-Business gleichermaßen wie für E-Government. Modernisierung der Verwaltung und des Gesundheitswesens Bei der Verwaltungsmodernisierung muss sich die elektronische Signatur durchsetzen, zum Beispiel auf dem Personalausweis. Nur mit der elektronischen Signatur können Abläufe im Internet schnell und sicher durchgeführt werden und nur dann lohnen sich die Investitionen in die Digitalisierung. Die Gesetze dafür sind gemacht, aber der Markt fehlt noch und wir verspielen hier einen internationalen Wettbewerbsvorsprung. Auch in der anstehenden Reform des Gesundheitswesens müssen wir auf den Produktivitätstreiber Internet setzen. Hier brauchen wir mehr Qualität bei weniger Kosten. Mit der Freigabe des Arzneimittelhandels über das Internet könnten bis zu einer Milliarde Euro eingespart werden. In der Schweiz gibt es das schon. Ein weiteres Beispiel ist die Krankenversicherungskarte mit Chip. Würden die Patienten freiwillig darauf Notfalldaten speichern und die Karte auch als Impfausweis nutzen, könnten wir nach Berechnungen einer Studie von Debold und Lux 365 Millionen Euro einsparen. Medienkompetenz für Nachwuchs und Chancengleichheit für Frauen Auch im Bildungsbereich müssen wir die Ergebnisse der Ausgaben transpartenter und vergleichbarer machen. Wir fordern Pisa-Tests in allen Bundesländern mit einem Schwerpunkt Medienkompetenz. In der Referendar-Ausbildung muss das Thema Internet im Unterricht Teil des Pflichtprogramms werden. Auch brauchen wir viel mehr Frauen in der IT-Branche, weil gemischte Teams kreativer sind und weil 50 Prozent der Kunden Frauen sind. Meine Forderung lautet hier: Die technischen Lehrinhalte in Schule, Berufschule und Universität modularer und interdisziplinärer gestalten und mehr Praxisbezug schaffen. "Re-Industrialisierung" Ostdeutschlands In Ostdeutschland haben wir für die Entwicklung der Informationsgesellschaft eine sehr gute Ausgangsposition: eine einheitliche und brandneue Infrastruktur. Was fehlt, sind die Anwender. Wir brauchen einen Nachfrageschub. Und der kann durch Ansiedlung staatlicher Institutionen und Forschungsprojekte ausgelöst werden. Das kostet nicht mehr Geld, sondern verschiebt nur die Praxis: die meisten neuen Vorhaben wurden bisher im Westen angesiedelt. Wir fordern, dass erfolgreiche Projekte des Bundes und der Wirtschaft wie "Schulen ans Netz" oder "Frauen ans Netz" künftig verstärkt in Ostdeutschland laufen. Das Programm Media@Komm soll als Wettbewerb unter ostdeutschen Städten neu ausgelobt werden. Das Bundesamt für Informationsmanagement und Informationstechnik der Bundeswehr mit geplanten 1.000 neuen Arbeitsplätzen soll nicht in Koblenz neu aufgebaut werden, sondern in Greifswald. Ein solcher Impuls ist von der Wirtschaft derzeit nicht zu erwarten. Internationale Vergleichbarkeit: Einführung eines Internet-Barometers Über allen Maßnahmen muss aber eines stehen: Internationaler Benchmark. Wir schlagen ein Internet-Barometer vor, das 10 Indikatoren aus den führernden IT-Ländern enthält. Die neu gewählte Bundesregierung muss die Vielzahl der Maßnahmen an der Entwicklung dieser Indikatoren regelmäßig messen, zum Beispiel die Entwicklung der Zahl der Internet-Nutzer nach Zielgruppen und Regionen. Wir müssen wissen, ob unsere Fördermaßnahmen bei den "Nonlinern" wie Pensionären, Frauen oder Arbeitslosen ankommen, oder ob wir am Bedarf vorbei fördern. Und das Internet-Barometer muss in den Jahreswirtschaftsbericht aufgenommen werden. Nur so verhindern wir die Gefahr der digitalen Spaltung in Deutschland und bieten allen Bürgerinnen und Bürgern Zugang zu den Chancen der Informationsgesellschaft. (*) Erwin Staudt trat 1973 in die IBM Deutschland ein. Seine erste Aufgabe als Führungskraft übernahm er 1982 in Stuttgart. Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland GmbH wurde Erwin Staudt 1998. Lesen Sie mehr über den IBM-Chef in seinem Portrait weiter ...

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