NACHGEFRAGT: KURT BECK
„Den Fans wird schon einiges zugemutet“

Reicht das bisherige Recht auf Kurzberichterstattung für die ARD aus?

Das staatsvertraglich geregelte Recht auf Kurzberichterstattung ist das, was rechtlich jedem Fernsehveranstalter in Europa gewährt werden kann, ohne die Rechte der Sportveranstalter bzw. Rechteinhaber unzulässig zu beeinträchtigen. Das Bundesverfassungsgericht hat dieses Recht 1998 voll bestätigt, allerdings zu Gunsten der Rechteinhaber insoweit eine Modifizierung vorgenommen, als es bei berufsmäßigen Veranstaltungen keine unentgeltliche Berichterstattung, sondern nur eine angemessen bezahlte Kurzberichterstattung geben darf.

Ist das Quasi-Monopol der Kirch-Gruppe im Sport langfristig eine Gefährdung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks?

Jedes Monopol bedeutet für einen Markt eine gewisse Gefährdung - nicht nur gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sollte die Bundesliga, wie geplant, einen eigenen Sender gründen, wäre die Lage vergleichbar.

Sind die Zuschauer die wahren Verlierer im Streit um die Sportrechte?

Sportinteressierte Zuschauer müssen im Free-TV gut informiert werden, ohne auf Pay-TV angewiesen zu sein. Wer allerdings alle Bundesligaspiele live im Fernsehen sehen will, wird dafür auch extra bezahlen. Dieses Angebot gab es ja in den frühen Bundesligajahren nicht, als ARD und ZDF allein die Übertragungsrechte hatten.

Sind die Preise, die für Sportrechte gezahlt werden, noch angemessen?

Die Sportrechtekosten sind weltweit sehr hoch, weil immer mehr Sender entstehen, die immer mehr Sport anbieten wollen. Insoweit bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Trotzdem sind gerade die Fußballklubs der Bundesliga gut beraten, nicht jährliche Preissteigerungen in ihren Etats einzuplanen. Denn das Ende der Spirale kann schnell kommen, zumal eine Refinanzierbarkeit bei den Sendern schon heute nicht mehr gegeben ist. Den Fußballfans hat man mit den kurzfristig wechselnden Bundesliga-Spielterminierungen, die sich nur nach den Bedürfnissen der Fernsehsender richten, ohnehin schon einiges zugemutet. Ihr Unmut wächst.

Kurt Beck (SPD) ist rheinland-pfälzischer Ministerpräsident und Vorsitzender der Rundfunkkommission der Bundesländer. Die Fragen stellte Hans-Peter Siebenhaar.

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