Nachgefragt
Alex Cejka: „Einmal US-Masters gewinnen"

Alex Cejka, Deutschlands bester Golfer, spricht im Weekend-Journal-Interview über seinen amerikanischen Traum, die Vorteile des Frühaufstehers und über Profi-Golfer im steten Kampf gegen die Mittelmäßigkeit.

Weekend Journal: Herr Cejka, nach ihrem Erfolg beim US-PGAChampionship in Rochester sind Sie ein gefragter Mann. Gefällt Ihnen die Aufmerksamkeit, die Ihnen in der Öffentlichkeit zuteil wird?

Cejka: Ich habe nichts dagegen. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich die Auftritte in der Öffentlichkeit suche. Jedenfalls kann ich jetzt nachvollziehen, was Tiger Woods durchmacht. Der muss den Rummel um seine Person schon Jahre über sich ergehen lassen.

Wenn Sie weiter so erfolgreich Golf spielen, könnte Sie dieses Los auch treffen. Macht Ihnen das Angst?

Nein. Ich bin gerne mit Menschen zusammen. Aus diesem Grund spiele ich auch bei ProAm-Turnieren mit wie kürzlich im Vorfeld der BMW-Open, Red Bull of Bounds, das mein Manager Richard Rayment veranstaltete. Da habe ich überhaupt keine Berührungsängste.

Nutzen Sie solche ProAm-Turniere auch als Vorbereitung für die Major-Wettbewerbe?

Sehr gerne sogar. Ich habe überhaupt kein Problem damit, von Montag bis Mittwoch auf ProAms zu spielen und am Donnerstag bei einem Major anzutreten. Ich weiß, dass viele meiner Kollegen das nicht verstehen können, aber mir macht das einen riesigen Spaß - ich liebe Golf.

Ihre Liebe zum Golfen hat Ihnen den Beinamen "Iron-Man" eingebracht. Wie haben Sie sich diesen Ruf verdient?

Den Namen haben mir Kollegen gegeben, da ich fast jede Woche auf der US-Tour oder in Europa spiele und weil ich jeden Morgen ab 6.30 Uhr auf dem Platz trainiere.

Weshalb der Frühsport?

Meine Kollegen und die Hobby-Golfer finden sich in der Regel erst ab 10 Uhr auf dem Platz ein. Das ist mir zu spät. Der Trubel ist mir dann zu viel, da stehe ich lieber um 5 Uhr auf und freue mich um 6.30 Uhr über einen menschenleeren Golfplatz.

Während Ihre Golf-Kollegen am späten Vormittag ihr Warming-up in der Driving-Range absolvieren, haben Sie schon 18-Loch gespielt. Was trainieren Sie in der Einsamkeit?

Beim Training habe ich mich auf mein kurzes Spiel fokussiert. Ich weiß, dass da, im Gegensatz zu meinem langen Spiel, noch Schwächen liegen. Hier muss ich mich einfach noch verbessern, um ganz vorne mit dabei zu sein.

Sie spielen ausschließlich auf der PGA-US-Tour. Was reizt Sie daran?

Es war immer mein Traum, in den Staaten zu spielen. Hier treten die stärksten Golfer der Welt auf den größten Turnieren an. Ich denke da zum Beispiel an die Phoenix-Open, zu denen rund 550 000 Zuschauer kommen. Für europäische Verhältnisse eine unglaubliche Zahl.

Auch die Preisgelder sind in den USA nicht ohne.


Das stimmt. Spitzenturniere in Europa locken mit einem Preisgeld von rund drei Millionen Euro. Solche Turniere zählen in den USA zu der kleineren Kategorie. Aber ich bin nicht wegen der hohen Preisgelder nach Übersee gegangen. Was mich in erster Linie antreibt, ist einzig die sportliche Herausforderung. Mein Ziel ist es, als Golfer zur Weltspitze zu gehören.

Diesen Ehrgeiz haben offenbar andere deutsche Golfer nicht. Einige geben sich mit der Tristesse der Mittelmäßigkeit zufrieden. Woran liegt das?

Ich möchte jetzt keine Noten für meine Berufskollegen verteilen. Aus meiner Warte kann ich nur feststellen, dass sportlicher Erfolg beim Golf auch durch Kontinuität unter Beweis gestellt wird - und damit meine ich kontinuierlich erfolgreich. Ich musste für meinen Erfolg kämpfen und habe es gerne getan. Als ich mein erstes Turnier in Deutschland gewann, hatte ich noch nicht einmal das Geld für eine vernünftige Golf-Ausrüstung. Die Profis, gegen die ich damals antrat, haben mich bemitleidet - aber ich habe sie geschlagen.

Jetzt lehren Sie die US-Pros das Fürchten. Tiger Woods sieht in Ihnen den kommenden Stern am Golf-Himmel. Wo sehen Sie sich sportlich selbst, sagen wir in zehn Jahren?

Ganz klar auf dem Golfplatz. Ich will auch in zehn Jahren immer noch auf hohem Niveau Golf spielen und alles für den Sport geben, weil ich weiß, was ich ihm zu verdanken habe. Natürlich will ich auch mindestens eines der großen Majors gewinnen, am liebsten die US-Masters.

Das Gespräch führte Dieter Hintermeier

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