NACHGEFRAGT: STEFAN SPANG
"Das Geld wird reinvestiert"

Eine neue McKinsey-Studie stellt unter anderem einen erheblichen Offshoring-Nachholbedarf bei europäischen Banken fest. Stefan Spang, Ko-Autor der Studie, im Gespräch über Probleme mit Produktivität und Qualität.

Einige Finanzdienstleister machen Ausgliederungen rückgängig, wie die Investmentbank Lehman Brothers, die ihren Help-Desk von Indien in die USA zurückverlagert. Waren die Erwartungen zu hoch?

Spang: Im Verhältnis zum gesamten Offshoring-Volumen handelt es sich hierbei nur um einen ganz geringen Teil. Aber natürlich mussten einige Unternehmen auch die Erfahrung machen, dass nicht alle Prozesse im Offshoring bearbeitet werden können. Erfahrungen auf dem lokalen Markt sind nötig. Nach den Auswirkungen der ersten Offshoring-Welle wird mit den heutigen Erkenntnissen vieles anders gemacht.

Wann entstehen Probleme?

Spang: Probleme entstehen, wenn Unternehmen glauben, sie könnten durch Offshoring die heutigen Leistungen zu besseren Preisen einkaufen. In den meisten Fällen ist es entscheidend, die Produktivität und Qualität der Dienstleistungen systematisch weiterzuentwickeln - genau so wie man das "onshore" auch machen würde.

Outsourcing und Offshoring gelten als Job-Killer. Sie rechnen vor, dass US-Unternehmen mit jedem Dollar, den sie in Offshoring investieren, 1,20 Dollar an Wert in den USA schaffen. Wie geht das?

Spang: Das eingesparte Geld wird im Ursprungsland wieder investiert. Dadurch werden neue Arbeitsplätze geschaffen, die dann aber eine höhere Wertschöpfung erzielen als die ausgelagerten. Das setzt natürlich einen liquiden und funktionierenden Arbeitsmarkt ebenso voraus wie die entsprechende Ausbildungsbasis für diese höhere Wertschöpfung - beides scheint derzeit in den USA gegeben.

Die Fragen stellte Katharina Kort.

Stefan Spang ist Leiter des Business Technology Office in London der Unternehmensberatung McKinsey.



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