Nachgefragt: Klaus E. Goehrmann
Ein Stimmungsbarometer

Handelsblatt-Redakteur Stefan Winter sprach mit E. Goehrmann, dem Chef der deutschen Messe AG, über die größte Industrie-Messe der Welt.

Herr Goehrmann, Sie bezeichnen die Hannover Messe gern als die "Mutter aller Messen". Demnach gehört ihr die Vergangenheit und ihren "Kindern" die Zukunft?

Das Faszinierende an dieser Messe ist gerade, dass sie immer noch eine Zukunft hat. Wir haben die Cebit ausgegliedert, die Ligna und die Biotechnica, und immer noch ist dies die zweitgrößte Messe der Welt. Als wir die Cebit abtrennten, hatte die Hannover Messe 6 000 Aussteller, heute sind es 7 000. Die Attraktivität ist ungebrochen.

Aber ihren Status als das Messeereignis schlechthin hat sie verloren.

Für viele Schlüsselbranchen ist sie immer noch das Ereignis des Jahres. Aber falls Sie die Zeit der Familienausflüge auf das Messegelände meinen: Die ist tatsächlich vorbei. Die Bagger und Baukräne von früher gibt es hier nicht mehr zu sehen. In dem neuen Konzept, das wir vor drei Jahren mit den Ausstellern entwickelt haben, steht die Automationstechnik klar im Mittelpunkt. Wir reden heute über eine Fachausstellung, genau genommen über sieben Fachausstellungen gleichzeitig. Und eins kann man nicht oft genug sagen: Jede davon ist in ihrem Bereich weltweit führend.

Gerade die Fachleute informieren sich heute auf anderen Wegen. Es gibt doch praktisch nichts mehr, was man nicht im Internet ansehen und bestellen könnte.

Doch, das gibt es: Vertrauen. Das kommt nicht aus dem Computer. Wenn ich ein Geschäft mache, will ich doch mein Gegenüber sehen. Ich will ihm in die Augen schauen, ihm die Hand drücken und hinterher wissen: Dem kann ich trauen. Vielleicht kommt noch der Meister mit, der später an der Maschine arbeiten soll. Der will die Knöpfe drücken und das Material fühlen. Nichts davon geht im Internet.

Wird das Internet in der Messebranche also nie zum Zug kommen?

Doch, aber anders, als viele geglaubt haben. Wir sind zum Beispiel mit Globis, einer Datenbank für Aussteller und Produkte, genau an dem gescheitert, was ich eben beschrieben habe. Die Leute wollen das persönliche Erlebnis. Inzwischen haben wir ein tolles Koexistenzmodell. Unser Internet-Angebot hilft Besuchern und Ausstellern bei der Vorbereitung. Sie können ihren Besuch viel besser planen, schaffen mehr Kontakte an einem Tag und verschwenden weniger Zeit. Der Messebesuch wird viel effizienter. Nach der Vorarbeit im Netz ist die Messe der wirkliche Kulminationspunkt.

Was bedeutet das für den Veranstalter?

Wir verstehen uns als Kommunikationskonzern. Früher haben wir den Ausstellern gesagt: Hier ist die Fläche, macht was draus. Heute bieten wir kompletten Service bis hin zu schlüsselfertigen Lösungen. Wir bieten den Ausstellern an, alles zu organisieren - von der Anfahrt über Unterkunft und Kundenevents bis hin zu Standbau, Werbung und Putzkolonne.

Die Hannover Messe galt immer als Konjunkturbarometer. Kann sie das in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wirklich noch leisten?

Nein, ein Konjunkturbarometer ist sie nicht und war sie auch nie. Dies ist ja nicht in erster Linie eine Verkaufsmesse, sondern eine Kontakt- und Repräsentationsmesse. Aber wo so viele Menschen zusammenkommen, bildet sich eine bestimmte Stimmung heraus. Ein Stimmungsbarometer ist die Hannover Messe in jedem Fall. Die Leute, die herkommen, sind Entscheidungsträger. Sie arbeiten sehr engagiert und mit hohem Einsatz. Das ist der Vorteil der Konzentration auf die Fachbesucher. Die bewegen auch etwas.

Haben Sie Sorge, dass die Stimmung in diesem Jahr unter Sicherheitsmaßnahmen leidet?

Ich halte uns nicht für gefährdet. Wir haben zusammen mit den Behörden und unserer eigenen Sicherheitsfirma ein ausgewogenes Konzept entwickelt. Nebenbei: Das hat auf der Domotex so gut funktioniert, dass enorm viele Diebe gefasst wurden.

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