Nachgefragt: Peter Thonet: "Ruhig zu Ikea gehen"

Nachgefragt: Peter Thonet
"Ruhig zu Ikea gehen"

Das Weekend Journal im Gespräch mit Peter Thonet, der mit seinen Brüdern Claus M. und Philipp H. in 5. Generation das 1819 in Boppard gegründete Familienunternehmen Gebr. Thonet in Frankenberg leitet.

Herr Thonet, wie sollte ein ideales Haus eingerichtet sein?

Das Wichtigste: Es muss gefallen, und es muss seinen praktischen Sinn erfüllen. Man muss darin so leben können, wie man es selbst gern möchte, und alle Dinge, die man für das tägliche Leben braucht, sollte man ohne großen Umstand erreichen können. Außerdem sollte es eine Ruhe- und Besinnungszone für den Besitzer sein.

Wie sieht für Sie der ideale Verbraucher aus?

Er sollte für Neues aufgeschlossen sein. Er sollte Sinn für Qualität haben. Und er sollte auch ein hohes Maß an Preisverständnis haben - also Verständnis dafür, dass hohe Qualität auch ein gewisses Preisniveau hat.

Welche neuen Design-Trends zeichnen sich auf der Kölner Messe ab?

Mir fällt auf, dass viele Dinge formal wieder sehr reduziert sind. Das Modische und Überschwängliche geht mehr und mehr zurück. Es gibt aber auch weiterhin Experimente mit Kunststoff und in leuchtenden Farben, die Spaß machen und die ganze Wohnszene sehr bereichern.

Wie können Hersteller dem Verbraucher in Zeiten der pluralistischen Aufsplitterung der Gesellschaft noch Orientierung bieten?

Man kann es nicht jedem Recht, sondern muss als Hersteller sein Profil deutlich machen. Nehmen Sie zum Beispiel ein Unternehmen wie Thonet. Wir existieren schon seit 180 Jahren und haben immer wieder große Design-Entwürfe herausgebracht. Das dient sicher der Orientierung, denn es bietet Sicherheit. Sicherheit gibt es insofern, als der Käufer gewiss sein kann, dass die Entwürfe solch etablierter Firmen keine kurzlebigen Verbrauchsgüter sind.

Welchen Mehrwert bietet gutes Design dem Verbraucher?

Der wichtigste ist zweifellos, dass man lange daran Freude hat.

Was bedeutet das konkret für die Lebensdauer?

Das ist unterschiedlich. Betten, sagt man, sollte man spätestens nach zehn Jahren auswechseln, weil dann die Matratze ausgedient hat. Ein Schrank dagegen kann auch zwanzig oder dreißig Jahre überleben, wenn Design, Funktion und Qualität stimmen. Und bei den Polstermöbeln mag jeder selbst entscheiden, ob er, sagen wir mal, nach acht Jahren einen neuen Bezug oder gleich ein neues Sofa haben will.

Zu viel gute Form wirkt leicht steril und lässt keinen Platz für emotionale Wünsche und individuelle Temperamente. Viele kompensieren das mit Kitsch. Ist das erlaubt?

Ich meine, ein bisschen Kitsch wie eine Mickymaus oder ein Stück vom Flohmarkt darf sein. Denn die Gegenstände, mit denen wir uns umgeben, sollten auch das Bauchgefühl und die Seele ansprechen. Ein perfektes, steriles Ambiente ist für die Seele nicht das Richtige.

Gibt es typische Fehler, die man beim Kauf und bei der Einrichtung unbedingt vermeiden sollte?

Die Verbraucher informieren sich oft nicht intensiv genug, was es auf dem Markt gibt und welche Funktionen die verschiedenen Möbel erfüllen. Viele lassen sich leider zu sehr von Sonderangeboten leiten, ohne darauf zu achten, was ein Produkt leisten kann - oder auch nicht.

Wie schafft man bei der Einrichtung den Ausgleich zwischen Beständigkeit und aktuellen Moden?

Da gibt es viele Möglichkeiten. Man kann sehr gut Antiquitäten mit modernen und auch aktuellen Dingen kombinieren, die man nach ein paar Jahren auswechselt. Sehr gut kann ich mir zum Beispiel vorstellen, dass an einem antiken Tisch hochmoderne Stühle stehen. Und auch Accessoires wie ein witziger Beistelltisch oder eine tolle Lampe dürfen durchaus modisch sein.

Design ist meist teuer. Wie kann man sich auch mit kleinem Budget gut einrichten?

Es wird ja gern behauptet, aber Design muss nicht teuer sein. Leider stimmt das aber nur selten, weil Hersteller, die Wert auf Design legen, in der Regel auch Wert auf hohe Qualität legen. Und die hat eben ihren Preis. Aber es gibt auch Gegenbeispiele. Kunststoffmöbel zum Beispiel: Die können formal eine sehr hohe Qualität haben und müssen keineswegs teuer sein. Das liegt schlicht daran, dass Kunststoff preiswert zu produzieren ist. Außerdem kann man ja auch mixen, das heißt, Prioritäten setzen und ruhig auch zu Ikea gehen.

Die Fragen stellte Elke Trappschuh

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