Nachhaltige Kaufimpulse fehlen weiterhin
Dax-Ausblick: Das Kursgewitter scheint noch nicht beendet

Die zahlreichen Stimmen von Kapitalmarktexperten, die von einer Bodenbildung sprachen, sind verstummt. In der vergangenen Börsenwoche ging es erneut vorwiegend in eine Richtung: abwärts. Nach Meinung von Analysten ist der Abwärtstrend noch nicht beendet. Kurschancen gibt es lediglich mittelfristig.

DÜSSELDORF. "Die Märkte sind technisch und vor allem psychologisch angeschlagen", sagt Carsten Riester, Analyst der GZ-Bank. Ob sich die angeschlagene Stimmung zumindest kurzfristig wieder bessern kann, hänge insbesondere von der Entscheidung über eine Zinssenkung am kommenden Dienstag in den USA ab. Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Fed um Notenbankchef Alan Greenspan kommt dann turnusmäßig zusammen, um über die weitere Zinspolitik abzustimmen. Erwartet wird gemeinhin eine deutliche Zinssenkung der Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt

Siehe auch: Alan Greenspan soll es wieder richten

Drei Szenarien prognostiziert Riester: Für den Fall, dass es keine Zinssenkung gibt, dürften die Kapitalmärkte mit Enttäuschung reagieren. Eine Zinssenkung von 50 Basispunkten hingegen sei in den Aktienkursen bereits enthalten - also "eingepreist". Sollte die Zinssenkung schließlich größer ausfallen, dürfte dies die Märkte zumindest kurzfristig stimulieren. Dass Greenspan allerdings mehr als einen halben Prozentpunkt heruntergeht, hält Riester für eher unwahrscheinlich: "Dann kämen erneut inflationäre Ängste auf."

Dax-Stände zwischen 5 600 und 6 000 Punkten

Bei einer US-Leitzinssenkung von mehr als 50 Basispunkten glaubt Riester, dass der Deutsche Aktienindex Dax sich wieder an die 6 000-Punkte-Marke herantasten wird. Insgesamt erwartet er in der kommenden Woche Dax-Stände zwischen 5 600 und 6 000 Punkten. Bis sich die Stimmung insbesondere bei den zahlreichen High-Tech-Aktien wieder aufhellt, dürften nach Riesters Prognose noch ein bis zwei Monate ins Land ziehen. Da inzwischen die wichtigen Indizes äußerst technologielastig geworden sind, bedeute das, dass es noch keine Entwarnung gebe. Eine Rückkehr der Euphorie für Tech-Werte werde wahrscheinlich erst im dritten Quartal möglich sein.

Privatanlegern empfiehlt Rister daher, momentan ihren Liquiditätsanteil noch groß zu halten und nur mit langfristigem Anlagehorizont ausgewählte Aktien zu ordern. Er rät zu defensiven Titeln wie Bayer, BASF, CS-Group und RWE. Für einige dieser Titel stehen in den kommenden Wochen die Hauptversammlungen an. Gute Unternehmenszahlen könnten die Aktien auch in der aktuellen Schwächephase über Wasser halten. Die GZ-Bank hat die RWE-Aktie jüngst als Kaufempfehlung mit "Outperformer" eingestuft: Aufgrund der überzeugenden Entwicklung des Konzerns, der Synergiepotenziale sowie der aussichtsreichen Perspektiven in den Kerngeschäftsfeldern erwarten die Analysten der GZ-Bank AG auf mittlere Sicht eine überdurchschnittliche Entwicklung der Aktie.

Neuer Markt weiter im Rückwärtsgang

Auch das Wachstumssegment Neuer Markt befindet sich weiter im Rückwärtsgang. Die Analysten der DG Bank sehen nach dem großen Kurseinbruch die verfehlten Unternehmensprognosen zahlreicher Neuer-Markt-Unternehmen als Ursache und weiteren Belastungsfaktor. "Die Stimmung ist derzeit so schlecht, dass auf der anderen Seite gute Unternehmensnachrichten vom Markt nicht wahrgenommen werden", heißt es im Wochenausblick der Analysten. Die DG-Banker sehen aus technischer Perspektive ein Kaufsignal beim Nemax-All-Share, sobald dieser die Zone zwischen 1 925 und 2 030 Punkten überschreiten kann. Unter 1 640 Punkte wiederum (Unterstützungsmarke) soll der Index nach ihrer Auffassung nicht fallen.

In der strategischen Empfehlungsliste der DG Bank rangieren Aixtron, Constantin Film, International Media, LPKF, Mühlbauer, Syskoplan und Teleplan. Neben diesen Werten aus dem Wachstumssegment gab es bei den Top-Werten der DG-Bank eine Veränderung: Die Siemens-Aktie wurde aus der Top-15-Liste herausgenommen und durch Papiere von Hugo Boss ersetzt. Zur Begründung heißt es, der Bekleidungshersteller könne ein nachhaltiges Wachstum bei Umsatz und Ertrag ausweisen. Steigende Umsätze bei der neuen Damenkollektion ließen eine sehr positive Geschäftsentwicklung erwarten. Die angekündigte Sonderausschüttung und der zur Jahresmitte angekündigte Aktiensplitt im Verhältnis 1:10 sollten für weitere Kursimpulse sorgen. Die Analysten erwarten ein Kurspotenzial von 20 %.

Auf mittlere Sicht gibt es wieder Optimismus

Die augenblickliche depressive Stimmung ändert nichts an der zuversichtlichen Markteinschätzung zahlreicher Kapitalmarktexperten auf mittlere Sicht. Die Commerzbank betont beispielsweise, dass viele deutsche Aktien zurzeit deutlich unterbewertet seien. Trotz möglicher Kurskorrekturen sei bei vielen Unternehmen noch immer mit einem kräftigen Gewinnwachstum zu rechnen. Die hohen Barbestände bei Privaten und Institutionellen sollten die nötige "Munition" für eine Kurserholung liefern.

Dennoch empfiehlt die Commerzbank Kleinanlegern derzeit weiter besonnen zu bleiben und an vorsichtige Nachkäufe bei Qualitätstiteln wie Siemens, Linde, AMB und SGL Carbon zu denken.

Auf mittlere Sicht ist auch Horst Frey, Leiter des Aktienresearch beim Kant Vermögensmanagement positiv gestimmt: "Auf 12-Monatssicht erwarten wir beim Dax und Euro-Stoxx-50 zwischen 25 und 30 % Zuwachs", sagt Frey. Für die technologielastige US-Leitbörse Nasdaq prognostiziert er auf Jahressicht ebenfalls ein deutlich höheres Kursniveau von 3 000 Punkten.

"Viel muss nicht mehr passieren, dass sich der Trend bei den Technologie-Aktien umkehrt", sagt Frey. Er glaubt, dass der Boden in der Nähe des aktuellen Kursniveaus liegt. Für Investoren sei es aus strategischer Perspektive jetzt fast schon unbedeutend, ob einzelne Top-Werte kurzfristig noch weiter fallen, wenn auf Jahressicht eine gute Entwicklung zu erwarten sei. Frey rät zum Kauf von Siebel und SAP. Siebel wird nach seiner Meinung zu den Siegern des aktuellen Ausleseprozesses gehören und werde von der Schwäche seiner Wettbewerber profitieren. Eine Gewinnwarnung des amerikanischen Software-Unternehmens sei unwahrscheinlich. Das Walldorfer Unternehmen SAP sei ein Basisinvestment im Softwarebereich und werde voraussichtlich die Erwartungen mehr als erfüllen. Darum laute das Urteil "Übergewichten". Auch die Aktie von Ciena ist für Frey ein Kauf (Einschätzung: "Stark Übergewichten"). Der amerikanische Telekommunikationsausrüster habe im momentan schwierigen konjunkturellen Umfeld seinen positiven Ausblick sogar bekräftigt. Das Kursziel liege bei 100 US-$ (aktuell: ca. 60 US-$; Stand Freitag, 17 Uhr.)

Für ausgewählte Dax-30-Werte haben wir in dieser Woche die strategischen Anlageempfehlungen von UBS Warburg in der folgenden Tabelle zusammengestellt:

Ihre Meinung zur Lage auf dem Parkett? Schreiben Sie an: r.schweins@vhb.de

UBS Warburg

Unternehmen

Einschätzung

EPSe

2000

2001

Adidas

-Salomon
Kaufen4,575,40
Allianz AGHaltenn.a.n.a.

BASF

Halten2,653,27

Bayer

Halten2,703,17

Hypo

-Vereinsbank
Halten3,383,61

BMW

Kaufen1,561,92

Commerzbank

Halten2,082,30
Daimler-ChryslerVerkaufen0,851,85
Degussa AGKaufen3,233,69

Deutsche Bank

Kaufen4,945,44
Deutsche TelekomKaufen1,59-0,84
DresdnerHalten2,022,13

Epcos

Halten4,374,34

Henkel

Halten3,493,92

Karstadt

-Quelle
Halten1,561,74

Lufthansa

Kaufen1,411,44

Metro

AG
Kaufen1,131,42
Münchener Rück.Kaufenn.a.n.a.
PreussagHalten2,142,67

RWE

Halten2,853,35

SAP

AG
Kaufen3,114,20

Schering

AG
Halten1,962,41

Siemens

Halten5,766,61
Thyssen KruppKaufen1,191,55

Volkswagen

Verkaufen3,412,90
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