NACHGEFRAGT: RICHARD PERLE
„Irreparabler Schaden“

Richard Perle, Pentagon-Berater und Rumsfeld-Vertrauter, äußert in dem Interview seine Privatmeinung.

Herr Perle, Deutschland hat den Vorsitz im Sicherheitsrat. Hegt die US-Administration irgendwelche Erwartungen an die Bundesregierung?

Nein.

Nicht einmal eine moderierende Funktion im Hinblick auf die Irak-Debatte?

Der Bundeskanzler hat ganz klar gesagt, dass sich Deutschland heraushalten wird - egal, unter welchen Bedingungen. Die Deutschen spielen keine Rolle mehr.

Rechnen Sie damit, dass die Nato stärker in den Irak-Konflikt involviert wird?

Im Lichte der deutschen Position in der Irak-Frage wird die Bundesregierung kaum zustimmen, dass die Nato eine besondere Rolle spielt.

Können Sie sich vorstellen, dass das deutsch-amerikanischeVerhältnis repariert wird?

Mit einer neuen Bundesregierung wäre dies sicher möglich. Nach allem, wie die jetzige Regierung die USA behandelt hat, ist eine Reparatur des Schadens in naher Zukunft unwahrscheinlich. Im Übrigen glaube ich nicht, dass die Bundesregierung die Meinung der deutschen Bevölkerung angemessen reflektiert. Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen sprechen für sich.

Wie weit sind wir von einem Krieg gegen den Irak entfernt?

US-Außenminister Colin Powell hat die Lage im Irak mit überwältigender Beweiskraft dargestellt. Die einzige Frage, die bleibt: Wird Saddam Hussein seine Politik plötzlich ändern? Ich bezweifle dies. Dann allerdings - da bin ich mir ganz sicher - wird Präsident George W. Bush seine Ankündigung wahr machen: Er wird eine Koalition der Willigen anführen, um den Irak abzurüsten.

Wenn es zum Krieg käme: Wie lange würde er dauern?

Ich glaube, es würde ein relativ kurzer Krieg, der eher Wochen als Monate dauert.

Nach einem Krieg müsste der Irak für einige Zeit besetzt werden. Wie lange?

Ich gehe von einem Zeitraum zwischen einem und zwei Jahren aus.

Wie stark würde sich Amerika nach einem Krieg engagieren?

Eine gewisse Zahl von US-Soldaten wäre notwendig, um hinreichende Sicherheit zu gewährleisten, bis sich eine neue politische Struktur im Irak herausgebildet hat. Ich rechne mit weit weniger als 100 000 Soldaten.

Wie hat man sich eine Übergangsregierung im Irak vorzustellen?

Es würde einen Chef der Militärverwaltung geben, möglicherweise US-Oberbefehlshaber Tommy Franks. Darüber hinaus hätte ein ziviler Administrator dafür zu sorgen, dass eine neue irakische Regierung auf den Weg kommt. Amerika hat kein Interesse daran, länger als nötig auf fremdem Territorium zu bleiben.

Welche Signalwirkung hätte ein Irak-Krieg für die arabische Welt?

Die Botschaft wäre: Es ist nicht möglich, ohne Konsequenzen einen Polizei-Staat zu befehligen, Massenvernichtungswaffen zu erwerben und seine Nachbarn zu überfallen. Das Ende der Herrschaft Saddams würde wahrscheinlich andere Völker inspirieren.

An welche Länder denken Sie?

Die Iraner würden zur Kenntnis nehmen, dass einer der großen Tyrannen des Jahrhunderts gestürzt worden ist. Das würde sie in ihrem Vorgehen gegen die eigenen Tyrannen ermutigen.

Das Gespräch führte Michael Backfisch.

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