Nachgefragt
Der Kampf um die beste Zeit

Handelsblatt-Interview mit Dirk Steinbach, Wissenschaftler an der Sporthochschule Köln. Er forscht über das Thema "Zeit im Sport".

Weekend Journal: Seit wann werden sportliche Leistungen in Zentimetern und Sekunden gemessen?

Steinbach: Das abstrakte Messen sportlicher Leistung nach Weiten oder Zeiten stellt eine Erfindung des modernen Sports dar. In der Antike war es nur wichtig, besser als der Gegner zu sein, die dabei tatsächlich erbrachte objektive Leistung war dagegen irrelevant. Das dies nicht oder nicht allein durch die fehlende Technologie zu begründen ist, wird daran deutlich, dass auch keine Weiten für zum Beispiel das Speer- oder Diskuswerfen dokumentiert wurden, obwohl dies technisch selbstverständlich auch in der Antike möglich gewesen wäre.

Was hat der moderne Freizeitsportler davon, wenn er gegen die Uhr antritt?

Er bekommt eine Bestätigung seiner Leistung schwarz auf weiß. Das kann sehr befriedigend und motivierend sein.

Was kommt danach?

Nach ihrem ersten erfolgreich gefinishten Rennen haben diese Sportler häufig ihre "Unschuld" verloren und konzentrieren ihr sportliches Handeln auf das Unterbieten der dann vorliegenden persönlichen Bestzeit oder der "Schallmauer". Dabei gehen Erlebnispotenziale und manchmal auch der gesunde Menschenverstand verloren.

Welche Zeitabstände können heute gemessen werden?

Technisch ist heute alles möglich. Wir können problemlos auf 10 000stel-Sekunde genau messen. Die Größe der Zeiteinheiten, die von Menschen als eigenständige Einheit wahrgenommen werden können, liegt dagegen bei 0,100 bis 0,150 Sekunden. Der Vorsprung von 0,127 Sekunden den Silke Kraushaar beim Rodel-Weltcup am vergangenen Wochenende nach zwei Läufen gegenüber ihrer Konkurrentin Silke Otto herausfahren konnte, liegt somit ganz im Grenzbereich der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit.

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