Nachgefragt: Peter Walter
„Die Banken sind bereits sehr gut vorbereitet“

22.03.2001. DÜSSELDORF. Peter Walter ist bei der Deutschen Bundesbank verantwortlich für die Euro-Bargeldeinführung.

In Kürze wird die Bundesbank das endgültige "Drehbuch" für die Euro-Bargeldeinführung vorstellen. Müssen Banken, Handel und andere Unternehmen ihr Tempo steigern, um auf die heiße Phase richtig vorbereitet zu sein?

Die Vorbereitungen sind schon sehr weit gediehen. Wir haben das Konzept für die Einführung mit allen Beteiligten gemeinsam entwickelt und in den vergangenen Monaten immer wieder verfeinert. Die Akteure haben nun auf eine schnelle Fertigstellung gedrängt, um verlässliche Plandaten zu bekommen. Zum Beispiel ist die Produktion für die Münz-Haushaltsmischungen, die die Banken im Dezember an ihre Privatkunden verteilen werden, in vollem Gange. Vor allem bei Sparkassen kommen die Vorbereitungen gut voran, insbesondere bei der Logistik. Einige große Sparkassen produzieren sogar Münz-Haushaltsmischungen auf eigene Rechnung.

Welche Sicherheitsreserven hat die Bundesbank eingezogen, falls die Banken doch in Schwierigkeiten kommen sollten?

Wir haben zum Beispiel in unseren Kalkulationen angenommen, dass die Hälfte des Bargeldumlaufs im Rahmen der Vorabausstattung mit Euro-Bargeld zur Verfügung gestellt wird. Das ist sehr hoch gegriffen und sicherlich mehr als ausreichend. Dies wird als Sicherheitspolster genügen.

Die Banken gehen in der Gebührenpolitik unterschiedliche Wege. Die Sparkassen haben zugesagt, Bargeld ihrer Kunden kostenfrei umzutauschen. Die Mitglieder des Bundesverbandes deutscher Banken hingegen wollen nur ?haushaltsübliche Mengen? ohne Gebühren umtauschen. Wird der Wettbewerb noch Verbesserungen bringen

Die ?Gebührenfront? ist ja schon etwas aufgebrochen - zugunsten der Verbraucher. Ich glaube, dass wir da noch ein Stück weiter kommen können. Der Wettbewerb wird dazu führen, dass die Banken bei Gebühren und Service sehr kundenfreundlich sein werden.

Heißt guter Service auch, dass die Banken während des Jahreswechsels 2001/2002 an Feier- und Sonntagen sowie bis spät in den Abend hinein öffnen werden?

Wahrscheinlich werden die Finanzhäuser am 1. Januar ihre Filialen für die Unternehmenskunden öffnen. Für Privatkunden ist das weniger wichtig. Sie können ja weiterhin mit der D-Mark bezahlen und zunächst ihre D-Mark-Bestände noch aufbrauchen. Zudem sollen bis zum Mittag des 1. Januar alle Geldautomaten umgestellt sein. Das halte ich allerdings für ein sehr ehrgeiziges Ziel.

Welche Ziele verfolgt die Bundesbank in ihrem Marketing?

Wir planen gemeinsam mit den Banken eine große Werbekampagne im Mai, um die gehorteten Münzen der Privatkunden frühzeitig einzusammeln. Die Bundesbank geht davon aus, dass im Rahmen der Umstellung rund 28 Milliarden D-Mark-Münzen zurück fließen werden. Wir hoffen, davon etwa drei bis vier Milliarden vorzeitig einzusammeln, um den logistischen Aufwand am Jahresende zu reduzieren. Allerdings wollen wir damit keine Münzknappheit auslösen. Im Rahmen der Kampagne werden Banken die Münzen unsortiert und kostenfrei entgegennehmen. Anders als im Oktober vorigen Jahres, als wir eine ähnliche Aktion durchführten, unterstützt die Kreditwirtschaft die Aktion jetzt mit großem Engagement.

Die Fragen stellte Nicole Walter.

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