NACHGEFRAGT
Willi Diez: „2003 müsste es leicht aufwärts gehen“

Im Interview: Willi Diez ist Leiter des Institutes für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Nürtingen.

Der Automarkt schrumpft seit drei Jahren. Wie lässt sich da überhaupt noch Geld verdienen?

Es gibt zwei strategische Ansätze. Der erste ist, sich neue regionale Märkte zu erschließen. Das macht zum Beispiel BMW sehr intensiv in Asien. Und die zweite Strategie ist, neue Produkte einzuführen und Nischen und Marktsegmente zu besetzen.

Erklärt das den Erfolg der Franzosen?

Bei den Franzosen muss man differenzieren. Renault hat auch erkennbar Absatzprobleme bekommen. Der Erfolg des PSA-Konzerns ist dagegen zum einen auf das attraktive Dieselangebot zurückzuführen. Und der Konzern verfolgt eine recht intelligente Strategie mit ihren zwei Marken Peugeot und Citroen: Mit Peugeot als höherwertiger Marke und Citroen quasi als Billigmarke, die auch mit deutlichen Preisnachlässen angeboten wird. Zugleich werden Plattformen zwischen den Marken genutzt, um die Kosten niedrig zu halten.

VW, der "Erfinder" der Plattform-Strategie, will die Modellpalette straffen. Haben die Wolfsburger Defizite in der Produktplanung?

VW hat zuletzt sehr viel in den Luxusbereich investiert und dabei ihr Brot-und-Butter-Auto Golf vernachlässigt. Eine etwas kräftigere Modellpflege hätte dem Auto gut getan. Der neue Geländewagen Touareg und der Mini-Van Touran sind zwar interessante Produkte, aber zwei Jahre zu spät auf dem Markt.

Zeigt der Trend, dass Autos zu Lifestyle-Produkten geworden sind?

Ich glaube, wir müssen zwei Trends unterscheiden. Da gibt es zum einen die Steigerung des Gebrauchswert des Automobils für unterschiedliche Einsatzzwecke. Und dann gibt es den emotionalen Bereich, der von Geländewagen und Roadstern markiert wird. Der Trend in die Nische wird durch beide Aspekte getrieben.

Darf die Branche 2003 denn wieder auf eine Belebung hoffen?

Grundsätzlich ja. Die Branche hat drei schwache Jahre hinter sich. Da muss sich durch die Alterung der Autos ein gewisser Ersatzbedarf aufgebaut haben. Eigentlich müsste es also 2003 aufwärts gehen. Das hängt aber vom Ölpreis und der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ab. Einen bescheidenen Aufwärtstrend dürften wir aber sehen.

Quelle: Handelsblatt

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