Nachgefragt: Hans-Olaf Henkel, ehemaliger Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie: Henkel: „Olympische Spiele wären für Leipzig ein mordsmäßiges Signal“

Nachgefragt: Hans-Olaf Henkel, ehemaliger Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie
Henkel: „Olympische Spiele wären für Leipzig ein mordsmäßiges Signal“

Der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie erwartet ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Leipzig und seiner Heimatstadt Hamburg. Olympia würde der sächsischen Stadt Investoren und Ideen bringen, glaubt er.

Herr Henkel, Sie sind gebürtiger Hamburger und haben seinerzeit als IBM-Deutschland-Chef lange in Stuttgart gelebt. Warum treten Sie jetzt für die Leipziger Olympiabewerbung ein?

Das hat viele Gründe, objektive und sentimentale. Mein Engagement für den Osten hat bereits Geschichte, ich war 1990 ja schon Berater von Lothar de Maizière. Im Übrigen würden Olympische Spiele für Leipzig viel mehr bedeuten als für die anderen Bewerberstädte, es wäre ein mordsmäßiges Signal.

Was ist mit Hamburg und Stuttgart?

Nun, die Stuttgarter können sich wirklich nicht beklagen. Denen geht es doch gut, sie haben auch schon die Leichtathletik-WM gehabt. Hamburg ist zwar die schönste Stadt, aber es hat die Olympischen Sommerspiele gar nicht nötig. Dort gibt es doch schon alles.

Aber es gilt als Favorit.

Ich erwarte ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Leipzig und meiner Heimatstadt. Aber ich kenne doch meine Hamburger Pappenheimer. Wenn die Olympia nicht bekommen, werden sie nur sagen: Ach Gott, dann haben wir eben weniger Verkehr in der Stadt. Die Hamburger sind einfach zu kühl, wer engagiert sich denn schon? Hinzu kommt: Hamburg hat zwar nicht die Szene wie Frankfurt, aber es gibt immer Leute, die gegen alles sind: Hafenstraße in Kleinformat. Und der gute Herr von Beust hat alle Hände voll zu tun, dies in den Griff zu bekommen.

Das werden Ihre Hamburger Landsleute nicht gerne hören.

Wissen Sie, ich war kürzlich in einer NDR-Fernsehsendung zu Gast und habe dort in einem roten Sofa sitzend meine Meinung zur Olympiabewerbung gesagt. Dem Moderator ist fast das Mikro aus der Hand gefallen.

Im Osten wird man Ihre Worte zu schätzen wissen.

Die Leipziger Bewerbung soll eine für ganz Ostdeutschland sein. Dort haben wir 20 Prozent Arbeitslose, vier Prozent unseres Bruttosozialprodukts werden jedes Jahr durch den Osten abgesaugt, die jungen Leute ziehen weg, die Städte veröden.

Sollen Olympische Spiele also vor allem eine Aufbauhilfe Ost sein?

So darf man das nicht begründen. Dann würde Leipzig unter Wert gehandelt. Fakt ist, dass es zum Beispiel die Aufgabe von Manfred Stolpe wäre, viel mehr für den Osten zu tun. Aber ich höre nichts von ihm. Ich bin frustriert und geschockt, dass es kein Programm für den Osten gibt. Nichts, gar nichts. Olympia würde Investoren und Ideen bringen, die Bedeutung für Leipzig wäre enorm.

Was können Sie persönlich in den verbleibenden Wochen bis zur Entscheidung am 12. April für Leipzig noch tun?

Ich rede mit Leute wie Ihnen und trete für die Bewerbung ein. Ich werde aber keinen der Wahlberechtigten anrufen und darum bitten, seine Stimme für Leipzig abzugeben. Ich würde auch niemandem raten, dies zu tun. Der Weg von der Lobbyarbeit zur Korruption ist nicht weit. Im Übrigen hoffe ich, dass das NOK anders ist als das berühmte IOC.

Wer oder was hat Sie eigentlich zum flammenden Befürworter der Leipziger Olympia-Bewerbung gemacht?

Zum einen gibt es dort ein beinahe mythisches Engagement für die Sache. Zum anderen ist Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee nicht der klassische Politiker, sondern eine tolle Persönlichkeit. Vor ihm und seinem Engagement habe ich größten Respekt. Ich kann Schröder verstehen, dass er sich geärgert hat, als Tiefensee nicht in sein Kabinett gegangen ist. Mit ihm würde es heute mit Sicherheit ein Ost-Programm geben.

Was ist der größte Unterschied zwischen Schröder und Tiefensee?

Tiefensee glaubt, was er sagt.

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