NACHGEFRAGT: JAMES M. LINDSAY
„Keine Sonderofferten für Europa“

James Lindsay, Experte für US-Außenpolitik am Council on Foreign Relations in New York, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Politik von George W. Bush und John Kerry.

Falls John Kerry die US-Wahl gewinnt: Wo läge der größte Unterschied zu George W. Bush?

Vor allem beim Stil. Kerry würde mehr auf Amerikas traditionelle Verbündete wie die Europäer zugehen.

Heißt das auch eine inhaltliche Annäherung?

Bei den meisten Punkten, die den Europäern lieb und teuer sind, dürfte Kerry wenig anbieten - also keine Sonderofferten. Er wird weder das Kyoto-Protokoll unterzeichnen noch den Internationalen Strafgerichtshof zu seiner Sache machen. Kerry würde sich jedoch wesentlich mehr um den Friedensprozess im Nahen Osten kümmern. Ich halte die Einsetzung eines Sondervermittlers für sehr wahrscheinlich.

Aber wo liegt der Unterschied: Beide geben dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon volle Rückendeckung?

Die Frage ist, inwieweit Kerry dem Friedensprozess in Nahost überhaupt wieder Leben einhauchen kann. Er würde zumindest den Ausgang der Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern ergebnisoffen halten.

Was würde Kerry im Irak anders machen als Bush?

Ihre Zielvorstellungen liegen im Moment nicht sehr weit auseinander. Mit dem wichtigen Unterschied, dass Kerry wenigstens die Chance hätte, eine Irakisierung und Internationalisierung des Konfliktes zu erreichen. Aber es ist äußerst schwierig, die alten Verbündeten ins Boot zu holen. Für die Regierungschefs in Frankreich und Deutschland wäre ein verstärktes Engagement am Golf innenpolitisch radioaktiv.

Wäre Kerry in der Handelspolitik protektionistischer als Bush?

Beide befürworten den Freihandel. Wenn es hart auf hart kommt, machen sie sich aber auch für den Schutz von US-Interessen stark. Kerry würde in Handelsabkommen auf die Aufnahme von Arbeitsrechts- und Umweltstandards drängen. Und sei es auch nur, weil er auf seine demokratische Kern-Klientel Rücksicht nehmen muss.

Würde Bush im Fall einer Wiederwahl außenpolitisch moderater auftreten?

Wir hätten mehr vom Gleichen. Selbst ein knapper Wahlsieg wäre für Bush eine Bestätigung seines bisherigen Kurses.


Die Fragen stellte Michael Backfisch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%