Nachgefragt: Michael Ringier
„Schweizer zu sein ist ein Vorteil“

Der Schweizer Verleger Mchael Ringier über die Rolle Osteuropas für den Medienkonzern und die weiteren Expansionspläne.

Handelsblatt: Herr Ringier, welche Rolle spielt Osteuropa für Ringier?

Michael Ringier: Osteuropa ist für uns die wichtigste Wachstumsregion. Wir haben gerade erst in Serbien eine Zeitung gekauft. Das ist natürlich risikoreich in einem Land, in dem die Demokratie nicht so funktioniert.

Das hohe Risiko beunruhigt Sie nicht?

Als mittelständisches Unternehmen müssen wir mutiger sein, damit wir nicht von den Großen abserviert werden. Die haben mehr Geld und können länger warten. Ich hingegen kann nicht ein paar hundert Millionen auf den Tisch legen, um mir einen Ländermarkt zu kaufen. Vor diesem Hintergrund müssen wir schneller sein. Unsere Rechnung in Osteuropa ist bisher aufgegangen. Jedes Land ist profitabel.

Im Kern läuft ihre Strategie darauf hinaus, eine Art Marktführerschaft in den einzelnen Ländern zu erreichen?

In jedem Land, in dem wir uns engagiert haben, sind wir unter den großen Verlagen. Das ist mir sehr wichtig. Selbst wenn Bertelsmann mit Time Warner fusionieren sollte und dann Pläne hätte, in Tschechien eine Boulevardzeitung zu machen, wäre mir das völlig wurscht. Denn dort sind wir bereits die Nr. 1 und kennen den Markt seit Jahren. Diese Position kann einem nicht streitig gemacht werden - wenn man sich einigermaßen vernünftig benimmt. Deshalb ist die Marktführerschaft langfristig so interessant.

Gibt es für die einzelnen Regionen langfristige Expansionspläne?

Ich halte nichts von Fünf-Jahres-Plänen. Als Unternehmer man muss von etwas überzeugt sein. Ich verlasse mich sehr stark auf die eigene Intuition. Die muss allerdings in ein professionelles Management eingebettet sein.

Aber Sie haben doch langfristige Erwartungen?

Natürlich wollen wir auch in 20 Jahren noch Marktführer mit unseren Blätter in den jetzigen EU-Beitrittskandidaten wie Ungarn und Tschechien sein. Wenn diese Länder dann auf dem Niveau von Portugal oder Spanien sind, wird das eine spannende und lukrative Angelegenheit.

Werden Sie in Osteuropa noch weiter dazu kaufen?

Wir möchten im Zeitschriftenbereich noch wachsen. Natürlich wollen wir auch im Zeitungsbereich noch zulegen, aber da gibt es ja kartellrechtliche Hürden. Zudem sind Investitionen in Osteuropa heute nicht mehr aus der Portokasse zu finanzieren. Das sind längst ernst zu nehmende Märkte geworden.

Denken Sie auch über Neugründungen nach?

Wir haben gerade vor wenigen Wochen in der Slowakei so eine Art "Bild für die Frau" gegründet. Doch Neugründungen werden schwieriger.

Wird die heutige Zeitungsvielfalt in Osteuropa von Dauer sein?

Das glaube ich nicht. Es gibt in diesen Ländern Platz für eine große Boulevardzeitung, eine nationale Zeitung und eine Sportzeitung sowie natürlich Regionalblätter. Mehr Zeitungen werden aus wirtschaftlichen Gründen dauerhaft nicht überleben. Es wird eine Bereinigung geben.

Ist es ein Vorteil, Schweizer zu sein?

Ja, es ist ein Vorteil. Es gab zum Beispiel einen Wettbewerbsbericht in Tschechien, in dem wir nicht einmal vorgekommen sind. Es ging nur um die Beteiligungen deutscher Verlage.

Die Fragen stellte Hans-Peter Siebenhaar.

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