Nachgefragt
„Löhne könnten zum Risiko werden“

Im Handelsblatt-Interview ist Manfred Grenzhäuser. Er leitet die Siemens-Tochter für Kommunikations-Software in Bangalore.

Handelsblatt: Was macht Indien für die Auslagerung von Software-Entwicklung so unwiderstehlich?

Grenzhäuser: Indien ist dafür im Moment unschlagbar. Das Land verfügt über unbegrenzte Ressourcen an sehr gut ausgebildeten Ingenieuren. Anders als in Deutschland ist deren Ausbildung stark auf praktische Arbeit ausgerichtet. Inzwischen ist eine kritische Masse von Talenten gewachsen, die ihr Wissen weitergeben.

Und die Kostenvorteile?

Die Kosten belaufen sich auf rund ein Drittel von denen in Deutschland.

Ohne Qualitätseinbußen?

Es hat gedauert, bis die Qualität gestimmt hat. Aber wir entwickeln für den Weltmarkt, und heute garantieren wir hier globale Qualitätsstandards.

Vergibt Siemens immer noch vor allem einfache Programmierarbeiten nach Indien?

Der Trend geht zur Verlagerung von Kernelementen der Software-Entwicklung, auch bei Siemens. Seit diesem Jahr entwickeln wir UMTS-Software, rund die Hälfte unserer Arbeit entfällt darauf. Insgesamt wird etwa ein Zehntel unserer UMTS-Software hier geschrieben.

Beim Offshoring hinken die Europäer hinterher ...

US-Konzerne haben das strategische Potenzial Indiens drei Jahre vor den Europäern erkannt, sie haben konsequent investiert und Anfangsprobleme ihrer Töchter hier ausgebügelt. Die Europäer müssen aufholen. Der Kostendruck lässt ihnen keine Wahl.

Wie ist es bei Siemens?

Bei Siemens ist der Trend seit einem Jahr in vollem Gang, und es sieht danach aus, dass wir weiter Entwicklungsarbeit hierher verlagern. In den vorigen Monaten haben wir 80 Leute eingestellt. Bis Jahresende wollen wir auf 500 Mitarbeiter kommen.

Bedroht der Einstellungs-Boom nicht einen elementaren Standortfaktor, die niedrigen Löhne?

Zurzeit halten sich die Lohnsteigerungen mit um die 10 % noch in Grenzen. Wenn viele Neue hier ankommen, könnten die Gehälter schneller anziehen. Das könnte ein Risiko für den Standort werden.

Gibt es Alternativen zu Indien?

Polen ist ein Wettbewerber, aber das Land ist klein, mit vergleichsweise begrenzten Ressourcen. China ist ein echter Konkurrent, aber dort sind unter anderem mangelnde Englischkenntnisse ein Hindernis.

Das Gespräch führte Oliver Müller.

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