NACHGEFRAGT: LAWRENCE D. BURNS
„Wasserstoff ist für die ganze Welt von Bedeutung“

Ende Juli wurde ein Brennstoffzellen-Entwicklungszentrum in Honeoye Falls im Bundesstaat New York eröffnet. Robert Donnerbauer sprach mit Lawrence D. Burns von General Motors über die Zukunftstechnologie.

Herr Burns, General Motors (GM) hat Ende Juli ein Brennstoffzellen-Entwicklungszentrum in Honeoye Falls (US-Bundesstaat New York) eröffnet. Welche Bedeutung hat diese neue Einrichtung?

Die Eröffnung des Entwicklungszentrums ist ein entscheidender Schritt für die Zukunft der Brennstoffzellen. Aufbauend auf unseren Forschungsergebnissen geht es jetzt darum, aus innovativster Technologie ein Massenprodukt zu machen, langlebige, erschwingliche Produkte in großer Stückzahl. Die neue Einrichtung dient insbesondere zur Untersuchung der Großserienfertigung von Brennstoffzellen, Treibstoff-Reformern, Elektrolyse-Systemen und zugehörigen Komponenten - sowohl für stationären als auch mobilen Betrieb. Die Arbeit dort wird der Schlüssel zu preiswerter und dauerhafter Mobilität.

Wo sehen Sie den meisten Handlungsbedarf, bei der Technik oder der Infrastruktur?

Was die Technik betrifft, so brauchen wir einen technologischen Durchbruch bei der Wasserstoff-Speicherung an Bord der Fahrzeuge. Und wir müssen mit den Kosten auf erschwingliche Größen runter. Aber wir glauben, dies lösen zu können. Über die Infrastruktur-Seite mache ich mir weit weniger Sorgen. Es gibt so viele Möglichkeiten, Wasserstoff zu produzieren. Ob durch Reformierung aus Benzin und Gas oder eben durch Wasserelektrolyse - im Idealfall aus regenerativ erzeugtem Strom, d.h. aus Wasser- und Windkraft oder Solarenergie. Natürlich müssen sich Unternehmen finden, die den Wasserstoff auch an Tankstellen für den Kunden bereit stellen. Ein anderer, wichtiger Aspekt ist der immense Bestand an herkömmlichen Benzin/Diesel-Fahrzeugen. Allein im vergangenen Jahr wurden weltweit 55 Mill. Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren verkauft. Die Frage ist, wie können wir diese Entwicklung zugunsten von Wasserstoff/Brennstoffzellen-Fahrzeugen herumreißen? Wie können wir die Migration in die Zukunft schaffen? Ein einzelner Hersteller oder auch ein einzelnes Land haben alleine nicht die finanzielle Kraft dafür.

Auf welche Region setzen Sie Ihre Hoffnungen für einen Start in die Wasserstoff-Wirtschaft?

Nicht nur die USA, Europa oder Japan, auch Entwicklungsländer sind wichtige Märkte für diese Technologie. Nehmen sie ein Land wie China. Dort gibt es derzeit keine Mineralöl-Infrastruktur. Warum also nicht direkt in die Wasserstoff-Infrastruktur investieren, um den großen Umweltherausforderungen zu begegnen. China verfügt zum einen über Erdgas, das reformiert werden könnte, und zum anderen über erhebliche Mengen Wasserkraft, die zur Wasserelektrolyse verwendet werden kann. Wasserstoff ist meiner Meinung nach für die ganze Welt von Bedeutung.

Welche Pläne haben Sie für die Markteinführung von Brennstoffzellen-Fahrzeugen?

In den kommenden Jahren könnten etwa zehn bis 30 Fahrzeuge zur Demonstration kommen. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts werden wir eine signifikante Anzahl von Fahrzeugen mit Brennstoffzellen-Antrieb ausgeliefert haben, dann startet der Massenmarkt.

Die Verkehrswirtschaftliche Energiestrategie (VES) in Deutschland hält einen Anteil Wasserstoff betriebener Fahrzeuge an den Neuzulassungen von über 20 % bis zum Jahr 2020 für möglich. Welche Erwartungen haben Sie?

Ich glaube, dass wir in 2010 noch bei weniger als 1 % bis 2 % liegen werden. Doch dann muss es schneller voran gehen. 20 % Marktanteil im Jahr 2020 ist meines Erachtens zu wenig. Wir brauchen bis dahin mindestens einen Neuwagenanteil von 50 %. Dies ist eine große Herausforderung. Aber wir brauchen hohe Stückzahlen, um auch unter Umweltgesichtspunkten etwas zu bewegen. Denn derzeit sind weltweit über 800 Mio. Autos und Lastwagen auf den Straßen unterwegs.

Dafür brauchen Sie aber allein schon bis 2010 eine Menge Autos...

Das stimmt. Wir benötigen einige hundert Tausend Wasserstoff-Fahrzeuge bis Ende dieses Jahrzehnts. GM bleibt übrigens bei der Ankündigung, als erster Hersteller eine Mill. Brennstoffzellen-Fahrzeuge zu verkaufen. Vielleicht schaffen wir dies sogar bis 2010. Im Vergleich zu der Gesamtzahl von geschätzt 70 Mill. Fahrzeugen, die dann gebaut werden, ist dies nicht einmal viel.

Was halten Sie von dem Konzept der Wasserstoff-Direktverbrennung, das BMW und auch u.a. Ford verfolgen?

Diese Aktivitäten helfen, den Markt zu erschließen und den Weg für die Wasserstoff-Wirtschaft zu ebnen. Aber wenn ich schon Wasserstoff habe, dann sollte ich es in einer Brennstoffzelle nutzen, statt direkt zu verbrennen. Die Effizienz ist doppelt so hoch und die Emissionen niedriger. Ich sehe keinen Grund, Wasserstoff in einem Motor zu verbrennen.

Wie sehen Sie sich derzeit im Vergleich zu Wettbewerbern? Toyota will noch in diesem Jahr mindestens 20 Brennstoffzellen-Fahrzeuge in Japan und den USA vermarkten.

Ich zähle GM auf jeden Fall zu den führenden Herstellern. Für uns geht es darum, das gesamte Rennen zu gewinnen, nicht einzelne Streckenabschnitte. Firmen wie Toyota, Honda, Ford oder DaimlerChrysler sind starke Wettbewerber. Es ist schwer, zu sagen, wer gerade führt. Wir kooperieren auf Forschungsseite übrigens eng mit Toyota. Ich bin mit unserer derzeitigen Position jedenfalls sehr zufrieden. Ich finde es wichtiger, das Rennen um die ersten Millionen Brennstoffzellen-Fahrzeuge zu gewinnen, als um die ersten 20 oder 30 Demonstrationsfahrzeuge. Wir wissen, wie teuer so etwas derzeit ist.

Die Fragen stellt Robert Donnerbauer. Lawrence D. Burns ist Vice President F&E und Planung bei General Motors, Detroit.

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