Nachlass-Experten mit hohem Verdienst
Insolvenzverwalter - Berufsstand mit Hochkonjunktur

Immer wenn der Vorstand nur noch in der Pleite einen Ausweg sieht, rücken die Nachlass-Experten an - zuletzt beim Medienkonzern Kirch, dem Bauriesen Holzmann, dem Flugzeughersteller Fairchild Dornier und dem Schreibwarenunternehmen Herlitz. Meist sind es bekannte Anwälte mit viel Erfahrung. Aber das boomende Geschäft lockt auch immer mehr Nachwuchs in die Branche: Im Jahr 2000 zählte die Bundesrechtsanwaltskammer erst 30 Fachanwälte für Insolvenzrecht. Heute sind es 268.

dpa BERLIN. Dabei muss ein Insolvenzverwalter nicht Anwalt sein. Grundsätzlich können die zuständigen Amtsgerichte den Verwalter frei bestimmen, sobald bei ihnen der Insolvenzantrag eingegangen ist. Nach Paragraf 59 der Insolvenzverordnung müssen sie nur eine "natürliche Person" bestellen, die "unabhängig" und "insbesondere geschäftskundig" ist. Theoretisch können auch Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater eingesetzt werden. Auf mehr als 1 200 wird die Zahl der Verwalter in Deutschland insgesamt geschätzt.

Bei größeren Verfahren sind es aber fast immer die selben Anwälte, auf die die Wahl der Gerichte fällt. Die Riege der deutschen Insolvenzverwalter gilt als "geschlossene Gesellschaft". Einige betreuen mehr als 50 Verfahren gleichzeitig. Zu den Großen der Branche gehören Jobst Wellensiek aus Heidelberg, Ottmar Hermann aus Frankfurt am Main oder Peter Leonhardt aus Berlin, der nun auch für Herlitz zuständig ist. Bei der Kirch Media wurde der Münchner Rechtsanwalt Michael Jaffe zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt, der auch beim Elektronikkonzern Schneider tätig ist.

Bei großen Verfahren ist auch ein bedeutender Verdienst sicher. Die Vergütung der Insolvenzverwalter richtet sich nach der so genannten Teilungsmasse - also dem, was im Unternehmen an Werten noch vorhanden ist. Zusätzlich können Anwälte die normalen Anwaltsgebühren in Rechnung stellen. In Einzelfällen kann dies in die Millionen gehen, wie ein Verwalter zugibt. "Nach einem Verfahren wie Fairchild- Dornier oder Holzmann würde ich mich zur Ruhe setzen."

"Sanieren statt Liquidieren"

Der Insolvenzverwalter führt zunächst das Tagesgeschäft und sucht nach neuen Geldquellen. Die seit 1999 geltende neue Insolvenzordnung steht unter dem Motto "Sanieren statt Liquidieren". In Abstimmung mit den Gläubigern kümmert sich der Verwalter um ein Sanierungskonzept, sucht nach potenziellen Käufern und sorgt dafür, dass die Beschäftigten drei Monate lang Insolvenzgeld vom Arbeitsamt bekommen.

"Wir verstehen uns mehr als Geburtshelfer denn als Unternehmensbestatter", sagt Rainer Bähr vom Arbeitskreis Insolvenzrecht des Deutschen Anwaltvereins. "Dazu brauchen Sie juristische Erfahrung, kaufmännische Kenntnisse und vor allem müssen Sie mit Menschen umgehen können." Der 44-jährige kümmert sich als Mitglied in der Sozietät Hermann derzeit um das Insolvenzverfahren bei Holzmann.

Aber auch abseits der großen Fälle gibt es genug Arbeit. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rechnet in diesem Jahr mit einem Rekord von 40000 Firmeninsolvenzen, allein im ersten Quartal wurden schon 8357 Verfahren eröffnet. Trotzdem warnen Experten aber davor, dass zu viele Anwälte ihre Zukunft im Insolvenzgeschäft sehen.

Viele Neueinsteiger betreuen zunächst Verbraucherinsolvenzen, bei denen nicht viel zu verdienen ist. Die durchschnittliche Vergütung pro Fall liegt hier bei 250 Euro. "Das kann schon eine Durststrecke von fünf Jahren bedeuten, bis das Amtsgericht auch die größeren Fälle weitergibt", sagt Bähr.

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