Nachprüfungspläne am Neuen Markt
Bilanzprüfer KPMG im Visier der Aktionärsschützer

Der Vorstoß der Wirtschaftsprüfer von KPMG, alle 36 bereits testierten Jahresabschlüsse am Neuen Markt noch einmal zu überprüfen, hat bei Experten deutliche Reaktionen hervorgerufen. Sie reichen von Verwunderung bis Spott.

lü DÜSSELDORF. Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) bezeichnet das Vorgehen "als das blanke Eingeständnis, dass man seinen eigenen Fähigkeiten nicht vertraut." Für Karlheinz Küting, Chef des Instituts für Wirtschaftsprüfung an der Uni Saarbrücken, ist dies wieder einmal ein klarer Fall von Schlamperei: "Wenn die Gesellschaft ordnungsgemäß geprüft hätten, wäre eine nochmalige Kontrolle überflüssig."

Für Aktionärsschützerin Keitel stellt sich nach den Skandalen um Comroad oder Phenomedia zudem die Frage, warum nur Neue Markt-Unternehmen erneut unter die Lupe kommen. "Werden die etwa anders geprüft? Da kann man nur den Kopf schütteln".

Unternehmen, denen falsche Bilanzierung nachgewiesen werden kann, drohen Strafmaßnahmen bis hin zum Delisting. Allerdings komme es, so ein Sprecher der Gruppe Deutsche Börse, auf den Einzelfall an, etwa ob mit dem Entzug des Bestätigungsvermerks der gesamte Jahresabschluss nichtig wird.

Entdeckt der Prüfer nachträglich gravierende Mängel - etwa eine Überbewertung von Aktiva - so hat dies freilich die Nichtigkeit des Jahresabschlusses zur Folge, bestätigt Klaus-Peter Feld vom Institut der Wirtschaftsprüfer in Düsseldorf.

Dass mehr Bilanzen als zunächst angenommen falsch sind, aber dennoch als richtig abgehakt werden, zeigen auch Untersuchungen von Experten. Studien der Universität des Saarlandes und der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) kommen zu dem Ergebnis, dass Wirtschaftsprüfer immer mehr Fehler übersehen. So nahm Bilanzexperte Küting 342 Geschäftsberichte von Nemax-Titeln unter die Lupe. Sein Fazit: Wirtschaftsprüfer haben bei Unternehmen im Neuen Markt eklatante Verstöße gegen einschlägige Bilanzierungsvorschriften akzeptiert. "Es hat vor Fehlern nur so gewimmelt. Sie stehen allerdings in keiner Relation zu dem, was jetzt an Prüfungspleiten offenkundig wird."

Auch die in Berlin ansässige WPK entdeckte in einer Untersuchung von Abschlüssen des Geschäftsjahres 2000 unrichtige oder fehlende Angaben sowie falsche Testate. In einigen Fällen hat die Kammer gegen Prüfer berufsrechtliche Schritte eingeleitet. Für Küting ist die Negativ-Serie am Neuen Markt nicht verwunderlich: "Die Unternehmen konzentrieren sich in erster Linie auf ihr Kerngeschäft und weniger auf eine den Anforderungen des Kapitalmarktes genügende Rechnungslegung."

Quelle: Handelsblatt

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