Nachgefragt: Jürgen Kurz
„Die Zeit der Börsengurus ist vorbei“

Jürgen Kurz, Pressesprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e. V., über Analysten-Hitlisten, Aktienempfehlungen und Gewinnprognosen.

Herr Kurz, Analysten-Hitlisten finden immer stärkere Beachtung. Warum?

Rankings sind insgesamt sehr beliebt. Analystenrankings bieten sich an, um Analysten nach ihrer Qualität zu beurteilen. Je mehr unabhängige Researchanbieter es gibt, desto wichtiger ist es, deren Aussagen einordnen zu können. Schließlich zeigen die Untersuchungen, dass auch kleine Researchhäuser gute Analysten haben.

Was lässt sich aus diesen Ranglisten sonst noch ablesen?

Richtig aussagekräftig sind die Ergebnisse erst, wenn sich ein Analyst über längere Zeit auf den vorderen Plätzen hält. Allerdings sind Analysten keine Hellseher. Die Zeit der Börsengurus ist zum Glück vorbei. Die Meinung eines Analysten kann für die eigene Anlageentscheidung nur ein Puzzle-Teil sein. Ob jemand kauft oder nicht, muss er letztlich selber wissen. Schließlich investiert er sein Geld und nicht das des Analysten. Hinzu kommt, dass private Anleger oft nicht den Zugang zu den vollständigen Studien der Analysten haben.

Was müssen Anleger im Umgang mit den Ranglisten beachten?

Die Rankings sind vergangenheitsbezogen. Wer zuletzt ein gutes Händchen hatte, könnte das zwar auch in Zukunft haben, das muss aber nicht so sein. Aktien werden immer wieder von Ereignissen wie Anschlägen oder Naturkatastrophen bewegt, die auch Analysten nicht vorhersehen können.

Wie relevant sind Kriterien wie die Genauigkeit bei der Aktienempfehlung und die Treffsicherheit bei den Gewinnprognosen je Aktie?

Wer bei seinen Gewinnprognosen treffsicher ist, zeigt, dass er ein Unternehmen einschätzen kann. Analysten, die hier richtig liegen, werden mittel- bis langfristig auch bei Empfehlungen gute Ergebnisse erzielen. Privatanleger schauen in der Regel auf die Aktienempfehlungen. Institutionelle dagegen legen Wert auf treffsichere Gewinnprognosen, die Einstufungen machen sie selbst.

Was macht denn nach Ihrer Meinung einen guten Analysten aus?

Die Mischung aus Sachkenntnis und Erfahrung. Ein guter Analyst hat sich auf einen relativ kleinen Bereich spezialisiert und legt in seiner Branche den Fokus auf die dort wichtigen Unternehmen, von denen er idealerweise viel versteht.

Was bedeuten die Rankings für die Analysten und ihre Arbeitgeber?

Wer oben steht, hat zumindest für die nächste Gehaltsverhandlung ein wirklich gutes Argument. Zudem machen solche Listen die Leistungen der einzelnen Analysten transparent. Aber selbst wenn alle sehr gute Ergebnisse erzielen, gibt es immer auch letzte Plätze, das ist bei Ranglisten systemimmanent.

Jürgen Kurz ist Pressesprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e. V.

Die Fragen stellte Petra Hoffknecht.

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