NACHGEFRAGT: EWALD KIST
Wer Erfolg will, braucht den guten Ruf

Herr Kist, wie bedeutsam ist nachhaltiges Wirtschaften?

Corporate Social Responsibility, kurz CSR, und Corporate Citizenship, also CC, stehen ganz oben auf den Tagesordnungen vieler multinationaler Unternehmen. Nach einer KMPG-Studie berichten inzwischen 45 Prozent der Fortune-250- Top-Unternehmen zusätzlich zur Finanzlage auch über ihre Leistungen hinsichtlich Gesellschaft und Umwelt. Es ist deutlich, dass sich das Bewusstsein für CSR zunehmend verbreitet. Aber die Definitionen und das Engagement sind doch sehr verschieden.

Stimmt, aber das kommt daher, dass die Idee der Nachhaltigkeit für viele Unternehmen ganz neu ist. Sie müssen sich damit auseinander setzen. Wie auch immer die Definition aussieht, es gilt stets dieselbe Grundidee: dass ein Unternehmen überall auf der Welt seinen potenziellen Partnern gegenüber verantwortlich handelt.

Wie können Unternehmen das tun?

Unternehmen können durch offene, transparente, auf ethischen Werten und der Achtung aller beteiligten Stakeholder basierende Geschäftspraktiken zu diesem Ziel beitragen. Der Gewinn ist und bleibt zwar die wichtigste Dimension, da er unser Fortbestehen als Unternehmen sichert und auch die Grundlage für unseren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung bildet. ING berücksichtigt jedoch auch soziale Belange und den Umweltschutz. Diese Aspekte bei Finanzierungsentscheidungen zu berücksichtigen, ist eine relativ neue Entwicklung und erfordert die kontinuierliche Schulung von Management, Kreditrisikomanagern und Kundenberatern. Wir stehen hier noch am Anfang eines Lernprozesses.

Ist Gewinnmaximierung stets sinnvoll?

Wir würden stets auf kurzfristige Gewinne verzichten, wenn dies unserem guten Ruf langfristig schaden könnte. Das Risiko einer potenziellen Rufschädigung wird immer stärker in unserer Risikomanagementstrategie berücksichtigt. Daher nehmen wir Geschäftsbeziehungen zu bestimmten Branchen, bei denen ein potenzielles Risiko für Gesellschaft, Umwelt oder den guten Ruf bekannt ist, genau unter die Lupe.

Was ist Ihr internes Ziel?

Inzwischen nahm bereits die Mehrheit unserer Mitarbeiter an einer Schulung zu unseren Geschäftsprinzipien teil. Wir wollen, dass alle unsere Mitarbeiter und Manager sich mit Corporate Social Responsibility und Corporate Citizenship ebenso gut auskennen wie mit Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Eigenkapitalrendite. Sie sollen Kunden zu nachhaltigem Wirtschaften anregen.

Wie parieren Sie Kritik?

Jeder Fondsmanager und Analyst kann bestätigen, wie wichtig das Vertrauen der Anleger und der Ruf eines Unternehmens für den Geschäftserfolg sind. Diese Werte können über Nacht zerstört werden - sie wieder aufzubauen kann jedoch Jahre dauern. Die Herausforderung besteht darin, eine gute Performance zu erbringen und gleichzeitig unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Wir freuen uns deshalb, dass die Fachzeitschrift "The Banker" ING als "Corporate Social Responsibility Bank des Jahres 2003" ausgezeichnet hat. Das motiviert unsere Leute enorm und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, CSR als wichtiger Bestandteil unseres Business zu integrieren.

Wie wollen Sie nachhaltiges Wirtschaften über die ING hinaus voran treiben?

Wir wollen nicht Dritten unseren Werte- und Prinzipienkatalog aufzwingen, sondern unsere Mitarbeiter sollen schwierige Situationen frühzeitig erkennen und verantwortungsvoll handeln können. Auch wenn die ING nur sehr begrenzte Möglichkeiten hat, globale Probleme wie Armut, Umweltschädigung und Menschenrechtsverletzungen zu lösen, ist es unser fester Entschluss, den uns möglichen Beitrag zu leisten. Wir wissen, dass wir schon durch unsere Größe und unseren Einfluss - wir sind in 60 Ländern mit 115 000 Mitarbeitern für circa 60 Millionen Kunden tätig - in manchen Ländern unsere Stakeholder zu nachhaltigem Wirtschaften anregen können. Indem wir vorbildliche Unternehmen fördern und es unwilligen Nachzüglern schwerer machen, können wir einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten.

Das Gespräch führte Susanne Bergius.

@Das vollständige Interview und weitere Informationen finden Sie unter:
www.handelsblatt.com/ nachhaltig-wirtschaften

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%