Nachgefragt: Werner Köhler
„Bücher muss man mit Stars verkaufen“

Werner Köhler, Verleger und Geschäftsführer der Lit-Cologne, äußert sich im Handelsblatt-Interview unter anderem zu Büchern und dem Buchmarketing.

Herr Köhler macht das Buch zu wenig Furore um sich?

Allerdings. Das Buch hat alle Konkurrenten überlebt - das ist ein Grund zum Feiern. Nur das muss man eben laut tun. Heute ist keine Leise-Zeit mehr. Die Litcologne will einen Hype um das Buch kreiieren. Fünf Tage lang ist Lesen keine Geheimsache für Bücherwürmer sondern hipp.

Sie waren 16 Jahre Geschäftsführer bei der Thalia-Buchhandlung in Köln, was sollten sich Buchhändler bei der Litcologne abgucken?

Professionelle Veranstaltungsorganisation. Lesung in der Buchhandlung bedeutet oft: fünf Leute, die das Buch sowieso schon gelesen haben sitzen auf knatschigen Stühlen. Um mehr Bücher zu verkaufen brauche ich Stars und diese Stars sind die Autoren. Die Leute kommen wegen der großen Namen wie Batya Gur oder Leon de Winter. Und wenn der Autor gut, aber der Name noch klein ist, muss man eben in die Trickkiste greifen!

Was steckt in der drin?

Ein Beispiel: Arnaldur Indridasson ist ein erstklassiger isländischer Autor und dort auch sehr bekannt. Hier kennt ihn kein Mensch. Deshalb lassen wir ihn seinen neuen Krimi gemeinsam mit Detlef Buck lesen, und zwar im Kölner Polizeipräsidium. Unser Ziel: Die Leute gehen zwar hin und sagen "wir wollen zu Detlef Buck", aber wenn sie rauskommen sagen sie "wir waren bei Arnaldur Indridasson."

Warum konnten Sie bei diesem Marketing-Effekt fürs Buch noch keinen Verlag als Sponsor gewinnen?

Das ist eine gute Frage. Da kommt die Krämer-Seele der Verleger durch. Aber unser Druck auf die Verlage wächst. Wir hatten im letzten Jahr 34 000 Zuschauer und rechnen dieses Jahr mit knapp 40 000, mehr Leute können Sie mit Literaratur eigentlich nicht zusammenbekommen.

Ist die Litcologne eine Open-End-Veranstaltung oder muss beim nächsten Mal die Kasse stimmen?

Noch ist die Litcologne reines Hobby. Allerdings ein teures. Über das Jahr verteilt steckt praktisch die Arbeitskraft einer Person in der Organisation der Litcologne. Meine Kollegen und ich haben von Anfang an vereinbahrt, dass wir nach drei Jahren Kassensturz machen. Wenn die Lit.Cologne auch im nächsten Jahr wieder auf diesem Niveau stattfinden soll brauchen wir einen zusätzlichen Sponsor.

Wird der drohende Irak Krieg ein Thema auf den Veranstaltungen?

Bei der Lit-Cologne setzten sich Autoren aus verschiedensten Ländern mit Sprache auseinander, eine friedlichere Botschaft gibt es nicht. Streit über das Thema Irak ist erwünscht, möglicherweise sogar auf einem zusätzlichen Autorenform.

Die Fragen stellte Ann-Katrin Johannsmann

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