NACHGEFRAGT: VIVIANE REDING
„Die Vielfalt ist unser Reichtum“

Das kulturelle Leben der EU wird mit der Erweiterung noch vielfältiger. Ist diese Vielfalt ein Hemmnis beim Zusammenwachsen Europas?

Diese Vielfalt ist unser Reichtum. Europa ist kein Schmelztiegel, Europa ist anders als die USA. In der Universitätspolitik wollen wir Modelle fördern, bei denen sich die besten Universitäten aus verschiedenen Ländern zusammenschließen. Diese Universitäten behalten ihre Eigenart, ihre Autonomie, ihre Kultur. Die Studenten gehen von einer Kultur zur anderen und sind am Ende Menschen, die ausgebildet sind, um mit der europäischen Vielfalt in der Praxis umzugehen.

Unter den weltbesten Business Schools sind nur wenige europäische. Muss die EU ihre dezentral angelegte Bildungspolitik in Brüssel bündeln, um sie zu verbessern?

Nein. Nehmen sie unser neues Projekt Erasmus World. Die Pilotprojekte laufen. Das kann zum Beispiel eine Zusammenarbeit der besten Business Schools beinhalten, die einen europäischen MBA anbieten. Europa bietet dann den Vorteil, dass ein Student in Paris, Barcelona und Berlin lernen kann. Das Resultat ist ein europäischer MBA mit europäischem Mehrwert, weil nicht nur Wirtschaftswissen gelernt wurde, sondern auch der Umgang mit sprachlichen und kulturellen Unterschieden.

Kann die EU mit freiwilligen Initiativen der Unis die wissensbasierte, ökonomische Dynamik entfalten, die 1999 mit dem Lissabon- Prozess ausgelöst werden sollte?

Die Dynamik ist schon heute groß. Die besten Universitäten arbeiten zusammen. Wir erhalten jede Menge Anfragen von Interessenten für Erasmus World. Dieses Programm wird Sogwirkung entfalten.

Wie tief in die Bildungssysteme hinein kann die Methode des voneinander Lernens angewandt werden?

Die Methoden der besten Praktiken können an regionale oder nationale Bedingungen angepasst werden. Nehmen wir das Beispiel der Pisa-Studie. Die hat aufgerüttelt. Besonders die Deutschen. Finnland hat bei der Untersuchung hingegen sehr gut abgeschnitten. Wir können voneinander lernen.

-------------------------------------------------------------------------------- Interview: J. Hoenig und B. Ziesemer.

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