NACHGEFRAGT: LAURENCE MUTKIN
Chancen auf ein gutes Jahr für Hochzinsbonds

Im Interview: Laurence Mutkin, Director of Fixed Income Strategy beim Vermögensverwalter Scudder Threadneedle Investments.

Der europäische Markt für Unternehmensanleihen erlebt nach dem Boom 1999 zum Start der Währungsunion eine harte Zeit. Wo steht das junge Segment heute?

Der europäische Markt für Firmenanleihen steckt noch immer in den Schuhen eines Teenagers. Allerdings ist er rasch breiter und tiefer geworden: Die Emissionen von Bonds guter Qualität (Investmentgrade) haben sich in zwei Jahren fast verdoppelt auf insgesamt 480 Mrd., bei Hochzinsanleihen (Highyield) hat sich das Emissionsvolumen auf 22 Mrd. verfünffacht. Zudem ist der Markt vielfältiger geworden: Der Anteil von Bonds mit BBB-Rating oder niedriger hat sich verdoppelt. Der Trend hält an: Getrieben wird sie vom Appetit europäischer Anleger auf mehr Bonds und dem Druck auf Schuldner, Bilanzen von Bankkrediten zu befreien.

Der europäische Firmenbond- Markt hat ein hartes Jahr hinter sich. Wie geht es weiter?

Immerhin weist der Merrill Lynch EMU Corporate Bond Index ein Plus von 1 % auf, während Dax und Stoxx-50 im Minus liegen. Die Aussichten sind generell positiv für den Bondmarkt wegen des sich leicht abschwächenden Wachstums und sinkender Leitzinsen. Die Firmenratings dürften sich allerdings weiter verschlechtern, weil der Wettbewerb und der Druck, Shareholder Value zu erhöhen, zunehmen. Firmenbonds insgesamt werden weiter mäßige Erträge bringen und Staatsanleihen kaum schlagen können. Die Kunst besteht darin, attraktive Sektoren zu finden und schwache zu meiden. In den besten 10 % Sparten hat man seit Ende 1998 gut 13 % verdient, in den schwächsten ein Zehntel verloren. Extremer ist die Differenz bei Hochzinsbonds.

Welche Strategie empfehlen Sie für Investmentgrade-Bonds?

Die sichersten Sektoren sind die attraktivsten: Anleger sollten AAA-geratete Bonds übergewichten. Wir mögen Papiere supranationaler Institutionen (wie EIB, KfW), Pfandbriefe und ihr französisches Pendant. Auch Banken sind spannend, außer Investmenthäusern.

Wo steht das Hochzinssegment?

Hochzinsanleihen haben 2000 unter den schwachen Aktienkursen gelitten. Angeführt wurde der Kursrückgang vom gebeutelten Telekomsektor. Der Highyieldmarkt befindet sich in einer Neubewertungsphase. Der Anteil relativ hochwertiger Titel nimmt zu, die Ländervielfalt ebenso. Es gibt sehr gute Renditen im Verhältnis zum Risiko. 2001 hat Chancen auf ein gutes Highyield-Jahr, zumal es in Europa weniger Tech-Bonds gibt als-Aktien.

Zu welcher Strategie raten Sie bei Hochzins-Anleihen?

Der einzige vorsichtige Weg zu Highyield-Bonds ist über Fonds. Eine Sektorauswahl ist schwer: Auch in Sparten, die wir nicht mögen, gibt es einzelne sehr gute Bonds. Gerade im unteren Segment muss man intensiv Einzelwerte analysieren. In unseren Fonds befinden sich einige Telekom-Bonds, obwohl wir den Sektor untergewichten. Generell meiden wir Konsumwarenanbieter.

Die Fragen stellte Anke Rezmer.

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