Nachfrageschwäche zwingt Chemieindustrie zur Revision der Investitionspläne
BASF sucht Kooperation mit Chemiefirmen

Wegen des rasanten Konjunktureinbruchs stellen Chemiefirmen ihre Kapazitäten auf den Prüfstand und treiben ihre Neuordnung voran. Das will die BASF-Gruppe zum Ausbau ihrer Position nutzen. Statt großer Zukäufe bevorzugt Europas führender Chemiekonzern dabei Allianzen.

FRANKFURT/M. Der Einbruch der Chemiekonjunktur hinterlässt bei der BASF AG zwar deutliche Spuren, hält den Ludwigshafener Chemiekonzern aber nicht von einer offensiven Strategie ab. BASF werde die bevorstehende Konsolidierung in der Branche "aktiv mitgestalten", kündigte Vorstandsmitglied Jürgen Hambrecht im Gespräch mit dem Handelsblatt an.

BASF werde die Finanzkraft aber nur behutsam und selektiv für Zukäufe nutzen. "Wir wollen unsere Position mit Augenmaß verstärken", betonte Hambrecht mit Blick auf die zum Teil hohen Folgekosten bei Zukäufen. Auch die Verbundstrategie der BASF, die auf eine eng vernetzte Produktion an großen Standorten setzt, steht Chemiezukäufen eher entgegen.

Hambrecht, der im BASF-Vorstand unter anderem die wichtigen Bereiche Anorganika, Petrochemie und Zwischenprodukte verantwortet, zeigt sich überzeugt, dass der Konzern in stärkerer Verfassung aus der Krise hervorgehen wird als aus der letzten Rezession in den frühen 90er Jahren. "BASF ist schneller, schlagkräftiger und innovativer geworden", sagte er.

Die Konzentration in der nach wie vor stark fragmentierten Chemiebranche werde sich beschleunigen, weil schwächere Anbieter besonders in den USA stark unter Druck gerieten. Auch müsse eine Konsolidierung nicht zwangsläufig auf Übernahmen hinauslaufen. Es gebe eine Reihe anderer intelligen

ter Lösungen, etwa wechselseitige Liefervereinbarungen oder der gemeinsame Bau von Anlagen wie zuletzt bei der Erstellung der Petrochemieanlage in Texas in Kooperation mit dem Ölkonzern Totalfina Elf. "Alles was im Rahmen des Kartellrechts möglich ist, sollte ausgeschöpft werden", sagte Hambrecht.

Die Zurückhaltung entspricht dem Branchentrend. Größere Übernahmen sind in den vergangenen Monaten eher die Ausnahme geblieben, obwohl sich die Preise für Chemiefirmen verringert haben. "Die meisten Zukäufe haben in der Vergangenheit die erhofften Synergien nicht gebracht", beschreibt Chemieexperte Tony Cox von der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein negative Erfahrungen, wie sie etwa Clariant bei der Übernahme von BTP oder Ciba bei dem Erwerb von Allied Colloids machten.

Rezession zwingt zur Revision der Investitionspläne

Andererseits gilt die BASF-Gruppe nach dem Verkauf ihres Pharmageschäfts als einer der wenigen Chemiekonzerne, die finanziell auch für große Übernahmen gerüstet wären. Das nährte am Kapitalmarkt jüngst Gerüchte, der Chemieriese könnte sein Pulver trocken halten, um im kommenden Jahr für den US-Agrokonzern Monsanto mitzubieten, von dem sich der bisherige Mehrheitseigner Pharmacia aller Voraussicht nach trennen wird.

Unterdessen zwingt die Rezession zu einem Abbau der Kapazitäten und zu einer Revision der Investitionspläne. Hambrecht schließt nicht aus, dass die Welt-Chemieproduktion sowohl 2001 als auch 2002 schrumpft und erst in drei bis vier Jahren wieder auf das Niveau des vorigen Jahres erreichen wird.

Vor diesem Hintergrund, so schätzt Hambrecht, dürften die Investitionen der Industrie weltweit um etwa ein Viertel zurückgefahren werden. Dabei geht es vor allem um Projekte, die erst im nächsten Jahr in Planung gehen, während laufende Neubauvorhaben - so auch bei der BASF - ohne Verzögerung zu Ende geführt werden. Den Anlagenbau wird die Baisse also erst mit Verzögerung treffen.

BASF hatte bereits im Juni als eines der ersten Unternehmen der Branche eine Reduzierung der Investitionen sowie die Schließung von 14 Betrieben beschlossen und das Programm vor wenigen Tagen noch erweitert. Erstmals seit Jahrzehnten werden ab Mitte Dezember rund 60 Betriebe im Hauptwerk Ludwigshafen für etwa zwei Wochen ihre Produktion unterbrechen. Davon sind rund 10 000 Mitarbeiter betroffen. Ähnliche Schritte sind auch an anderen Standorten geplant.

Hambrecht schließt nicht aus, dass weitere Maßnahmen erforderlich werden, sollte sich die Talfahrt verstärken. "Wir werden angemessen und - bezogen auf die Mitarbeiter - verantwortlich reagieren."

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