Nachgefragt
Noch reicht die Zeit für die Euro-Umstellung

19.4.2001.Kritiker werfen Wirtschaftsberatern vor, das Problem mit der Euroumstellung aufzubauschen - sie seien diejenigen, die profitierten.

Die Euro-Umstellung ist eine Herausforderung, zu der in den Unternehmen keine Erfahrungen vorliegen. Sie betrifft das gesamte Unternehmen. Ein Euro-Projekt hat dementsprechend eine sehr hohe Komplexität - eine Herausforderung, die professionelles Projekt- bzw. Großprojektmanagement bedingt.

Mit welchen Kosten muss ein mittelständisches Unternehmen rechnen, das sich eurofit machen will?

Unsere Erfahrungen haben ergeben, dass sich die gesamten Umstellungskosten zwischen 0,8 und 1,2 Prozent des Umsatzes bewegen. Wesentlicher Kostenblock ist die Umstellung der IT. Außerdem fallen Kosten für Drucksachen, Schulung der Mitarbeiter und die eigentliche Projektarbeit an. Um eine seriöse Kalkulation der Kosten zu erhalten, ist eine Abschätzung der konkreten Umstellungaufwände zu empfehlen.

Die Kosten der Euro-Umstellung sind einmalig. Die Chancen dauerhaft. Wo genau liegen sie?

Aus Anlass des Euro nehmen Unternehmen ihre Prozesse und die IT unter die Lupe. Dabei bieten sich Optimierung und Neuausrichtung an. Bei der Überprüfung der einzelnen Unternehmensfunktionen stellt sich die Frage nach der Ausrichtung auf den europäischen, durch die einheitliche Währung sich weiter verändernden Markt. Das bietet unter anderem beim Einkauf und Marketing/Vertrieb Chancen. Denken Sie zum Beispiel an Preisstrategie und Positionierung im Wettbewerb.

Ist die Euro-Umstellung in erster Linie ein IT/EDV-Problem?

Sie ist eine Frage der Prozesse. Ein Ablauf der heute in DM abgewickelt wird, muss morgen in Euro bearbeitet werden. Daraus abgeleitet ergeben sich Konsequenzen für die IT. Deren Umstellung bedingt den größten Umstellungsaufwand. Darüber hinaus bestehen weitere Handlungsfelder, die von großer Bedeutung sind.

Wo liegen die Knackpunkte?

Es muss gelingen das Projekt unternehmensweit zu steuern und in "time and budget" erfolgreich abzuschließen. Haupterfolgsfaktoren sind die Verankerung im Top-Management, die Implementierung einer passenden Projektorganisation und professionelles Projektmanagement. Die Organisation muss alle betroffenen Bereiche abdecken und eindeutige Umsetzungsverantwortungen abbilden. Alle Beteiligten müssen einheitliche Methoden und Tools zur verbindlichen Arbeitsgrundlage haben. Über ein straffes Review- und Berichtsverfahren ist der Projektfortschritt konsequent zu verfolgen.

Wie sollten Organisations- bzw. Umstellungszeitplan aussehen?

Der Umstellungsplan umfasst vier Phasen. Die erste: Projektinitialisierung. Hier gilt es, das Projekt in allen seinen Dimensionen professionell aufzusetzen. Die Erfahrung zeigt, dass der Projektauftakt das Spiegelbild des Projektabschlusses ist. Die zweite Phase dient zur Erarbeitung des Grobkonzepts. Sie bildet das Umstellungsszenario und wesentliche Maßnahmen zur Euro-Umstellung ab. Die dritte Phase, das Detailkonzept, führt zur Erstellung des konkreten Aktionsplans zur Umstellung. Hier werden alle fachlichen und IT-technischen Maßnahmen spezifiziert. Die vierte Phase ist die eigentliche Umstellung. Für die IT bedeutet dies Systemanpassung, Test und Migration.

Ist eine ordnungsgemäße Umstellung bis zum 1. Januar 2002 noch zu schaffen?

Grundsätzlich ja. Die Unternehmen müssen jedoch - sofern dies noch nicht geschehen ist - sofort mit den Arbeiten beginnen. Eine weitere Verschiebung kann zu gravierenden Umstellungsrisiken führen und den Projekterfolg in den Dimensionen Kosten, Zeit und Qualität beeinträchtigen.

Was geschieht, wenn ein Unternehmen die professionelle Umstellung nicht rechtzeitig schafft?

Die Euro-Einführung ist eine Tatsache, die lange bekannt ist. Das Management dieser Herausforderung ist Ausdruck der Unternehmensstärke und Wettbewerbsfähigkeit. Risiken sind hoher manueller Mehraufwand, gegebenenfalls Testateinschränkungen und negative Auswirkungen auf Kreditwürdigkeit und Rating.

Alexander B. Willhardt ist Partner der Unternehmensberater Diebold Deutschland GmbH und Leiter des dortigen Euro-Kompetenz-Zentrums. Die Fragen stellte Thomas Ludwig.

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