Nachgefragt: Reimund Huber und Ewald Schindbeck
„Der Solarmarkt hat sich grundlegend geändert“

Die Wacker Siltronic AG, eine Tochter der Wacker-Chemie GmbH in München, will an ihrem Standort in Burghausen verstärkt Silizium für den Solarmarkt produzieren. Im Interview: Reimund Huber, Director Leiter Marketing&Sales bei der Wacker Siltronic und Ewald Schindlbeck, Vice President bei Wacker-Chemie.

Herr Huber, Herr Schindlbeck, haben Sie für den 23. September im Unternehmen bereits ein Treffen datiert, um - je nach Wahlausgang - über Investitionen im Bereich der Herstellung von Solarsilizium zu beraten?

Huber: Nein. Wie auch immer die Wahl ausgeht, der Solarmarkt wird sich nicht mehr zurückdrehen lassen. Wir sehen einen großen Konsens zu Gunsten der Solarenergie über die Parteigrenzen hinweg. Gleichzeitig hat der Photovoltaik-Markt und der daran gekoppelte Siliziumbedarf in den letzten Jahren eine nicht mehr zu stoppende starke Eigendynamik entwickelt, und deswegen gibt es die klare Entscheidung, dass wir in den Solarmarkt investieren.

Eine deutliche Aussage - vor fünf Jahren wäre ein solches Bekenntnis zur Sonnenenergie im Hause Wacker-Chemie noch undenkbar gewesen.

Schindlbeck: Das ist richtig. Erst in den vergangenen drei Jahren hat sich der Solarmarkt so dynamisch entwickelt, dass er für uns attraktiv wurde. Besonders der Boom in Deutschland durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat die Situation grundlegend geändert. Es zeigte sich, dass der Bedarf an Solarsilizium allein durch die Nebenanfälle der Elektronik nicht mehr zu decken ist. Und da die Herstellung von Reinstsilizium eine unserer Kernkompetenzen ist, bietet es sich an, dass wir künftig verstärkt auch den Solarmarkt bedienen.

Offenkundig ist, dass der Bedarf an Silizium in der Elektronik derzeit die weltweiten Produktionskapazitäten nicht auslastet - ist Solarsilizium für Sie ein Lückenbüßer?

Schindlbeck: Ausdrücklich nicht. Wir glauben an die Zukunft der Solarenergie, unabhängig von den zyklischen Schwankungen des Elektronik-Marktes. Auch wenn der Chipmarkt wieder anzieht, werden wir weiterhin den Solarmarkt bedienen. Wir sind bereit zu investieren, um explizit Solarsilizium zu produzieren.

Das heißt in Zahlen?

Huber: Wir haben im vergangenen Jahr 800 Tonnen Silizium produziert und werden dieses Jahr auf 1 200 Tonnen kommen. Wir können unsere Produktion binnen 12 bis 18 Monaten auf 2 000 Jahrestonnen steigern.

Sie sagen: "wir können", nicht: "wir werden". . .

Schindlbeck: Das ist eine Ankündigung an den Markt, dass wir dazu in der Lage sind. Wir investieren aber generell nur gezielt nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, also in diesem Fall nicht ins Blaue hinein, sondern erst, wenn wir langfristige Verträge mit den Wafer-Herstellern haben.

2 000 Jahrestonnen sind für Wacker das Ende der Fahnenstange?

Schindlbeck: Keineswegs. Am Standort Burghausen können wir auch 10 000 oder 15 000 Tonnen herstellen - wenn der Markt das Silizium aufnimmt. Allerdings würden wir für die Herstellung solcher Mengen ein anderes Verfahren wählen. Bisher erzeugen wir Silizium aus Trichlorsilan nach dem Siemens-Verfahren. Bei deutlich steigenden Produktionsmengen bevorzugen wir die Herstellung eines Siliziumgranulates in einer Wirbelschicht. So reduzieren wir die Investitionskosten und Energiekosten um etwa zehn Prozent.

Wird man von der Massenproduktion der Solarmodule Preisnachlässe erwarten dürfen?

Schindlbeck: Das Silizium macht an den Endkosten einer kompletten Solaranlage gerade sieben Prozent aus, so dass auch die Einsparpotenziale hier begrenzt sind. Dennoch werden wir durch wachsende Produktion natürlich sinkende Preise bekommen.

Sie setzen darauf, dass den kristallinen Siliziumzellen die Zukunft gehört - wenn aber eine andere Solartechnologie den Durchbruch schafft, könnten Ihre Pläne schnell zur Makulatur werden.

Schindlbeck: Auch wenn der Anteil der kristallinen Siliziumzellen in Zukunft sinken sollte - der Rückgang würde überkompensiert durch das Wachstum des Marktes. Zudem: Eine Technik, die die Siliziumzelle ablösen könnte, ist bis auf weiteres nicht in Sicht. Am Markt werden sich langfristig nur Systeme mit höchsten Wirkungsgraden durchsetzen - und dies sind nun mal die kristallinen Techniken. Und auch der Rückgang des Siliziumbedarfs der einzelnen Zelle durch dünnere Wafer wird den Markt nicht merklich beeinflussen. Derzeit liegt der Bedarf bei 15 Tonnen Silizium je Megawatt Photovoltaik. Man wird in den nächsten Jahren auf 14 Tonnen kommen, aber kaum weiter.

Sie sprechen immer nur von der Siliziumherstellung. Wacker-Chemie als Solarkonzern - wäre das keine Perspektive?

Huber: Wir haben bewusst vor einigen Jahren die Solaraktivitäten an die Deutsche Solar verkauft. Das war damals richtig, und es ist heute noch richtig. Wir wollen uns auf unsere Kernkompetenzen beschränken, und die liegen nun einmal darin, Silizium zu liefern - Silizium mit konstant hoher Qualität für höchste Zellenwirkungsgrade --, und nicht Solaranlagen.

Die Fragen stellte Bernward Janzing.

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