Nachgefragt
"Brokerhäuser sind oft viel zu bullish"

Der New Yorker Vermögensverwalter Gary Schatsky über Aktien und die häufigsten Fehler der Privatanleger. Schatsky erscheint regelmäßig auf den Toplisten der besten Finanzberater.

Raten Sie Ihren Klienten derzeit eher zu Aktien oder zu Bonds?

Ich frage immer, wie viel Risiko meine Klienten objektiv und subjektiv tragen können. Selbst während des Aktienbooms empfahl ich meinen risikofreudigsten Klienten, nie mehr als 75 % Aktien zu halten. Auch damals hatten einige nur 30 oder 40 % . Umgekehrt hält jetzt, nach dem Platzen der Blase, keiner meiner Kunden weniger als 20 % Aktien.

Welches sind die häufigsten Fehler der Privatanleger?

Sie folgen zu stark dem Momentum. Erst gehen sie ganz in Aktien, dann verkaufen sie alles wieder. Da kommen sie dann immer am Schwanzende jeder Entwicklung daher. Außerdem entscheiden sie zu hektisch. Graduelle Umschichtungen sind besser als rein und wieder raus.

Wieviel Prozent halten ihre Kunden im Durchschnitt in Aktien?

Rund 50 %. Aber ich mag den Begriff Durchschnitt nicht. Niemand ist Durchschnitt. Diese ganzen Modellportfolios der Brokerfirmen nehmen auf die Risikobereitschaft, die Einkünfte und andere persönliche Umstände keine Rücksicht. Ich glaube, dass Brokerhäuser generell ein zu rosiges Bild malen und die Aktienmärkte zu bullish sehen, weil sie daran mehr verdienen. Manche konservativen Papiere, wie Staatspapiere, verkaufen die nicht mal.

Welche festverzinslichen Wertpapiere empfehlen Sie derzeit?

Es sollten vor allem kurz- und mittelfristige sein. Ein Bondfonds aus kurzfristigen Titeln rentiert derzeit mit 3 %, ein Anleihefonds mit längerfristigen Papieren bringt 4 %. Der eine Prozentpunkt ist das wesentlich höhere Kursrisiko der Langläufer nicht wert.

Was halten Sie im Moment von den Aktienmärkten?

Kurzfristige Prognosen gebe ich nicht ab, aber ich würde sagen, der Zustand unserer Konjunktur rechtfertigt das Ausmaß der jüngsten Aktienrally noch nicht.

Trotzdem raten Sie Ihren Kunden, Aktien zu halten?

Auf jeden Fall, denn 100 % in eine einzigen Anlageform zu stecken ist riskanter als jede Streuung. Wir glauben zwar, dass die Dinge so und so liegen, aber wir wissen es nicht. Sich für den Fall, dass es anders kommt abzusichern, ist nicht ein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.

Die Fragen stellte Gertrud Hussla.

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