Nachrichten und E-Mails werden über Funk an die Uhr am Handgelenk übertragen
Armbanduhr spielt den neuesten Song

Hersteller von Uhren zeigen sich als wahre Meister der Miniaturisierung. Sie packen in das Gehäuse am Handgelenk nicht nur eine Digitalkamera. Längst bedienen Uhren Stereoanlage und Fernseher, messen Blutdruck und Puls. Sie liefern sogar Aktienkurse oder Wetterberichte aus dem Internet.

DÜSSELDORF. Die Miniaturisierung macht es möglich. Hersteller wie Casio, Timex oder Fossil staffieren ihre Uhren mit zusätzlichen Funktionen aus und hoffen so, neue Kunden für ihre Produkte zu gewinnen. So will sich beispielsweise Fossil ein Stück von dem wachsenden Markt mit Minicomputern sichern. Der Uhrenhersteller hat angekündigt, noch in der ersten Hälfte dieses Jahres einen PDA fürs Handgelenk auf den Markt zu bringen.

Der 145 $ teure Minicomputer für den Arm wird nur 75 Gramm wiegen. Der Wrist(Handgelenk)-PDA soll den Taschencomputer jedoch nicht ersetzen, sondern nur ergänzen und all jene begeistern, die ihren PDA nicht ständig mit sich herumtragen wollen. Er empfängt die Adressen und Termine über die Infrarotschnittstelle von den großen PDA - den Palms, Handspring- Computern oder Pocket-PC von Compaq, Casio und Hewlett-Packard.

Laut Fossil soll sich der 190-KByte-große Speicher bis zu 1 000 Adressen, 800 Termine, 5 000 Aufgaben sowie 350 Memos merken können. Einziger Nachteil: Bereits nach einem bis maximal drei Monaten macht die Batterie des Gerätes schlapp und muss ausgetauscht werden - ein teures Vergnügen.

Gemeinsam mit Motorola hat Uhrenhersteller Timex sogar das Internet ans Handgelenk gebracht. Über eine spezielle Software empfängt die Digitaluhr - ähnlich wie ein WAP-Handy - per Mobilfunk Nachrichten und E-Mails. Ein News-Ticker, Wetterberichte, Sportergebnisse oder Aktienkurse erscheinen als Lauftext in dem Minidisplay der Uhr - nur telefonieren kann man mit dem Zeitmesser noch nicht. Die Nachrichten liefert die in den USA operierende SkyTel für 10 $ monatlich. Die knapp 100 $ teure Uhr wird daher zurzeit nur in den USA vertrieben.

Gleich eine ganze Palette von High-Tech-Uhren hat Casio im Programm. Der Pionier bei der Integration von zusätzlichen Funktionen in den althergebrachten Chronometer hat die Uhren zu wahren Tausendsassas am Handgelenk entwickelt: Ausgerüstet mit einem Empfänger für GPS (Global-Position-Service)- Signale führt die 600 Euro teure "Satellite Navi" den orientierungslosen Stadtindianer durch den Großstadtdschungel oder weist dem verschollenen Outdoor-Enthusiasten die Richtung aus der Wildnis. Sie nutzt zur Navigation die Signale der weltumspannenden GPS-Satelliten.

Daneben hat Casio mit dem Wrist Audio Player den weltweit ersten MP3-Player für das Handgelenk im Programm. Die Uhr wird über eine PC-Verbindung mit den aktuellen Songs aus dem Internet gespeist. Mit einer lernfähigen Fernbedienung ist die Wrist Remote Watch ausgerüstet. Mit dieser Uhr können die Funktionen von TV- und Videogeräten, HiFi-Anlagen, die Raumbeleuchtung oder der Camcorder per Knopfdruck und Infrarotübertragung gesteuert werden. Die Armbanduhr zum Preis von 130 $ knüpft dabei Kontakte mit bis zu 20 verschiedenen Geräten in maximal fünf Metern Entfernung. Doch damit nicht genug: Die 32 Gramm leichte Wrist-Digital-Color-Kamera von Casio kann in ihrem 1- MB-Speicher immerhin bis zu 80 Bilder im JPEG-Format speichern und via Infrarot-Adapter zum Computer bzw. Notebook oder Palm-PDA überspielen.

Ken Dulaney, Analyst der Gartner Group, bestätigt den Trend zur High-Tech-Uhr. Er ist jedoch skeptisch, ob die Strategie der Uhrenhersteller erfolgreich sein wird: "Menschen wählen eine Armbanduhr doch eher nach Stil und Design", sagt Dulaney. Er vermutet, dass die Käufer an Stelle von Uhren mit winzigem Zwergendisplay und Liliput-Tastatur eher andere Geräte bevorzugen werden. "Wenn der PC künftig am Körper getragen wird, wird dies bestimmt nicht in Form von Armbanduhren geschehen", bremst der Gartner-Analyst die Euphorie der Uhrenhersteller.

Doch Casio-Sprecher Andrew Ziegler lässt sich so einfach nicht entmutigen. "Auch wenn die High-Tech-Gnome zurzeit nur einen Nischenmarkt ausmachen - spätestens wenn mit ihnen das mobile Telefonieren möglich wird, gelingt der Durchbruch für die Multifunktionsgeräte am Handgelenk."

Quelle: Handelsblatt

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