Nachgefragt: Sarasin-Direktor Martin Knörzer
"Anleger beachten zunehmend ökologische Kriterien"

Interview mit Sarasin-Direktor Martin Knörzer zum Thema Nachhaltigkeit - ein Konzept zur Steigerung des Unternehmenswertes und der Anlegerrendite.

Martin Knörzer ist Direktor der Bank Sarasin & Cie, Basel, und leitet das Geschäftsfeld Sustainable Investment, welches derzeit rund 1,5 Mrd. Euro Vermögen gemäss nachhaltigen Kriterien verwaltet.

Welche Bedeutung hat nachhaltiges Wirtschaften in Zukunft?

Unternehmen haben heute allen Grund, sich über eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Unternehmensstrategie Gedanken zu machen. Die Berücksichtigung ökologischer und sozialer Aspekte wird zum Imperativ erfolgreichen Wirtschaftens. Offensichtlich, und damit in den Köpfen verankert, wird dies vor allem durch regelmässig wiederkehrende unliebsame Ereignisse oder Krisen. Gleichzeitig sehen sich Anbieter von Produkten und Dienstleistungen zunehmend informierteren Konsumenten gegenüber, die ökologische Kriterien beim Kauf mit berücksichtigen. Dies geht auch am Kapitalmarkt nicht spurlos vorüber.

Was bedeutet das für die Aktienmärkte?

Kreditgeber, aber auch Analysten und Portfoliomanager, sind und werden zukünftig noch vermehrt gezwungen, Ökologie und Soziales in der Chancen- und Risikobeurteilung kapitalsuchender Unternehmen zu be-rücksichtigen. Dies geschieht zunehmend im Namen großer institutioneller Anlegerkreise, wie z.B. Pensionskassen.

Was ist bei nachhaltigem Fondsmanage-ment zu beachten?

Nachhaltigkeit ist nicht per se eine Lizenz zum Gelddrucken. Bedingung für den Anlageerfolg ist ein konsistenter, transparenter und gelebter Analyse- und Investmentprozess, der auch externen Überprüfungen stand hält. Seine Systematik sorgt für Disziplin im Vorgehen und - im guten wie im schlechten - für nachvollziehbare Resultate. Inhaltlich sollen die performancerelevanten Kriterien in Bezug auf den ökologischen und sozialen Nutzen sowie in Bezug auf das finanzielle Ergebnis erfasst werden.

Was heißt das konkret?

Es klingt banal: Eine saubere Informationsbeschaffung, basierend auf den richtigen, branchenspezifischen Fragen ist Grundvoraussetzung. Wichtig ist hierbei besonders, dass sich die Nachhaltigkeitsanalysten bei ihrer Arbeit auf eine sehr breit gefassten Fragenkatalog abstützen. Dies ermöglicht eine Unternehmensbeurteilung aus bisher unbekannten Gesichtswinkeln. Informationslieferanten können alle Stakeholder sein. Die reine Nachhaltigkeitsanalyse befreit selbstverständlich nicht von der sauberen Abklärung der finanziellen Aspekte eines Wertpapierkaufes.

Wie ist bei einer Nachhaltigkeitsanalyse zu beachten?

Die Nachhaltigkeitsanalyse zeigt Renditepotentiale auf und ist das Herzstück eines Nachhaltigkeits-Konzepts. Zum einen wird das nachhaltige Management im Vergleich zum Durchschnitt der jeweiligen Branche beurteilt. Die Umweltbewertung folgt heute mehrheitlich einem Lebenszykluskonzept anhand von anerkannten Umweltzielen: Reduktion des Energie- und Materialeinsatzes, der Toxizität, etc.. Gerade Industrieunternehmen haben in den letzten Jahren Anstrengungen zur Verbesserung der Um-weltmaßnahmen in der eigenen Produktion unternommen. Die große Herausforderung für viele dürfte aber in der konsequenteren Berücksichtigung der Produktökologie sein. Die Sozialbewertung folgt einem Anspruchsgruppen-Konzept, in dem die Beziehungen des Unternehmens zu seinen wesentlichen Stakeholdern wie Lieferanten, Kapitalgebern, der Öffentlichkeit, den Mitarbeitern, Kunden und Konkurrenten, untersucht werden.

Sarasin verwendet aber zusätzlich einen Branchenansatz?

Ja, die Berücksichtigung der Branchennachhaltigkeit anhand von absoluten Kriterien ist wichtig und auch besonders für die Rendite relevant. Hierbei wird vorab die ökologische und soziale Risikoexposition einer Branche beurteilt und anhand der Produkt- und Dienstleistungspalette analysiert. Damit lässt sich ein Unternehmen im Rahmen einer Sustainability-Matrix zweidimensional positionieren. Einmal im relativen Vergleich zur für das Unternehmen maßgebenden Industrie ("best in class"-Ansatz) und zusätzlich anhand einer absoluten Nachhaltigkeitsbeurteilung der Branche.

Die relative Branchennachhaltigkeit wird aber von anderen Experten kritisiert. Telekom sei nicht bloß deshalb nachhaltiger, weil sie keine Emissionen verursache. Die Chemie produziere ja auch für die Telekom-Branche.

Diesen Aspekt berücksichtigen wir über unseren produktorientierten Lebenszyklusansatz. Aber man muss sehen, dass gewisse Branchen einfach ein höheres Risikopotenzial hinsichtlich Ökologie und Gesundheit haben. Die besten 10 % der Ölkonzerne sind einfach nicht so nachhaltig wie die besten 10 % der Softwarehersteller. Wir stehen mit der Ansicht nicht alleine. Wir wenden unser Konzept seit einigen Jahren so erfolgreich an, dass englische Anbieter nachhaltiger Anlageprodukte wie Morley und Henderson dieses Konzept in ähnlicher Weise inzwischen ebenfalls umsetzen.

Die Ergebnisse des Nachhaltigkeits-Research mittels Positionierung auf der Sustainability-Matrix nehmen wir nun als Basis für den Aufbau verschiedenster Kundenvermögen, wobei Nachhaltigkeitsvorgaben und Risikopräferenzen der Kunden berücksichtigt werden können.

Wie rentabel sind nachhaltige Kapitalanlagen?

"Nichts im Leben ist umsonst". Dieses Sprichwort führte dazu, dass nachhaltige Kapitalanlagen lange mit dem Vorurteil behaftet waren, schlechter zu rentieren als herkömmliche. Vor 1994 war das sogar in der Tat berechtigt. Die "Ökofonds" der ersten Generation verfolgten anstatt einer Di-versifikation einen reinen Branchenansatz - verbunden mit den entsprechenden Risiken: Konnte sich eine umweltfreundliche Branche nicht durchsetzen, wirkte sich dies negativ auf die Anlagerendite aus.

Heute ist das Gegenteil der Fall. Nachhaltig Kapitalanlagen rentieren überdurchschnittlich. Unter der Voraussetzung, dass seitens des Produktanbieters ein kompetentes Fondsmanagement betrieben wird, kann die Aussage getroffen werden, dass nachhalti-ges Management immer auch gutes Management ist. Wer durch ein professionelles Umweltmanagementsystem dafür sorgt, dass Schadstoffe in der Produktion gar nicht erst entstehen, muss diese nicht kostenintensiv entsorgen. Das Ölunternehmen, welches beim Neukauf eines Tankers die doppelwandige Version wählt, hat zwar vordergründig höhere Kosten, senkt jedoch die Risiken einer Umweltkatastrophe erheblich, was wiederum durch Finanzanalysten und Markt honoriert wird.

Welche Beispiele gibt es dafür?

Eindrucksvolle Indizien für diese These werden ständig erbracht. Betrachtet man z.B. die Performance des Domini 400 Social Index (dieser enthält 400 nach sozialen Kriterien überprüfte US-Unternehmen), so liegt dieser mit 16,30 % p.a. in den letzten zehn Jahren über der Performance des vergleichbaren Standard & Poors 500, der nur 15,11 % p.a. erzielte. Das entspricht einer Überrendite von 11,9 % im Gesamtzeitraum. Der nachhaltige Aktienfonds Value-Sar Equity z. B. lag seit seiner Auflage im Juni 1999 sieben Prozentpunkte über dem durch den Aktienindex MSCI abgebildeten Gesamtmarkt. Die Analyse der Kursent-wicklungen verschiedener Nachhaltigkeitsfonds, bzw. öko-ethischer Anlagen zeigt eindrucksvoll, dass führende Produkte den Vergleich mit der traditionellen Geldwelt nicht zu scheuen brauchen. Es gilt hier: Auch mit Nachhaltigkeit und Ökologie haben nicht alle Fondsmanager immer eine glückliche Hand - aber immer öfter.

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