NACHGEFRAGT: RICHARD THALER
„Die Anleger müssen ihre Erwartungen reduzieren“

Wirtschaftsprofessor Richard Thaler lehrt an der Graduate Business School der Universität von Chicago. Er zählt zu den Gründervätern der psychologisch orientierten Finanzmarktanalyse. Thaler ist außerdem Chef einer Investmentgesellschaft, die über 1,5 Mrd. $ nach börsenpsychologischen Konzepten verwaltet.

Was sind für Sie die zentralen Aspekte der aktuellen Börsenentwicklung?

Da sind zum einen die andauernden, extremen Kursschwankungen, ohne dass wirklich neue Informationen vorliegen. Außerdem würde ich den anhaltenden Absturz der Internet-Unternehmen hervorheben.

Widerlegen die massiven Kursverluste vieler Internet-Titel die Annahme der traditionellen Ökonomie, wonach die Finanzmärkte jederzeit rational und effizient funktionieren?

Der Absturz der Dotcoms allein widerlegt gar nichts. Ein Anhänger des ökonomischen Rationalprinzips könnte argumentieren, dass die alten, hohen Kurse rational waren und dass die neuen, niedrigen Kurse auch rational sind. Diese Sicht würde einleuchten, wenn in den vergangenen Monaten negative Nachrichten aufgetaucht wären. Ich halte diese Argumentation aber für weit her geholt, denn es gab kaum fundamentale Neuigkeiten. Eine andere Erklärung lautet: Die Dotcom-Episode stärkt die These, dass an der Börse manchmal irrationale Spekulationsblasen entstehen.

Was glauben Sie, wie die Börse sich künftig entwickelt? Halten Sie es für "rational", jetzt einzusteigen?

Ich versuche nicht, die Kurse vorherzusagen. Ich glaube aber, dass US-Aktien im nächsten Jahrzehnt nicht annähernd so stark steigen werden wie in der Vergangenheit. Ich bin zwar nicht ganz so pessimistisch wie mein Kollege Robert Shiller. Aber ich glaube, die Anleger müssen ihre Erwartungen über die künftige Kursentwicklung reduzieren.

Die Fragen stellte Tobias Moerschen.

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