Nachhaltige Erholung noch nicht in Sicht
Cisco strebt mit neuer Struktur den Umschwung an

Nach hohen Verlusten im abgelaufenen Geschäftsjahr sieht der amerikanische Netzwerkausrüster Cisco Systems Inc. erste Zeichen einer Trendwende. Das Geschäft stabilisiere sich, teilte das Unternehmen aus San Jose in Kalifornien mit.

ehe NEW YORK. Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres werde Cisco höchstens leichte Umsatzeinbußen bis zu fünf Prozent haben und damit die Erwartungen erfüllen, sagte Unternehmenschef John Chambers. Zugleich kündigte er einen Umbau der Geschäftsbereiche des Technologiekonzerns an.

Der optimistische Ausblick von Cisco sorgte für eine Erholung an der Technologiebörse Nasdaq in New York. Der Kurs von Cisco selbst legte am vergangenen Freitag um knapp 9 % zu und schloss bei 18,25 $.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr (28. Juli) hatte der Konzern einen Verlust von 1 Mrd. $ erzielt, noch im vierten Quartal war der Umsatz stark eingebrochen. Im März vergangenen Jahres war Cisco mit einem Börsenwert von 555 Mrd. $ das wertvollste Unternehmen der Welt. Der Aktienkurs stand damals bei etwa 80 $. Inzwischen hat sich General Electric wieder an die Spitze der Börsenbewertung gesetzt.

Analyst dämpft all zu hohe Erwartungen

Durch die Umstrukturierung von Cisco mit heute drei Hauptsparten in elf Technologiegruppen sollen Produktentwicklung und Marketing effizienter werden. Personelle Überschneidungen sollen verhindert und technische Neuentwicklungen gemeinsam vorangetrieben werden. Konzernchef Chambers sieht in der strafferen Unternehmensstruktur die Möglichkeit zu weiterem Wachstum. Für Cisco ist dies der größte interne Umbau seit mehr als vier Jahren.

"Auch wenn diese Restrukturierung sicherlich wichtig ist, hat sie doch keine Auswirkungen auf mittelfristige Ziele des Unternehmens", kommentiert Michael Ching, Analyst bei Merrill Lynch und dämpft damit all zu hohe Erwartungen. Langfristig jedoch sei Cisco am Besten positioniert, um Marktanteile zu gewinnen, sobald sich die Märkte erholen.

Der Umbau werde ohne weitere Entlassungen ablaufen, heißt es bei Cisco. Erst zu Beginn des Jahres wurden 8 500 Mitarbeiter auf die Straße gesetzt, das entsprach etwa 17 % der Belegschaft. Bis Ende Oktober würden allerdings durch Fluktuation weitere Stellen abgebaut werden. Prominentestes Opfer ist Kevin Kennedy. Er war 1994 von Bell Laboratories zum Technologiekonzern Cisco gewechselt und war zuletzt als Senior Vizepräsident für das Telekommunikations-geschäft zuständig.

Neu ernannter Entwicklungschef

Kennedys Geschäftsbereich hatte im vergangenen Geschäftsjahr überdurchschnittlich stark verloren. An der Wall Street wurde die Trennung daher erwartet, zumal Kennedy und Chambers seit Monaten unterschiedlicher Auffassungen gewesen sein sollen. "Kennedy wird wahrscheinlich bald als Vorstandsvorsitzender eines Internetdienstleisters auftauchen", kommentiert Alexander Henderson, Analyst bei Salomon Smith Barney.

Den elf Unternehmensteilen wird der neu ernannte Entwicklungschef Mario Mazzola vorstehen. Er kam nach Ciscos erster von insgesamt 73 Akquisitionen bereits 1993 zum Unternehmen. Im vergangenen Jahr wurde er nach nur dreimonatigem Ruhestand von Chambers zurück geholt und mit Spezialprojekten beauftragt.

Analysten bezweifeln allerdings, ob die Ernennung von Mazzola Konzernchef Chambers wirklich entlasten werde. "Der Umbau wird sicherlich dazu beitragen, aber die Frage bleibt, ob Chambers weiterhin die meiste Arbeit selbst machen kann", sagt Ken Leon, Analyst bei ABN Amro. Immer noch werden 12 von 15 Topmanagern direkt an den Cisco-Chef berichten.

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