Nachgefragt: Roland Berger: „Die Konsolidierung muss kommen“

Nachgefragt: Roland Berger
„Die Konsolidierung muss kommen“

Roland Berger ist einer der bekanntesten deutschen Unternehmensberater. 1967 gründete er seine Beratungsfirma, die heute mit 33 Büros in 23 Ländern auf einen Umsatz von 540 Millionen Euro kommt.

Deutschlands Banken stehen in der schwersten Krise ihrer Geschichte. Warum?

Extern belasten die durch Rezession und Immobilienkrise wachsenden Kreditausfälle sowie der Zusammenbruch der Kapitalmärkte. Bankintern hat es an hartem Kostenmanagement, an struktureller Branchenkonsolidierung und an realistischen Strategien gefehlt. So wurden beispielsweise Milliarden für gescheiterte Bemühungen im Ausland und im Investmentbanking in den Sand gesetzt.

Die Großbanken schieben die Schuld an der Ertragsmisere gerne darauf, dass sie mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken unter ungleichen Bedingungen konkurrieren müssen. Ist das wirklich so schlimm?

Viele Sparkassen kommen aus einem Selbstverständnis der Daseinsvorsorge und handeln nicht so rendite- und risikoorientiert wie nötig. Zudem sind sie durch Gewährträgerschutz und Amtshaftung im Wettbewerb bevorzugt. Dies wird sich - dank Brüssel - ab 2005/6 ändern. Diese Wettbewerbsverzerrung hat aber mit dazu geführt, dass der Bankensektor in Deutschland extrem dünne Margen aufweist.

Die Großbanken drängen auf ein Aufbrechen des Drei-Säulen-Modells. Ist die strikte Trennung in Banken, Sparkassen und genossenschaftliche Banken in Deutschland noch zeitgemäß?

Nein, obwohl es auch innerhalb der einzelnen Säulen noch Optimierungspotenziale gibt. Allerdings machen alle drei Bankengruppen heute im Prinzip ein ähnliches Geschäft. Dazu kommt: In allen Bereichen des Kreditgewerbes bestehen Überkapazitäten. Zwar gibt es erste Versuche, wenigstens innerhalb der Säulen zusammenzuarbeiten - etwa im Backoffice, in den Abwicklungsdiensten und bei der IT. Sinnvoller wäre es sicher, den Konsolidierungsprozess säulenübergreifend anzugehen. Erste Ansätze dazu sind durch den angekündigten Zusammenschluss der Wertpapierabwicklung der Genossenschaftsbanken und der öffentlich-rechtlichen WPS gemacht. Diese müssen jedoch konsequent und schnell weiter vorangetrieben werden.

Gibt es denn überhaupt eine Alternative zur Konsolidierung?

Langfristig sicherlich nicht; und irgendwann wird Vernunft einkehren. Die Frage ist nur wann. Auch dies ist ein typisches deutsches Phänomen: In Deutschland wird am Status Quo am liebsten erst um fünf nach statt um halb Zwölf gerüttelt - denken Sie an die Reformen des Arbeitsmarktes. Unter den großen Industrienationen ist Deutschland, neben Italien, deshalb Schlusslicht in der längst fälligen Konsolidierung im Banken- wie im Versicherungssektor.

Frage: Was passiert, wenn die Konsolidierung nicht vorankommt?

Die Alternative zu einer deutschen Konsolidierung ist die europäische. Die Frage ist nur, welche Rolle deutsche Banken dabei dann noch spielen werden. Ich kann mir keine europäische Fusion vorstellen, bei der das fusionierte Institut seinen Hauptsitz noch in Deutschland hätte. Schon alleine, weil kein Ausländer unsere überbetriebliche Mitbestimmung akzeptiert. Ein weiteres Aufschieben der Konsolidierung kann also nicht im Interesse des Standorts Deutschland sein.

Die Fragen stellten Herman-Josef Knipper und Christian Potthoff.

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