NACHGEFRAGT: MICHELE BURNS: Staatshilfen stören nur die Strukturen

NACHGEFRAGT: MICHELE BURNS
Staatshilfen stören nur die Strukturen

Schon jetzt fliegen viele große US-Fluggesellschaften am Rande der Pleite. Was passiert, wenn es zu einem Irak-Krieg kommt?

Unsere Liquidität wird uns helfen, den Schock im Falle eines weiteren Geschäftseinbruchs zu überstehen. Wir arbeiten schon lange hart daran, die Kosten unter Kontrolle zu halten. In den vergangenen 18 Monaten haben wir 1,5 Mrd. $ eingespart. Und über die nächsten drei Jahre werden wir weitere Einsparungen von 2,5 Mrd. $ vornehmen.

Haben insolvente Anbieter wie United oder US Airways in diesem Umfeld noch eine Chance ?

Darüber möchte ich nicht spekulieren. Es dürfte aber bekannt sein, dass unsere Bilanz stabiler aussieht als die unserer meisten Wettbewerber. Abgesehen von Southwest haben wir die höchste Liquidität und die solideste Bilanz aller US-Airlinines. Im Falle eines Krieges müssen Sie darauf zurückgreifen - wenn Sie können.

Reichen die Delta-Reserven, um einen Krieg durchstehen zu können?

Wir haben 2002 unserere Liquidität bei 2,6 Mrd. $ halten können und eine unbelastete Flugzeugflotte im Wert von 4,6 Mrd. $. Vor diesem Hintergrund würde es selbst im Kriegsfall eine lange Zeit dauern, ehe wir in ernsthafte Existenzprobleme geraten.

Aber auch Delta muss weiter kräftig Personal abbauen.

Das ist in diesem Umfeld leider nicht zu ändern. Bis Mai 2003 werden wir 16 000 Jobs gestrichen haben, das sind 21 % der gesamten Belegschaft. Wobei Sie sehen müssen, dass die meisten davon auf freiwilliger Basis gegangen sind.

Die US-Regierung hat sich gegenüber der Luftfahrt zuletzt sehr großzügig gezeigt. Wird sie bei drohenden Pleiten wieder helfen?

Ich bin weder sicher, ob der Staat erneut helfen wird, noch bin ich mir sicher, ob er helfen sollte. Es stört nur die Strukturen, wenn sich der Staat zwischen die Airlines und den Kapitalmarkt stellt. Wir werden uns aber dafür einsetzen, dass die Regierung Steuererleichterungen für zusätzliche Sicherheitskosten gewährt. Schließlich geht es um die Sicherheit der Vereinigten Staaten. Das wäre eine Lösung, die fair ist und allen weiter hilft.

Delta startet eine neue Billig-Fluggesellschaft namens Song; auch United und American Airlines denken an Neugründungen. Sind Billig-Ableger die letzte Rettung für große US-Gesellschaften?

Nein, aber wir können uns dem Umbruch im Markt nicht verschließen. Neben globalen Allianzen brauchen wir ein rentables Low- Fare-Produkt, das an den richtigen Stellen angreift, aber auch verteidigen kann, wo es etwas zu verteidigen gilt.

Die Fragen stellte Matthias Eberle.

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